IPPNW-Pressemitteilung vom 22.05.2016

Energiewende in Bürgerhand fördern - Ausstieg aus der Atomenergie in Europa vorantreiben

IPPNW-Jahrestreffen in Mönchengladbach

22.05.2016 Ärztinnen und Ärzte der IPPNW haben im Rahmen ihres Jahrestreffens in Mönchengladbach den Plänen der EU-Kommission zur Förderung der Atomenergie eine klare Absage erteilt. Stattdessen sollte die Energiewende hin zu 100% Erneuerbaren Energien in Bürgerhand gefördert werden. Die IPPNW ruft die deutsche Bundesregierung auf, sich für den Ausstieg aus der Atomenergie in Europa und die sofortige Abschaltung der Atomkraftwerke in Doel und Tihange einzusetzen. Die Ärzteorganisation unterstützt die Städteregion Aachen sowie Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in ihren Klagen gegen den Weiterbetrieb der beiden Atomanlagen.

Die Atomreaktoren in Doel und Tihange werden trotz zahlreicher Zwischenfälle und konkreter Terrorgefahr weiter betrieben. Sie stellen damit täglich eine reale Gefahr für die rund 3 Millionen Menschen dar, die in der unmittelbaren Umgebung der beiden Kraftwerksblöcke leben, sowie für die rund 46 Millionen Menschen in der gesamten Region, die im Fall einer Kernschmelze durch radioaktiven Niederschlag verstrahlt würde. Neben dem Ausfall der Kühlsysteme durch Naturkatastrophen, technische Defekte oder menschliches Versagen sind auch Sabotageakte, Terroranschläge oder Cyberangriffe konkrete Gefahrenquellen. In den Reaktordruckbehältern von Doel 3 und Tihange 2 wurden zudem tausende Risse nachgewiesen. Durch die maroden Druckbehälter bestehen keine hinreichenden Sicherheitsreserven, so dass auch geringfügige Störfälle zu einer Kernschmelze führen könnten.

Eine Kernschmelze wie in Tschernobyl oder Fukushima hätte eine großflächige radioaktive Verseuchung zur Folge, die je nach Unfallmechanismus, Windrichtung und Wetterbedingungen nicht nur Großstädte in Belgien und den Niederlanden treffen würde, sondern auch die Zwangsevakuierung von Städten in Deutschland nötig machen könnte. Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung, die sozialen Auswirkungen auf die Gesellschaft, die ggf. viele Millionen Evakuierte aufnehmen und versorgen müsste sowie die volkswirtschaftlichen Schäden sind nicht zu kalkulieren. Das Dreiländereck ist eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. Die Auswirkungen eines Super-GAUs in dieser Region und der Verlust von Städten wie Lüttich, Antwerpen, Brüssel, Maastricht, Amsterdam, Rotterdam, Aachen, Köln oder Düsseldorf wären um ein Vielfaches gravierender als die der Atomkatastrophen in Tschernobyl oder Fukushima. Die Entfernung zwischen Tihange und Aachen beträgt 60 km, Mönchengladbach liegt ca 110 km entfernt, Düsseldorf und Köln je 130 km.

Im Falle einer Atomkatastrophe ist eine sinnvolle und effektive medizinische Hilfe nahezu unmöglich. Es fehlt in allen drei Ländern an praktikablen Notfallplänen, Kompetenzen, Strukturen und öffentlicher Wahrnehmung. Ähnlich wie in Tschernobyl oder in Fukushima würden Chaos, Panik und Kompetenzgerangel herrschen, notwendige Maßnahmen wie die rasche Einnahme von Jodtabletten würden wegen mangelnder Vorbereitung und Informationen unterbleiben. Es käme vermutlich zu unkoordinierten Fluchtbewegungen. Eine bundesweite Simulation aller zuständigen Landesbehörden hatte 2013 das totale Versagen der deutschen Katastrophenpläne demonstriert. In Belgien und den Niederlanden sieht die Situation nicht besser aus.

Kontakt: Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW, Tel. 030-69 80 74-15, Mobil 0162-2057943, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, Email: wilmen@ippnw.de, www.ippnw.de

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