22.09.2026 Die Friedensorganisation für Gesundheitsberufe IPPNW kritisiert die geplante zivil-militärische Zusammenarbeit bei dem Kriegsmanöver „Red Storm Charlie“ in Hamburg unter Einbeziehung von Beschäftigten im Gesundheitswesen. Rollenkonflikte sind vorprogrammiert, wenn medizinisches Personal in militärische Strukturen eingebunden wird. Medizinische Ethik und militärische Logik sind völlig unterschiedlich ausgerichtet und müssen in Konflikt geraten, wenn im Krieg die Knappheit an Personal und Material zwangsläufig zu einer Priorisierung medizinischer Leistungen zugunsten des Militärs führen wird.
In Hamburg findet diese Woche das NATO-Manöver „Red Storm Charlie“ statt, das den Kriegsfall mit Russland simuliert. Unter Beteiligung eines Transporthubschrauber-Regiments der Bundeswehr sollen u.a. Verletztentransporte vom Flughafen zum Universitätsklinikum Hamburg geprobt werden.
„In solch politisch angespannten Zeiten erhöhen zivil-militärische Großübungen die Eskalationsgefahr und konterkarieren den völkerrechtlich gebotenen Vorrang von Abrüstung, Gewaltverzicht und ziviler Konfliktbearbeitung. Wir brauchen ein gutes bedarfsgerechtes Gesundheitswesen mit guten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten statt Aufrüstung und Abschreckungsmanöver“, erklärt die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen.
Im Geiste der sogenannten „Zeitenwende“ bereitet die Bundesregierung auch das Gesundheitswesen auf eine kriegerische Auseinandersetzung vor. Im Bündnis- oder Verteidigungsfall muss das zivile Gesundheitssystem einen erheblichen Teil seiner Infrastruktur und personellen Ressourcen dem Militär zur Verfügung stellen. Sowohl Einrichtungen der stationären Krankenhausversorgung als auch ambulante Einrichtungen wie Praxen, Apotheken etc. werden in die Versorgung von Militärs und Verwundeten eingebunden. Bereits jetzt ist gesetzlich geregelt, dass im Spannungsfall Notstandsgesetze in Kraft treten werden, die für im Gesundheitswesen Tätige weitreichende Grundrechtseinschränkungen wie Dienstverpflichtungen und andere Einschränkungen möglich machen. Die Beschäftigten sollen verpflichtet werden, sich an diesen Vorbereitungen des Gesundheitswesens auf Krieg zu beteiligen. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem „Gesundheitssicherstellungsgesetz“, das entsprechende Maßnahmen vorbereitet und Befehlsstrukturen im Gesundheitswesen formuliert.
„Die beste Maßnahme zur Sicherstellung von Gesundheit ist die Verhütung von Kriegen. Die Kriege von heute hinterlassen nur Zerstörung und Verlierer auf allen Seiten,“ so Claußen abschließend.
Die IPPNW hat im Rahmen einer Kampagne gegen die Militarisierung des Gesundheitswesens eine Erklärung für ein ziviles Gesundheitswesen initiiert, zu der sich Beschäftigte aus Gesundheitsberufen öffentlich bekennen können. Darin heißt es: „Die Prävention von Kriegen, ob konventionell oder nuklear, ist die beste Medizin. Ich halte alle Maßnahmen und Vorkehrungen für gefährlich, die auf das Verhalten im Kriegsfall vorbereiten sollen. Nur kriegspräventive Maßnahmen kann ich vertreten“. Bereits mehr als 1.500 Menschen aus dem Gesundheitswesen haben die Verweigerungserklärung unterzeichnet. Mehr unter www.ippnw.de/aktiv-werden/kampagnen/erklaerung-ziviles-gesundheitswesen.html
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