IPPNW-Pressemitteilung vom 5.6.2015

IPPNW warnt vor Risiken eines Weiterbetriebs des AKW Saporischschja

Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zur Ukraine

05.06.2015 Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW warnt anlässlich der Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zur Ukraine und den anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen vor den Risiken für das Atomkraftwerks Saporischschja und das angegliederte Zwischenlager für atomare Brennstäbe. „Atomenergie ist immer gefährlich, aber in Kriegszeiten ist sie unmittelbar existenzgefährdend. Weder ein Atomkraftwerk noch ein atomares Zwischenlager könnten im Ernstfall wirksam vor kriegerischen Einwirkungen geschützt werden,“ so IPPNW-Vorstandsmitglied Dr. med. Alex Rosen.

Vor diesem Hintergrund fordert die Ärzteorganisation erneut ein sofortiges Ende aller militärischen Maßnahmen und Drohgebärden sowie den Einstieg in eine zivile Konfliktbearbeitung auf zivilgesellschaftlicher und Regierungsebene unter maßgeblicher Leitung der OSZE und der Vereinten Nationen. Vor Ort müssten zudem dringend die ausgebrannten Brennstäbe gesichert werden.

In der Ukraine sind an den vier Standorten Süd-Ukraine, Chmelnyzkyj, Riwne und Saporischschja insgesamt 15 Atomkraftwerksblöcke in Betrieb. Saporischschja ist mit sechs 1.000-Megawatt-Blöcken das größte Atomkraftwerk Europas. Die Atomanlagen sind russischer Bauart und mit 25 bis 30 Jahren schon allein durch ihr Alter ein großes Risiko.

Laut Recherchen des Guardian lagern zudem mehr als 3.000 abgebrannte Brennelemente unmittelbar neben dem Atomkraftwerk von Saporischschja, geschützt lediglich durch dünne Metallhüllen und Betonzylinder. Die Anlage liegt nur etwa 200 Kilometer entfernt von der Konfliktregion im Donbass. Rosen dazu: „Die Situation der ausgebrannten Brennstäbe in Saporischschja, die ohne vernünftiges Containment auf offenem Gelände stehen, stellt ein nicht hinnehmbares Risiko für die gesamte Region dar - selbst wenn kein Krieg in der Nähe statt finden würde“.

Kollateralschäden durch Kampfhandlungen sind durch die Verwendung von schweren Geschützen mit großer Reichweite und geringer Zielgenauigkeit nicht auszuschließen. Auch könnte ein gezielter Angriff auf das Kraftwerk erfolgen, beispielsweise zur Beschaffung von radioaktiven Materialien für Anschläge oder mit dem Ziel, eine größtmögliche Panik zu verursachen. In der nahe gelegenen Stadt Saporischschja leben mehr als 700.000 Menschen. Ein Krieg kann aber auch indirekt zu einem Super-GAU führen, wenn es im Netz beispielsweise zu einem sehr plötzlichen oder länger andauernden Stromausfall kommt. Partielle Stromabschaltungen gibt es in der Ukraine immer wieder.

Dass Sorgen um die Sicherheit der ukrainischen Atomkraftwerke durchaus begründet sind, zeigt die Tatsache, dass die NATO bereits im Mai 2014 bekannt gab, eine zivile Expertengruppe entsandt zu haben, um die ukrainischen Behörden bei der Sicherung ihrer zivilen Nuklearanlagen zu unterstützen. „Der Krieg in der Ukraine zeigt uns in ungewohnter Deutlichkeit die enorme Gefahr für die öffentliche Gesundheit, die von der Atomwirtschaft ausgeht. Nur ein kompletter Ausstieg aus der Atomenergie kann diese Gefahr wirksam reduzieren.“

Eine IPPNW-Vorstandserklärung zum Krieg in der Ukraine finden Sie unter www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/Ukraine_Vorstandsposition_150422.pdf
 
Kontakt: Angelika Wilmen, Pressesprecherin, Tel. 030-69 80 74-15, Henrik Paulitz, Atomenergie-Experte, 06257-505-1707, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, Email: wilmen@ippnw.de, www.ippnw.de

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Ansprechpartner

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

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