IPPNW-Pressemitteilung vom 16. November 2022

Raketeneinschlag in Polen muss eine Warnung sein!

Krisentreffen nach Artikel 4 des NATO-Gründungsvertrags

Die Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) sind hochalarmiert über den gestrigen Raketeneinschlag in Polen. Der Vorfall zeige, dass es jederzeit zu einer „Eskalation aus Versehen“ kommen könne. Um einen Krieg zwischen Russland und der NATO und eine mögliche Eskalation zum Atomkrieg zu verhindern, müssten deshalb alle Anstrengungen darauf verwendet werden, den Krieg in der Ukraine schnellstmöglich durch diplomatische Verhandlungslösungen zu beenden. Gleichzeitig kritisierten die Mediziner*innen die gezielte, massive Zerstörung ziviler Infrastruktur durch russische Raketenanschläge in der Ukraine.

 „Der gestrige Raketeneinschlag in Polen zeigt, dass es jederzeit zu Fehlwahrnehmungen, falschen Bewertungen oder Pannen kommen kann. Jeden Tag, den dieser Krieg länger dauert, steigt auch die Gefahr, dass ein NATO-Bündnisfall eintreten kann oder ein Fehlalarm einen Atomkrieg auslöst. Wenn der dritte Weltkrieg und ein Atomkrieg verhindert werden soll, muss jetzt energisch nach Verhandlungslösungen gesucht werden – eine Alternative gibt es nicht!“, betont Dr. med. Angelika Claußen, Vorsitzende der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges.

Die Ärzt*innenorganisation äußert sich zudem bestürzt über die gezielte Zerstörung von wichtiger ziviler Infrastruktur. Diese sei rechtswidrig und komme einem Kriegsverbrechen gleich. Der Zugang zu medizinischer Versorgung sei bereits seit Monaten massiv eingeschränkt und humanitäre Hilfe in den umkämpften Gebieten kaum möglich. „Deshalb gilt es diesen Krieg schnellstmöglich zu beenden“, so Claußen weiter. „Mit jedem Tag, den der Krieg länger dauert, kommen mehr Menschen ums Leben, fliehen, oder werden körperlich verletzt oder psychisch schwer traumatisiert. Mit jedem Tag entfesselt sich die Logik der Gewalt weiter, die immer zur Entgrenzung tendiert und eigene Dynamiken entwickelt. Wahllose Angriffe der russischen Armee auf Wohngebiete, Krankenhäuser und Kindergärten, die Zerstörung urbaner Zentren, gezielte Erschießungen von Zivilpersonen auf offener Straße und die massive Bombardierung der zivilen Infrastruktur haben ein Klima von Hass, Angst und Schrecken erzeugt und eine humanitäre Katastrophe produziert.“

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat seit dem Einmarsch russischer Truppen am 24. Februar 2022 den Tod von mindestens 6.374 Zivilist*innen in der Ukraine dokumentiert, mehr als 9.600 wurden verletzt. Die russischen getöteten Soldaten werden von ukrainischer Seite mit 67.000 angegeben. Nach Angaben der Russischen Föderation wurden 61.000 ukrainische Soldaten getötet. Alle Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

 „Als Langzeitfolge des Krieges wird es in Europa erneut eine Generation von Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen geben – Menschen, die ihr Leben lang an ihren Kriegserlebnissen leiden. Auch auf gesellschaftlicher Ebene werden massive Traumata Dialog und Versöhnung immer mehr erschweren“, erklärt Claußen. „Genau aus diesem Grund sollten die verantwortlichen Staaten jetzt intensiv nach Verhandlungslösungen suchen. Denn nur durch nachhaltige gemeinsame Lösungen, kann dieser Krieg und das humanitäre Leid schnell beendet werden!“


Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.ippnw.de/frieden/konflikte-kriege/ukraine.html

 

Kontakt:
Lara-Marie Krauße (IPPNW), Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 030 698 074 15, E-Mail: krausse[at]ippnw.de 

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Ansprechpartnerin

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Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

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