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Bei den Endlagern für Atommüll steht bereits die Kurzzeit-Sicherheit in Frage

Atommüll-Endlagerung

18.01.2007

Beim Thema Endlagerung wird meist nur die Langzeit-Sicherheit diskutiert. Dies verkennt die Tatsache, dass sich an den bislang diskutierten Endlagerstandorten bereits bei der "Kurzzeit-Sicherheit" erhebliche Probleme abzeichnen. Es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, dass die Errichtung eines atomaren Endlagers auch deswegen in den nächsten Jahrzehnten scheitert, weil selbst die kurzfristigen Sicherheitsrisiken für die Bevölkerung als zu groß erscheinen.

Wassereinbruch in Asse I und Asse II bei Wolfenbüttel

So droht die nach offizieller Darstellung "versuchsweise nicht rückholbare Endlagerung" im Versuchsendlager Asse II bei Wolfenbüttel in Niedersachsen zu scheitern. Das Lager könnte "abzusaufen", weil bereits seit 16 Jahren täglich 12,5 Kubikmeter Lauge in den Salzstock eindringen. Die Flüssigkeit darf auf keinen Fall in Kontakt mit dem Atommüll geraten. Untersuchungen zufolge handelt es sich eindeutig um eindringendes Tertiärwasser, also Grundwasser.

Schon 1906 war es im benachbarten Schacht Asse I zu einem Wassereinbruch gekommen, in dessen Folge die Grube vollief und aufgegeben werden musste. Es gibt Befürchtungen, in Asse II könnte Ähnliches passieren.

1967 wurden die ersten Tonnen mit radioaktivem Abfall in Asse II eingelagert. In den folgenden Jahren wurden insgesamt 125000 Fässer mit schwach- und 1300 mit mittelradioaktivem Atommüll eingelagert. Dabei wurden verschiedene Methoden ausprobiert, so das senkrechte oder waagerechte Stapeln der Fässer. Ab 1974 gingen die Betreiber zur so genannten Versturztechnik über. Bei diesem Verfahren kippen Schaufelradlader die Tonnen mit Atommüll einfach über Abhänge auf tiefer gelegene Sohlen. In den 1980er Jahren gab es auch Versuche zur Einlagerung von stark strahlendem Müll. Wegen des Wassereinbruchs verlangen Anwohner, dass der Atommüll wieder aus dem Bergwerk entfernt wird.

Erdbebengefahr für das geplante Endlager Gorleben

Die Abschirmung eines atomaren Endlagers kann auch durch Erdbeben schon sehr kurzzeitig beeinträchtigt werden, so dass das hochradioaktive Material Grundwasser-Kontakt bekommt.

Gorleben wurde von manchen Fachleuten auch deswegen als geeigneter Endlager-Standort angesehen, weil die Erdbebengefahr in Norddeutschland relativ gering war. Am 20. Oktober 2004 geschah aber nahe bei Rotenburg zwischen Hamburg und Bremen das, was nach wissenschaftlichem Ermessen dort eigentlich nicht hätte passieren dürfen: die Erde bebte nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe mit der Stärke 4,5 auf der Richterskala. Am 15. Juli 2005 folgte der nächste Schlag: Ein Erdbeben der Stärke 3,8 südlich von Bremen.

Das Beben am 20. Oktober 2004 ereignete sich rund 150 Kilometer von Gorleben entfernt. Als Ursache wird in Fachkreisen die Erdgasförderung Norddeutschlands diskutiert. Die Gefahr von förderungsbedingten Erdbeben für die Endlager wurde bisher noch nie untersucht [vgl. Spiegel Online vom 21. März 2006, Gasförderung soll Erdbeben in Deutschland ausgelöst haben].

Unabhängig davon, ob die vergleichsweise schweren Erdbeben in Norddeutschland auf die Erdgasförderung zurückzuführen sind oder nicht, zeigen die Ereignisse, dass ein atomares Endlager auch in Norddeutschland durch Erdbeben gefährdet wäre.

Gorleben verfügt über kein dichtes Deckgebirge

Darüber hinaus weiß man vom Gorlebener Salzstock aufgrund der Probebohrungen schon lange, dass noch nicht einmal ein dichtes Deckgebirge vorhanden ist. Kontakt zum Grundwasser ist bewiesen. Das zeigt, dass selbst kurzzeitig keine Sicherheit gewährleistet werden kann. Dies geht auch aus den Ausführungen und der – nachfolgend dokumentierten – Abbildung in der Broschüre "Endlagerung radioaktiver Abfälle als nationale Aufgabe" des Bundesamtes für Strahlenschutz hervor [BfS, Endlagerung radioaktiver Abfälle als nationale Aufgabe, 2005, S. 48ff.].

Fazit

Die Beispiele zeigen, dass allein aufgrund der ungewissen "Kurzzeit-Sicherheit" die Errichtung eines atomaren Endlagers in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich scheitern wird, und somit die Zwischenlagerung von hochradioaktivem Atommüll sehr leicht ein Dauerzustand werden könnte.

Von Henrik Paulitz

 

 

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