A- | A | A+
RSS  Drucken   Senden
IPPNW

Sie sind hier: www.ippnw.de | Presse | Presse 2010

IPPNW-Pressemitteilung vom 15.11.2010

IPPNW-Ärzte warnen vor Gesundheitsgefahren

Brennelementwechsel im RWE-Atomkraftwerk Biblis B

Anlässlich des aktuellen Brennelementwechsels im RWE-Atomkraftwerk Biblis B (11.11.-5.12.2010) erklären die IPPNW-Ärzte Dr. Annette Bänsch-Richter-Hansen und Dr. Winfrid Eisenberg:

Die beim Brennelementwechsel freigesetzten radioaktiven Isotope können schwangere Frauen und ungeborene Kinder gefährden. Wir fordern daher, die täglichen Emissions-Messwerte während des Brennelementwechsels zu veröffentlichen und generell alle Messdaten für unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung zu stellen. Die Daten der Brennelementwechsel müssen in Zukunft in den Medien unübersehbar und rechtzeitig angekündigt werden.

Anfang November verkündeten die Medien, dass im Reaktor Biblis B noch in diesem Monat 92 der insgesamt 193 Brennelemente gewechselt werden sollen. Thematisiert wurde bislang lediglich die skandalöse Motivation dieser nun schon angelaufenen Maßnahme, nämlich die  Steuerersparnis von 280 Millionen Euro, nicht aber die möglichen gesundheitlichen Gefahren des Brennelementaustauschs.

Um Brennelemente wechseln zu können, muss das Reaktordruckgefäß geöffnet werden. Dabei entweichen große Mengen radioaktiver Isotope über den Abluftkamin. Es handelt sich dabei u. a. um Tritium (H 3 = überschwerer Wasserstoff, der sich mit Sauerstoff schnell zu überschwerem Wasser, HTO verbindet) und radioaktiven Kohlenstoff C 14.

Beide Nuklide sind gefährlich für die Umgebungsbevölkerung, insbesondere für schwangere Frauen und deren ungeborene Kinder. Mit der Atemluft, mit Essen und Trinken gelangen die strahlenden Teilchen in den mütterlichen Körper, sie werden „inkorporiert“. Über die Blutbahn erreichen sie auch die Placenta und den Embryo bzw. den Fetus. Das sehr schnell wachsende ungeborene Kind baut die Isotope in seine Organe ein, wo sie lange Zeit verbleiben und genetische sowie Organschäden verursachen können. Es ist unstrittig, dass ungeborene Kinder extrem strahlenempfindlich sind.

Ian Fairlie, ein britischer Experte für Radioaktivität in der Umwelt, hat deshalb kürzlich empfohlen, Schwangere sollten besser nicht in der Nähe von Atomkraftwerken wohnen, mindestens nicht in den Zeiten des Brennelementwechsels.

Kontakt: Winfrid Eisenberg, Tel.  05221 / 529927, Annette Bänsch-Richter-Hansen, Tel. 0611 / 843736

Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: ippnw[at]ippnw.de

... zurück