22.10.2026 Die Friedensnobelpreisträgerorganisation IPPNW begrüßt die angekündigten Verhandlungen für eine mögliche Lösung im Krieg Russlands gegen die Ukraine und fordert die Bundesregierung auf, sich im Rahmen der EU an der Suche nach einer diplomatischen Lösung des Krieges zu beteiligen. Die Angriffe auf zivile Ziele müssten jetzt endlich eingestellt werden.
Bei einem Treffen Mitte Oktober 2026 zwischen Wolodymyr Selenskyj, dem US-Unterhändler sowie den Staatschefs von Norwegen und Finnland forderte auch Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre, dass die europäischen Staaten künftig eine zentralere Rolle in den Verhandlungen einnehmen sollten als bisher. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die EU-Staaten bereits Mitte Mai 2026 öffentlich aufgefordert, einen eigenen Beauftragten für Friedensverhandlungen zu benennen, was unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron jedoch vehement abgelehnt hatten.
„Im Vordergrund der Verhandlungen sollten nicht wirtschaftliche Interessen der Trump-Regierung stehen, sondern Verabredungen, die zu einem umfassenden, nachhaltigen Frieden in der Ukraine führen. Unter Druck herbeigeführte Beschlüsse, die die Konfliktursachen in der Ukraine und zwischen den Großmächten nicht berücksichtigen, führen nicht zu einem nachhaltigen Frieden. Deutschland und die EU-Staaten müssen sich in diesem Sinne aktiv in die Verhandlungen einbringen. Nur so können weiteres menschliches Leid und Menschenrechtsverletzungen verhindert werden“, erklärt der IPPNW-Vorsitzende Dr. Lars Pohlmeier.
Anfang Oktober 2026 hatten ukrainische Beamte und Vertreter Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands bei einem Treffen in Florida über ein wirtschaftliches und sicherheitspolitisches Abkommen mit Europa gesprochen. Zu den Vorschlägen gehören der Wiederaufbau der Ukraine, Sicherheitsgarantien von den USA und europäischen Staaten sowie die wirtschaftliche Integration von Russland, der Ukraine und Europas durch ein Energieabkommen. Der letzte Teil des Abkommens enthält den Vorschlag eines Waffenstillstands entlang der bestehenden Frontlinie. Für die Ukraine würde das bedeuten, Russland die Kontrolle über das von ihm besetzte Gebiet zu erlauben.
Verhandlungen stellen statistisch gesehen die wahrscheinlichste Chance für eine nachhaltige Beendigung des Krieges dar. In vielen Konflikten wurde bereits verhandelt, während noch Krieg geführt wurde. Dies ist auch jetzt im Interesse der Menschen in der Ukraine, um Tote und die weitere Zerstörung der Ukraine zu verhindern. Nach einer neuen Umfrage, die die Ukrainska Pravda Anfang Oktober 2026 veröffentlichte, befürworten 57 Prozent der Befragten in der Ukraine eine Einstellung der Kämpfe und unterstützen die Suche nach einem Kompromiss durch Verhandlungen. Rund 56 Prozent der Befragten würden sogar territoriale Zugeständnisse akzeptieren, wenn sie von Sicherheitsgarantien der US-amerikanischen und europäischen Partner begleitet würden.
Die IPPNW hat im September 2026 ein Policy Paper zum Ukrainekrieg veröffentlicht: „Spannungsabbau und Risikoreduktion: Für konventionelle und nukleare Abrüstung“. Der Verein will damit einen Beitrag zu einem Politikwechsel leisten: weg von der Rüstungseskalation und hin zu Diplomatie und Entspannungspolitik. In dem Papier setzt sich die IPPNW mit grundlegenden Fragen von Diplomatie und Verhandlungen und Abrüstungsverträgen auseinander und entwickelt Empfehlungen an die Bundesregierung. ippnw.de/bit/policypaper
Kontakt: Angelika Wilmen, IPPNW-Friedensreferentin, E‑Mail: wilmen@ippnw.de, Tel. 030 /698074-13
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