IPPNW.DE
Text vergrößernText verkleinernSeite druckenRSS-Feed aufrufen Seite versenden

Atomenergie fördert die Verbreitung von Atomwaffen

Bombenrisiko Atomkraft

Die Geschichte lehrt, dass viele Länder, die in die Atomtechnologie eingestiegen sind, vorrangig ein militärisches Interesse damit verbanden. Das heißt: Sie wollten nicht nur Strom produzieren, sondern auch die Fähigkeit erwerben, Atombomben zu bauen.

In den USA und in der Sowjetunion war das Interesse am Bau von Atombomben von Beginn an das ausschlaggebende Motiv beim Einstieg in die Atomtechnologie.

Unter dem Eindruck der US-Doktrin "Atoms-for-Peace" von 1953 starteten zahlreiche Länder offiziell ein rein ziviles Atomprogramm, obwohl es ihnen um den Zugang zur Bombentechnologie ging.

So ist in Europa das militärische Motiv nachzuweisen bei den zunächst rein zivil deklarierten Atomprogrammen Großbritanniens, Frankreichs, Schwedens, der Schweiz und Spaniens. Alle diese Programme zielten, zumindest in ihren ersten beiden Jahrzehnten, darauf ab, eine industrielle Kapazität zur Produktion von Waffen-Plutonium zu schaffen.

Außerhalb Europas betrieben unter anderem folgende Länder ein zivil getarntes Atomprogramm für militärische Zwecke: Argentinien, Brasilien, Südafrika, Israel und Irak. Für andere Länder wie den Iran wird entsprechendes vermutet. Auch Nordkorea wird verdächtigt, über mindestens eine Atombombe zu verfügen. Zuletzt gelang es Indien und Pakistan, auf der Basis eines als zivil deklarierten Atomprogramms Atombomben zu entwickeln und ihr militärisches Potenzial durch Atombombentests öffentlich zu demonstrieren.

In Japan drohte der Präsident der Liberalen Partei im April 2002 damit, sein Land könne Tausende von Atomsprengköpfen bauen. Das dafür notwendige Plutonium sei verfügbar, weil Japan mehr als 50 kommerzielle Atomkraftwerke betreibe.

Auch Deutschland ist keineswegs immun beim Thema Atomwaffen. Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz hatte im Januar 2006 eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr ins Gespräch gebracht. Durch die zivile Atomenergienutzung verfügt Deutschland über große Mengen Plutonium und über eine Urananreicherungsanlage.

Alle Länder, die an die Technologie zum Bau von Atombomben gekommen sind – oder dies jahrelang versucht haben –, wurden dabei von Ländern mit vorhandenen Atomprogrammen unterstützt. Der Export von – vermeintlich ziviler – Atomtechnologie, Know-how und spaltbaren Stoffen ist der Weg für die Verbreitung der Techniken und von Know-how zum Bau von Atomwaffen.

Alle Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Länder, die Atomtechnik exportieren, sorgen für eine Weiterverbreitung einer hochgefährlichen Waffentechnologie.


Von Henrik Paulitz

 

Foto: 

Sitemap Überblick