IPPNW-Pressemitteilung vom 02. August 2021

Ärzt*innen fordern Bitte Afghanistans nach Abschiebestopp Folge zu leisten

Seehofer und Laschet halten trotz katastrophaler Gesundheitsversorgung an Abschiebepraxis fest

02.08.2021 Die IPPNW kritisiert, dass Union-Kanzlerkandidat Armin Laschet und Bundesinnenminister Horst Seehofer trotz der sich zuspitzenden, prekären Sicherheitslage in Afghanistan und dem Vormarsch der radikalislamischen Taliban an der bisherigen Abschiebepraxis festhalten wollen. Die ärztliche Friedensorganisation verweist neben dem sicherheitspolitischen Aspekt auch auf die dramatische gesundheitliche Lage vor Ort. Die afghanische Regierung hatte die Länder der EU Mitte Juli aufgrund der momentanen Lage im Land um einen vorübergehenden Abschiebestopp gebeten.

„Das Gesundheitssystem in Afghanistan war schon vor der Pandemie überlastet“, betont Carlotta Conrad, Vorstandsmitglied der IPPNW. „Mit der Verbreitung des Virus ist die Gesundheitsversorgung in dem Kriegsland nun weitestgehend zusammengebrochen. Ein Drittel der Bevölkerung ist auf der Flucht – Familien, Frauen, Kinder. Wir sprechen hier nicht von Straftätern, wie es Laschet und Seehofer gerne darstellen, sondern von Zivilist*innen, die nach Schutz und gesundheitlicher Versorgung suchen. Deshalb fordern wir als ärztliche Friedensorganisation einen generellen Abschiebestopp nach Afghanistan!“

Laut Global Peace Index ist Afghanistan das „tödlichste Land der Erde“. So ist die Zahl der zivilen Todesopfer im ersten halben Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent gestiegen. Dies geht aus einem Bericht der UNAMA (UN-Unterstützungsmission in Afghanistan) hervor. Laut einer Untersuchung von Pro Asyl verharmlost das Auswärtige Amt in seinem aktuellen Lagebericht die Situation bewusst. Demnach seien die Angaben des Berichts auf dem Stand von Mai 2021. Der internationale Truppenabzug und damit auch der Vormarsch der Taliban hatte jedoch erst Anfang Mai begonnen.

„Es ist beschämend, dass die Bundesregierung ganz offensichtlich die Augen vor dieser humanitären Katastrophe verschließt, anstatt sich für die Gesundheit und Unversehrtheit von schutzsuchenden Menschen einzusetzen“, so Conrad. „Deshalb appellieren wir an die Bundesregierung, den Bericht zur asyl- und abschiebungsrelevanten Lage in Afghanistan umgehend zu aktualisieren und offenzulegen!“

Am Samstag hatte sich der Grünen-Chef Robert Habeck für einen Abschiebestopp nach Afghanistan ausgesprochen, nachdem bereits Norwegen, Schweden und Finnland diese Praxis ausgesetzt hatten. Die IPPNW hält einen generellen Abschiebestopp nach Afghanistan zum Schutz der Menschenrechte für unbedingt notwendig.

Eine von IPPNW-Ärzt*innen initiierte Petition für einen Abschiebestopp finden Sie unter www.change.org/p/bundeskanzlerin-angela-merkel-keine-abschiebungen-nach-afghanistan  

Weitere Informationen:
blog.ippnw.de/abschiebungen-nach-afghanistan-ein-schreiendes-unrecht/
ippnw-wahlrezepte.de/wahlrezepte/menschenrechte-waehlen/


Kontakt:

Lara-Marie Krauße (IPPNW), Tel. 030 / 69 80 74 15, Email: krausse@ippnw.de

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Ansprechpartnerin

 

Anne Jurema
Referentin "Soziale Verantwortung"
Tel. 030/698074 - 17
Email: jurema[at]ippnw.de

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IPPNW-Report: Gesundheitliche Folgen von Abschiebungen
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IPPNW-Forum 164: Mitwirkung bei Abschiebungen: Ärzt*innen zwischen Gesetzen und Ethik
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Empfehlungen für heilberuflich Tätige in Abschiebesituationen
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Lesetipp | Deutsches Ärzteblatt: Asylbewerber: Ein ethisches Dilemma

 

Dokumentation: Best Practice for Young Refugees. Ergebnisse und Beiträge einer internationalen Fachkonferenz  
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IPPNW-Report "Prävention von Folter"
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