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Ärztliches Rezept für den Finanzgipfel

Kommentar zum G20-Gipfel in London

01.04.2009 Der kommende Weltfinanzgipfel der G-20 Staaten in London wirft viele Fragen auf. Nicht nur die Frage, ob die EU-Länder möglicherweise zu zusätzlichen Konjunkturspritzen bereit sind oder ob es neue durchgreifende Regeln für den Finanzmarkt geben wird. Bei dem Treffen werden die beiden Staatspräsidenten Obama und Medwedew erstmals aufeinandertreffen und auch die atomare Abrüstung und Nichtverbreitungs-Maßnahmen sowie Pläne zur Verkleinerung der russischen und amerikanischen Waffenlager zur Sprache bringen.

Die Diagnose von uns Ärzten ist eindeutig: Es gibt auf dieser Welt zu viele Atomwaffen. 25.000 dieser Massenvernichtungswaffen sind die größte und gefährlichste Bedrohung für die Gesundheit und den Fortbestand der Menschheit. Diese Gefährdung kann im Gegensatz zu den anderen großen Bedrohungen, wie dem Klimawandel, der Armut, AIDS und anderen Seuchen mit einem gemeinsamen Beschluss aus der Welt geschafft werden. Gleichzeitig würde eine Reduzierung der atomaren Sprengköpfe finanzielle Spielräume eröffnen.

Wir Ärztinnen und Ärzte appellieren an die beiden Staatsmänner Obama und Medwedew auf dem G-20-Gipfel in London: Beenden Sie die tödliche Geiselhaft, in die amerikanische und russische Atomwaffen die gesamte Menschheit genommen haben! Sie haben die Macht, die Ära der Atomwaffen ein für alle mal zu beenden. Die vielen dringlichen Krisen, mit denen Sie konfrontiert sind, verblassen im Vergleich zu der Dringlichkeit, einen Atomkrieg zu verhindern. Es gab mehrere Male Gelegenheiten, zu denen eine Abschaffung der Atomwaffen möglich gewesen wäre, aber wir haben diese verstreichen lassen. Die jetzige Chance könnte unsere Letzte sein. Niemals werden die beiden Präsidenten vergessen werden, die die Gefahr eines Nuklearkrieges beseitigt haben. Selbst ehemalige Politiker und auch manche ehemaligen hochrangigen Militärs mahnen jetzt die vollständige Abschaffung der Atomwaffen an. Das macht uns große Hoffnung.

Auch Ihnen, Frau Merkel und Herrn Steinmeier, wollen wir Mut machen. Die US-Atomwaffen in Büchel sind vollkommen überflüssig. Die amerikanische Regierung wartet nur darauf, dass Sie ein Signal setzen, dass die Atomwaffen endlich abgezogen werden können. Die deutsche Bevölkerung steht hinter Ihnen. Das haben von uns in Auftrag gegebene Forsa-Umfragen immer wieder gezeigt.

Wir Ärztinnen und Ärzte möchten noch grundsätzlicher fragen: Warum müssen in Zeiten der Weltfinanzkrise und einem drohendem Klimakollaps fast 1.300 Milliarden Dollar für Krieg und Militär ausgegeben werden? Für 70 % dieser Rüstungsausgaben sind wir NATO-Länder verantwortlich, dabei machen wir nur 16% der Weltbevölkerung aus. In unserer Bundesrepublik betragen die Rüstungsausgaben für das Jahr 2009 31,1 Milliarden Euro, im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 1,6 Milliarden Euro.

Wir wissen, dass Abrüstung nicht auf einen Federstrich zu machen ist, wenn man es ernst meint, deshalb möchten wir Ihnen folgendes Rezept verschreiben: Fünf für Frieden, das bedeutet, der Rüstungsetat der Bundesrepublik wird jedes Jahr um 5 % gekürzt. Dass diese Idee eigentlich schon sehr alt ist, zeigt eine Geschichte des chinesischen Philosophen Konfuzius: Konfuzius wurde von einem Schüler gefragt, woran man eine gute Regierung erkennen könnte. Er antwortete: „Sie muss die Ernährung sichern, ausreichend gegen Feinde gerüstet sein, muss danach trachten, dass das Volk Vertrauen in die Regierung hat.“ Der Schüler fragte dann weiter: Wenn man nun aber eines von den drei Dingen aufgeben muss, worauf könnte man am ehesten verzichten? Daraufhin der Meister Konfuzius: „Auf die Rüstung.“

Dr. Angelika Claußen

Dr. med. Angelika Claußen ist niedergelassene Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Bielefeld. Seit 1986 ist sie Mitglied in der Ärztevereinigung und seit 2005 Vorsitzende der deutschen Sektion der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW). Weitere Informationen: www.ippnw.de

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Dr. Jens-Peter Steffen

Referent für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 -13
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