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IPPNW-Pressemitteilung vom 9.2.2017

Afghanistan – Nicht sicher. ÄrztInnen fordern Abschiebestopp

Bundesweiter Afghanistan-Aktionstag am 11. Februar 2017

ÄrztInnen und Geflüchtete protestieren gegen Abschiebungen nach Afghanistan. München, Januar 2017. Foto: Thomas Nowotny, IPPNW
09.02.2017

Der Arbeitskreis Flüchtlinge und Asyl der Ärzteorganisation IPPNW kritisiert die Massenabschiebungen in das unsichere Afghanistan und ruft zur Unterstützung eines bundesweiten Aktionstages mit Demonstrationen, Mahnwachen und Kundgebungen am 11. Februar auf. Afghanistan erfülle keine der Voraussetzungen, die das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) für eine "Rückführung in Würde" aufgelistet hat. "Entgegen den Beteuerungen des Bundesinnenministeriums erhalten kranke und traumatisierte Menschen nach ihrer Ankunft in Afghanistan keine Unterstützung", so IPPNW-Ärztin Eva Clemenz.

Mit zwei Charterflugzeugen waren im Dezember und Januar 34 bzw. 26 afghanische Flüchtlinge von Frankfurt/Main nach Kabul deportiert worden. Einer der Geflüchteten sei wieder nach Baden-Württemberg zurückgebracht worden, weil die afghanischen Behörden ihn krankheitsbedingt nicht einreisen lassen wollten. Er solle demnächst erneut abgeschoben werden. In Bayern sei ein frisch operierter Patient nur durch beherztes Einschreiten der behandelnden ÄrztInnen vor der Abschiebung bewahrt worden.

In Afghanistan herrscht seit fast 40 Jahren Krieg. Die dramatisch steigende Zahl der "Binnenflüchtlinge" geht in die Millionen. Hunderttausende, die in die Nachbarländer Pakistan und Iran geflohen waren, werden derzeit gnadenlos zurückgedrängt. Menschenrechtsverletzungen und Anschläge, die besonders die Zivilbevölkerung treffen, sind in ganz Afghanistan an der Tagesordnung, Angehörige von Minderheiten werden diskriminiert und unterdrückt. "Für kranke und traumatisierte Menschen gibt es keine ausreichende medizinische Versorgung, 40 Prozent der AfghanInnen haben überhaupt keinen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen", kritisiert die IPPNW.

Bei einer Arbeitslosenquote von 80 Prozent, negativem Wirtschaftswachstum und permanenter Gefahr im öffentlichen Raum sind Existenzgründungen in Afghanistan unmöglich, Arbeitsplätze gibt es nicht. Viele Familien sind auseinandergerissen. Die Abgeschobenen finden ihr früher bestehendes soziales Netz nicht mehr vor. Rückkehrer aus westlichen Ländern, die die Taliban als Verräter oder Spione betrachten, werden verfolgt und getötet.

Im Gegensatz zur Bundesregierung erkennt das UNHCR in seinem aktuellen Bericht in Afghanistan nirgends die Bedingungen für eine "Rückkehr in Würde und Sicherheit". Es gibt keinen sicheren Ort, keine „innerstaatliche Fluchtalternative“. Das UNHCR fordert deshalb, von Abschiebungen nach Afghanistan abzusehen.

"Als Ärztinnen und Ärzte, die täglich mit der Angst und der Panik unserer afghanischen PatientInnen zu tun haben, sehen wir die brutale Abschiebepolitik als menschenverachtend an. Wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln schützend vor die Betroffenen stellen und rufen dazu auf, sich mit uns zu solidarisieren. Öffentlicher Protest und  gegebenenfalls ziviler Ungehorsam können den unmittelbaren individuellen Schutz ergänzen", kommentierte IPPNW-Arzt Ernst-Ludwig Iskenius.

Kontakt: Ernst-Ludwig Iskenius, AK Flüchtlinge der IPPNW, Tel. 0160 117 6819 – Regine Ratke, Öffentlichkeitsarbeit Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung, Tel. 030 698 074-14, Email: ratke@ippnw.de, www.ippnw.de




Foto: ÄrztInnen und Geflüchtete protestieren gegen Abschiebungen nach Afghanistan. München, Januar 2017. Foto: Thomas Nowotny, IPPNW

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