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Kenia

von Felix Lempp

Die Entscheidung, für f&e nach Kenia zu gehen, kam bei mir ziemlich spontan auf dem Auswahltreffen. Ich hatte mich schon seit einiger Zeit für Afrika interessiert, war aber nie dort gewesen. Die Erzählungen von Nicole (meiner Vorgängerin) klangen beim Auswahltreffen dann so spannend, dass ich Kenia als erste Präferenz angegeben habe. Ganz den Erwartungen entsprechend hatte ich dann eine wunderbare Zeit, in der ich sehr tolle Menschen kennen gelernt und ebenso medizinisch viel gelernt habe, mit Themen konfrontiert wurde, die mich sehr bewegt haben und ne Menge Spaß hatte.

Arbeit: Famulatur und Sozialprojekt

Kilifi: Anstatt wie ursprünglich geplant nach West-Kenia zu gehen (Eldoret), schlug Hellen (siehe unten) eine Woche vor meiner Abfahrt vor, doch zu ihr nach Kilifi zu kommen. Kilifi ist ein kleines Städtchen am Meer mit ungefähr 20.000 Einwohner_innen. Obwohl es in vergangenen Jahren immer wieder zu Sicherheitsproblemen in der Region kam (Al Shabab Miliz), habe ich diesbezüglich keinerlei negativen Erfahrungen gemacht. Meine Arbeit habe ich dort mit einer Famulatur im Kilifi County Hospital angefangen, in dem Hellen Ärztin ist. Für die vier Wochen meiner Famulatur konnte ich selbst entscheiden, auf welchen Stationen ich arbeiten wollte. Die Verhältnisse in diesem öffentlichen Krankenhaus wichen stark von meinen bisherigen Erfahrungen in Deutschland ab. So scheiterte die medizinische Diagnostik häufig daran, dass das Labor nicht ausreichend ausgestattet war und Patient_innen $2 für ein kleines Blutbild nicht aufbringen konnten. Betten waren mit infektiösen Patient_innen (HIV, TB) mehrfach belegt und Katzen, Tiere und Affen waren tägliche Besucher auf unseren Stationen. Den Hauptteil der Famulatur verbrachte ich in der casualty/ Notaufnahme und die Innere, Gynäkologie und Chirurgie konnte ich die restliche Zeit kennen lernen. Auf allen Stationen war es meine beste Erfahrung mit den Interns (PJler_innen) zusammen zu arbeiten. Sie trugen die Hauptverantwortung im Krankenhaus und führten den Großteil der medizinischen Versorgung durch. Sie waren sehr freundlich, offen und interessiert an mir und ließen mich oft „ran“. Dieses sogenannte hands-on Prinzip, dem auch die Interns nachgingen, weil meist eine qualifizierte Supervision fehlte, war zum Lernen einerseits eine große Chance, andererseits mussten wahrscheinlich darunter die Patient_innen im gewissen Maße leiden. So stieß ich auf die Frage, ob eine mehr oder weniger schlechte medizinische Behandlung immer noch ethisch vertretbar sei angesichts der Alternative, gar keine Behandlung anbieten zu können. In welchem Maße ich praktisch tätig sein konnte, hing stark von der Station ab. So gab es auf der inneren Station durchaus Tage, die ich mit Zuschauen und Fragen stellen verbrachte. Vor allem die Innere war von den Krankheitsbildern sehr interessant, da der Großteil der Patient_innen eine HIV/ AIDS Diagnose, TB, infektiöse Anämie/ Malaria und weitere in Europa seltene Krankheiten hatte. Diesbezüglich macht es Sinn, sich vorher oder während dessen Grundkenntnisse der Tropenmedizin anzueignen. Meine Unkenntnis des Kisuaheli führte dazu, dass ich leider mit den Patient_innen nur recht wenig kommunizieren konnte. Mit dem medizinischen Personal lief alles problemlos auf Englisch. Die Ärztinnen und Ärzte Kommunikation war ohnehin sehr interessant, da einige Patient_innen Stammessprachen sprachen, die auch die Ärztinnen und Ärzte nicht beherrschten und darüber hinaus die Kommunikation einen deutlich geringeren Stellenwert hatte als in Deutschland. Mit den Interns verbrachte ich auch meine Freizeit, was eine gute Gelegenheit war, das Land noch von einer anderen Seite kennen zu lernen.

