Pressemitteilung vom 27.05.2001

IPPNW-Medienpreis für kritischen Medizinjournalismus erstmals vergeben

Preisverleihung auf dem Erlanger Kongress "Medizin und Gewissen"

Erlangen-  Mit dem IPPNW-Medienpreis "Medizin und Gewissen" würdigen die Ärzte für Frieden und soziale Verantwortung erstmals eine kritische, journalistische Bestandsaufnahme von Medizin und Forschung unter dem Aspekt der Humanität. Die IPPNW zeichnet drei JournalistInnen aus, die der Ideologie des Machbaren einen humanen Gegenentwurf im Sinne der drei Begriffe Medizin, Würde und Gewissen entgegenstellen.

Insgesamt 10.000 DM erhalten der FR-Redakteur Michael Emmrich in der Kategorie Print, der freie Journalist Oliver Tolmein in der Kategorie Hörfunk und die Fernsehjournalistin Silvia Matthies in der Kategorie Fernsehen. Alle drei PreisträgerInnen arbeiten seit langer Zeit kontinuierlich an der Thematik Medizin, Gesundheitspolitik und Menschenwürde.

Aus der Begründung der Jury: Den IPPNW-Medienpreis in der Kategorie Print erhält Dr. Michael Emmrich (geboren 1959). Emmrich ist seit 1988 Redakteur bei der Frankfurter Rundschau und schreibt über Medizin, Medizinethik und Biomedizin. Sein besonders Augenmerk gilt der Gentechnologie und ihren gesellschaftlichen Wirkungen. Aber auch Themen wie Sterbehilfe und Organtransplantation stehen auf seiner Agenda. Seit 1994 ist Emmrich Mitglied in der Akademie für Ethik in der Medizin. Seine Bücher "Im Zeitalter der Bio-Macht" (1999) und "Der vermessene Mensch - Aufbruch ins Gen-Zeitalter" (1997) gehören zu den wichtigen kritischen Werken im Bereich Biotechnik.

Michael Emmrich hat die journalistische Debatte um die Bioethik und Menschenwürde entscheidend mitbestimmt. Seit mehr als zehn Jahren setzt er sich kontinuierlich kritisch mit den Themen "Produkt Mensch" und das "Leben als Verfügungsmasse" auseinander. Emmrichs Texte sind analytisch und differenziert, zugleich aber für den Leser verständlich geschrieben. Seine fragende und kommentierende Sprache zieht auch den fachlichen Laien in die häufig komplizierte Thematik.

In der Kategorie Fernsehen gewinnt Silvia Matthies (geboren 1948) den Medienpreis. Sie arbeitet seit vielen Jahren als freie Fernsehjournalistin für ARD, WDR und ZDF in den Themenbereichen Pharmaindustrie, Umwelt und Bioethik. Ihre Reportagen zum Hirntod, zur Embryonenforschung und zur Euthanasie sind von einem breiten Publikum gesehen worden.
Die Themenauswahl von Silvia Matthies ist engagiert und fachlich fundiert. Bei der Recherche der Themen entwickelt sie Zivilcourage. Sie verfügt über eine klare Sprache für hochkomplexe Sachverhalte und wählt Bilder und Bildführung eindrucksvoll aus, ohne ins Pathos abzugleiten. Ihre Sendungen sind spannungsreich aufgebaut, die Darstellung ist zugleich ruhig und unaufgeregt.

Oliver Tolmein (1961 geboren) ist Preisträger in der Kategorie Hörfunk. Er ist freiberuflicher Journalist und Buchautor für WDR, Deutschlandfunk, NDR-Fernsehen, freie Filmproduktionen, konkret, Freitag, taz, Süddeutsche Zeitung und Zeit. Seine Themenschwerpunkte sind Bioethik, Menschen- und Bürgerrechte sowie die Geschichte der bundesdeutschen Linken. Seit 1999 arbeitet er zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Hamburg.

Die Jury zeichnet Oliver Tolmein für seine präzise fachliche Recherche aus und seinen journalistischen Mut, Themen auf die Tagesordnung zu setzen, die jenseits des Mainstream liegen. Er bearbeitet ein breites Themenspektrum zur Zukunft der Gesellschaft wie die gesellschaftlichen Implikationen individuellen Handelns oder die Be- bzw. Abwertung des menschlichen Lebens. Tolmein stellt aktuelle Themen in den geschichtlichen Kontext, scheut auch Vergleiche mit der nationalsozialistischen Vergangenheit nicht, ohne jemals dabei polemisch zu werden. Er positioniert sich klar an den Eckpfeilern Menschenrechte und Menschenwürde. Seine Sendungen sind gut aufgebaut und beziehen eine kritische Position, bleiben aber zugleich offen für eine eigene Urteilsbildung der ZuhörerInnen.






















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