IPPNW.DE
Text vergrößernText verkleinernSeite druckenRSS-Feed aufrufen Seite versenden

Kieler Erklärung (1990)

Dokumente und Erklärungen

IPPNW-ÄrztInnen fordern vor dem Hintergrund der Gefahren der Atomenergie für Gesundheit und Leben vom Uranabbau bis zum Atommüll den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie auf einem öffentlichen Kongress der IPPNW in Kiel im März 1990.

"Die Nutzung der Atomenergie vom Uranabbau bis zum Atommüll bedroht Gesundheit und Leben. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass die Gefahren der Radioaktivität auch in niedriger Dosierung bislang unterschätzt worden sind. Die Langzeit-Wirkungen sind u.a. Krebs und Schäden am Erbgut. Wie Harrisburg und Tschernobyl gezeigt haben, ist eine Katastrophe jederzeit möglich; ihre Folgen sind nicht beherrschbar. Wir sind erschüttert über die Berichte aus der Sowjetunion, die uns das wahre Ausmaß der Folgen von Tschernobyl ahnen lassen.

Die Probleme des Atommülls sind weltweit ungelöst; sie bürden nachfolgenden Generationen untragbare Lasten auf.

Deshalb fordern wir den

Sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie

Auch zur Abwendung der drohenden Klima-Katastrophe würde der Ausbau der Atomindustrie keinen Beitrag leisten. Atomkraftwerke dienen vorwiegend der Strom-Erzeugung. Der größte Anteil am CO²-Ausstoß stammt aus Wärme-Erzeugung und Verkehr und muss dort drastisch eingeschränkt werden. Zudem verhindern die hohen Kosten der Atomenergie die notwendigen Investitionen zum Ausbau ökologisch verträglicher Energieformen.

Wir stellen darum fest:

* Wir wissen uns einig mit allen Menschen, die an den Standorten der Atomindustrie mit den verschiedensten demokratischen Mitteln für eine Stillegung arbeiten.
* An einigen Orten haben Atomkraft-GegnerInnen begonnen, ihrem Protest durch gewaltfreien Widerstand ein besonderes Gewicht zu geben, z.B. durch Sitz-Blockaden. Wir sehen das als ein Zeichen der Hoffnung.
* Wir versuchen, unsere Lebensweise so zu ändern, dass der persönliche Energie-Verbrauch sinkt. Dies dient nicht nur dem eigenen Vorteil, sondern ist auch notwendige Solidarität mit den arm gehaltenen Völkern.

Die Zeit drängt!

Unsere Kinder haben das Recht auf eine lebenswerte Zukunft!

Wir wollen heute handeln!"

(2.-4. März 1990 IPPNW-Kongress "Ausstieg aus der Atomenergie" in Kiel)

Foto: 

Sitemap Überblick