IPPNW-Pressemitteilung vom 20.1.2011

Medizinische Situation im Gazastreifen unverändert katastrophal

Aktueller Bericht der Ärzte für Menschenrechte Israel zur Versorgungssituation

20.01.2011 Die internationale Ärzteorganisation IPPNW kritisiert die anhaltende katastrophale medizinische Situation im Gazastreifen. „Die Gazablockade verletzt zutiefst das grundlegende Recht auf medizinische und humanitäre Versorgung“, erklärt die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen. Die Ärzte für Menschenrechte Israel haben in einem aktuellen Bericht die Nahrungsmittelunsicherheit im Gazastreifen sowie die mangelhafte Abwasser- und Wasserinfrastruktur bemängelt.

Lediglich der hohe Grad an humanitärer Hilfe verhindere eine weitreichende Ernährungskrise im Gazastreifen. Wissenschaftliche Studien hätten ergeben, dass die Unterernährung im Gazastreifen ansteige und höher sei als im Westjordanland. Die israelische Blockade des Gazastreifens füge der Gesundheit der 1,5 Millionen Einwohner schwere - zum Teil auch langfristige - Schäden zu.

Das Gesundheitsministerium in Gaza beklagte Anfang dieses Jahres den Mangel an dringend benötigten Medikamenten. Zudem kommen immer wieder Palästinenser ums Leben, weil sie aufgrund der Blockade nicht rechtzeitig medizinisch versorgt werden können. Am 8. Januar starb der 20-jährige Anas Jumaa Salih an einer schweren Lebererkrankung, weil er im Shifa Hospital in Gaza nicht behandelt werden konnte. Die Ärzte für Menschenrechte Israel fordern eine gerichtliche Untersuchung des Vorfalls. Die israelischen Behörden
hatten Salih die Ausreise aus Gaza verweigert.

Die IPPNW beteiligte sich im Mai letzten Jahres an der FreeGaza-Flottille, um auf die völkerrechtswidrige Blockade des Gaza-Streifens aufmerksam zu machen. Auf dem Frachtschiff Rachel Corrie wurden Medikamente, Verbandstoffe und Medizinische Geräte, gespendet von der Deutsch Palästinensischen Medizinischen Gesellschaft nach Gaza gebracht. Erst fünf Wochen nach dem israelischen Überfall auf die Flottille konnten die Hilfsgüter an den Kontaktpartner im Gazastreifen, Dr. Raed Sabbah vom  Union of Health Care- Komitee, ausgeliefert werden.

Die IPPNW fordert die deutsche Bundesregierung erneut auf, sich für die vollständige Aufhebung der Blockade einzusetzen, um die Versorgung der Bevölkerung mit ausreichenden Lebensmitteln und Medikamenten sowie medizinischen Geräten sicher zu stellen.

Den Bericht der Ärzte für Menschenrechte Israel "Humanitarian Minimum" finden Sie unter http://www.phr.org.il/uploaded/Humanitarian%20Minimum_eng_webver_H.pdf, das dazugehörige Video auf Youtube unter http://www.youtube.com/watch?v=HtaGV8SU5dA

Eine deutsche Kurzzusammenfassung veröffentlichte Medico international http://medico.de/media/zusammenfassung-humanitaeres-minimum.pdf

Pressekontakt: Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung, Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Angelika Wilmen, Tel. 030 – 69 80 74 15 begin_of_the_skype_highlighting              030 – 69 80 74 15      end_of_the_skype_highlighting, Email: wilmen[at]ippnw.de

zurück

Stellenangebote

Bundesfreiwilligendienst

Die IPPNW sucht eine*n Bundesfreiwillige*n zur Unterstützung des Vereins in der Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung, ab dem 1. August 2024, für 38 Wochenstunden, für bis zu einem Jahr.

ippnw blog

Warum Tschernobyl auch heute noch aktuell ist

Vor 38 Jahren, am 26.4.1986, explodierte der Reaktor Nr. 4 des ukrainischen AKWs in Tschernobyl, nahe der Grenze zu Weissrussland. Die anschließende radioaktive Wolke betraf weite Teile Europas und brachte uns allen die Gefährlichkeit und Unbeherrschbarkeit der Atomenergie ins Bewusstsein.

Mehr...

Navigation