IPPNW-Pressemitteilung vom 8. August 2022

Ärzteorganisation: Verbot von Militärangriffen auf Atomkraftwerke beschließen

Beschuss des AKW Saporischschja

08.08.2022 Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW fordert die Bundesregierung auf, sich auf der derzeit in New York stattfindenden Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags (NVV) für ein Verbot von Militärangriffen auf Atomkraftwerke einzusetzen. Die Hindernisse für einen sofortigen Zutritt der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) zum Atomkraftwerk Saporischschja müssten beseitigt werden.

"Krieg in einem Land mit laufenden Atomreaktoren ist ein Novum und ein Tabubruch. Mit jedem Tag, den der Ukraine-Krieg andauert, steigt rein statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer nuklearen Katastrophe kommt. Daher rufen wir die NVV-Vertragsstaaten auf, sich auf eine Erklärung für ein Verbot von militärischen Angriffen auf nukleare Anlagen zu einigen“, erklärt Dr. Angelika Claußen, IPPNW-Vorsitzende.

Das Atomkraftwerk Saporischschja ist in der Nacht zu Sonntag erneut beschossen worden, wofür sich Russland und die Ukraine gegenseitig verantwortlich machten, UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnte, jegliche Angriffe auf Atomkraftwerke seien „selbstmörderisch“. Die IAEO bemüht sich bislang vergeblich um Zugang zu dem AKW. IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi warnte am Wochenende vor der Gefahr einer Nuklearkatastrophe, die die öffentliche Gesundheit und die Umwelt in der Ukraine und darüber hinaus bedrohen könne.

Das Atomkraftwerk Saporischschja in der Ostukraine ist mit seinen 6 Reaktorblöcken und einer Kapazität von 5700 MW das größte Europas und befindet sich seit Anfang März 2022 unter Kontrolle des russischen Militärs. Erstmals wurde das Atomkraftwerk am 2. März 2022 bei Kampfhandlungen von russischen Truppen beschossen und es kam zu einem Brand in einem Schulungsgebäude. Infolge von Artilleriebeschuss wurden allerdings auch Schäden am Reaktorgebäude 1 gemeldet, sowie mindestens zwei Einschläge im Bereich für Trockenlagerung von abgebrannten Brennelementen. Radioaktivität war nicht ausgetreten. Videos aus dem Kraftwerk belegten auch, wie ukrainische Mitarbeitende des Kraftwerks über die Lautsprecheranlage versuchten, die Soldat*innen vor der Gefahr ihres Handelns zu warnen.

In der Ukraine sind insgesamt 15 Reaktorblöcke an vier Standorten in Betrieb. Sie decken 50% der Strombedarfes des Landes. Atomkraftwerke sind auch dann gefährdet, wenn wegen der Kampfhandlungen oder durch Sabotage nur das Stromnetz lahmgelegt wird. Auch Cyber-Angriffe bedeuten eine immense Gefahr. Für die Kühlung sind Atomkraftwerke auf eine ununterbrochene Stromzufuhr angewiesen. Auch ein abgeschaltetes Atomkraftwerk muss weiter gekühlt werden.

Im Völkerrecht gibt es bisher keine klaren Regeln über Abstands-und Sicherheitszonen um Atomkraftwerke. Die Ärzteorganisation IPPNW ruft die internationale Gemeinschaft auf, anlässlich des Ukrainekrieges diese Lücke im Völkerrecht zu füllen. Dringend notwendig ist, dass sich die russischen Truppen um die Atomanlagen zurückziehen und diese zum Schutz der Zivilbevölkerung zu vollständig entmilitarisierten Zonen werden.

Kontakt:
Angelika Wilmen (IPPNW), Tel. 030 698 074 13, E-Mail: wilmen@ippnw.de

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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

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