Foto: Felix LemppKakuma

Da ich mich in Deutschland in der Flüchtlingsarbeit engagierte, wollte ich dies in meinem Sozialprojekt vertiefen und so half Hellen mir zu der Arbeit im Kakuma Mission Hospital, im Nordwesten Kenias. Kakuma liegt in Turkana, in der Nähe von Uganda und Südsudan. Wenn man nicht mit einer kleinen Propellermaschine landet, braucht es gut 30 Busstunden von der nächst größeren Stadt. Wegen der Nähe zu Konfliktregionen, der isolierten Lage und der ökonomischen Bedeutungslosigkeit der Region um Kakuma, hat Kenia dem UNHCR genehmigt, dort ein großes Flüchtlingslager mit ungefähr 200.000 Bewohner_innen aufzubauen. Dieses befindet sich direkt neben der Stadt Kakuma. Mein Sozialpraktikum war letzten Endes eine zweite Famulatur, die ich im oben genannten Krankenhaus als auch im Krankenhaus des Flüchtlingslagers absolvierte. Mein Aufgabenbereich während dieser Famulatur teilte sich in drei Tätigkeiten auf. Sehr häufig half ich bei Kaiserschnitten und Beschneidungen und war im so genannten „outreach“ tätig. Während der Arbeit gab es sehr aufregende und spannende, aber auch zähe Tage, in denen ich mich auch wegen inkonstanter Stromversorgung isoliert fühlte. Das outreach programme ist eine medizinische Basisversorgung (Schwangerschaftsbetreuung, Impfungen, Mangelernährung, HIV screening) für die entlegene lokale Bevölkerung, die vom Mission Hospital durchgeführt wird. Bei den Fahrten mit meinen outreach Kolleg_innen erhielt ich einen Einblick in die Kultur der Turkana, die bisher nur relativ wenig „verwestlicht“ ist und dadurch viele Elemente ihrer Traditionen erhalten hat. Kakuma und der Austausch mit meinen freundlichen Kolleg_innen im Krankenhaus ermöglichte es mir, ein sowohl kulturell als auch ökologisch sehr anderes Kenia kennen zu lernen. In der Halbwüste liegend, herrschen in Kakuma tagsüber bis zu 40°C, die nachts nicht unter 30°C fallen, wo sich Schlangen wohl fühlen und Staub durch jede Ritze dringt.

Organisatorisches

Die zwei Personen, die mir organisatorisch ungemein geholfen haben, sind Hellen und Barbara.

Hellen ist eine junge Ärztin in Kilifi und Mitglied des afrikanischen IPPNW-Vorstandes. Sie ist sehr engagiert und konnte dank ihrer vielen Kontakte alle meine Wünsche bezüglich der Famulaturen ermöglichen. Während meiner Zeit in Kilifi habe ich bei ihr gelebt. Wir haben viel zusammen unternommen, Touren gemacht und über vieles diskutiert. Sie wird sich jedoch wahrscheinlich aus der Arbeit von IPPNW zurückziehen, heißt aber weiterhin Freiwillige bei sich an der Küste willkommen. Es lohnt sich, Hellen und die wunderschöne kenianische Küste zu besuchen. Hellens Nachfolgerin bezüglich F&E ist Barbara, eine nicht weniger engagierte PJlerin aus Nairobi. Sie ist sehr unkompliziert und offen. Die kommende Famulatur wird daher wahrscheinlich nicht in Kilifi sein, sondern eher in Nairobi. Da Hellen und Barbara viel für mich organisiert haben, habe ich viele Sachen erlebt, war aber in vielerlei Hinsicht von ihnen und ihren Ratschlägen abhängig. Dies verlangte mir viel Flexibilität, Geduld und Spontanität ab.

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