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IPPNW-Pressemitteilung vom 15. März 2022

IPPNW lehnt 100 Milliarden-Sofort-Aufrüstungsprogramm ab

Friedensnobelpreisträgerin kritisiert Entscheidung über F-35 als neue Atomwaffenträger

Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW lehnt das 100 Milliarden-Sofort-Aufrüstungsprogramm für die deutsche Bundeswehr entschieden ab. Stattdessen fordert sie mehr Mittel für Krisenprävention, zivile Konfliktbearbeitung und eine sozial-ökologische Transformation. „Eine massive Aufrüstung zieht Kraft, Ressourcen und Intellekt von den globalen Herausforderungen wie der Klimakrise und globaler sozialer Gerechtigkeit ab“, erklärt die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen. Die gestern bekannt gegebene Entscheidung der Bundesregierung dutzende F-35 Kampfjets als Atomwaffenträger anzuschaffen trage in der jetzigen Situation eher zu weiterer Eskalation bei. „Durch diese massive Investition besteht außerdem die Gefahr, dass die nukleare Teilhabe jetzt auf lange Zeit festgeschrieben wird“, so Claußen.

In einer Zeit, in der die Gefahr eines Atomkriegs greifbar ist, müsse umgehend deeskaliert werden. Die milliardenschwere Anschaffung von neuen Kampfflugzeugen für einen potentiellen Atomwaffeneinsatz der NATO hingegen sei der absolut falsche Weg, fügt die Atomwaffenexpertin der IPPNW, Xanthe Hall, hinzu. „Anstatt weiter in Atomwaffen zu investieren, müssen wir Rüstungskontrolle und die nukleare Abrüstung voranbringen. Nur so können wir verhindern, in Krisen wie dem Ukraine-Krieg erpresst zu werden und in ausweglose Situationen zu geraten“, so Hall. Die Aufträge über die Tornado-Nachfolge und weitere 15 Eurofighter gingen an große Rüstungsfirmen, die seit langem Druck auf das Verteidigungsministerium ausgeübt und zahlreiche Lobbygespräche geführt hätten.

Im Rahmen des 100-Milliarden-Programms von Olaf Scholz sollen als Teil der Investition in multinationale Rüstungsprojekte bewaffnete Drohnen angeschafft werden. Auch dieses Vorhaben lehnt die ärztliche Friedensorganisation als weiteren Schritt in Richtung autonomer Kriegsführung ab. Sie fordert die Bundesregierung stattdessen auf, sich für eine Initiative zur weltweiten Ächtung von unbemannten tödlichen Waffensystemen einzusetzen. Immer schnellere Reaktionszeiten würden die militärischen Gegner zwingen, in immer kürzeren Intervallen zu reagieren. Dies führe unweigerlich zu einer fortschreitenden Automatisierung mithilfe künstlicher Intelligenz. Daher spricht sich die IPPNW sowohl gegen die Bewaffnung der Heron-TP-Drohnen als auch gegen die weitere Entwicklung der Eurodrohne aus.

Auch die weitere Entwicklung des Future Combat Air Systems (FCAS) soll durch das Milliarden-Paket finanziert werden, was die IPPNW ebenfalls ablehnt. Deutschland, Frankreich und Spanien wollen sich mit FCAS eine Vorreiterrolle in der autonomen Kriegsführung sichern. FCAS besteht aus einem neuartigen Kampfjet mit Tarnkappen-Technologie, begleitenden Drohnenschwärmen und einer Vernetzung durch eine „Gefechts-Cloud“. Alleine die Entwicklungskosten von FCAS werden auf über 100 Milliarden Euro geschätzt, die Gesamtkosten könnten sich auf 500 Milliarden Euro belaufen. Der Bericht des Bundestages zur Technikfolgenabschätzung Autonomer Waffensysteme (Bundestagsdrucksache 19/23672) kommt zu dem Schluss, dass durch „sehr potente autonome Waffensysteme“ das strategische Gleichgewicht zwischen den Atomwaffenstaaten massiv infrage gestellt und dadurch nukleare Abrüstung weiter erschwert werden könnte.

Keines der Waffensysteme, welches durch das 100-Milliarden-Programm finanziert werden soll, wird einen Einfluss auf den aktuellen Krieg in der Ukraine haben. Die Anschaffung und Bereitstellung der neuen F-35 Kampfjets sowie die Entwicklung der Eurodrohne werden noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Das FCAS soll erst im Jahr 2040 einsatzbereit sein.


Zusammen mit anderen Friedensorganisationen hat die IPPNW heute in Berlin eine Protestaktion gegen das geplante 100-Milliarden-Aufrüstungsprogramm organisiert.


Fotos der Aktion finden Sie im Laufe des Tages hier: https://www.flickr.com/photos/ippnw/albums/72177720297369278

Weitere Informationen: https://www.europeanleadershipnetwork.org/group-statement/the-expert-dialogue-on-nato-russia-risk-reduction-a-joint-appeal-for-a-ceasefire-and-risk-reduction/

 

Kontakt:
Lara-Marie Krauße (IPPNW-Pressereferentin), Tel.: 030 698074-15, E-Mail: krausse@ippnw.de
Angelika Wilmen (IPPNW-Referentin für Friedenspolitik), wilmen@ippnw.de, Tel.: 030 / 69 80 74 13

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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

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Reden von IPPNW-Mitgliedern*:

23.02.2024 Dr. Lars Pohlmeier, Berlin
10.04.2023 Ute Rippel-Lau, Hamburg
10.04.2023 Dr. Inga Blum, Hamburg
10.04.2023 Matthias Jochheim, Frankfurt
09.04.2023 Werner Strahl, Essen
08.04.2023 Ralf Urban, Wedel
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08.04.2023 Siegfried Lauinger, Kiel
08.04.2023 Angelika Claußen, Bielefeld
08.04.2023 Dr. Helmut Lohrer, Freudenstadt
01.10.2022 Ralph Urban, Hamburg
01.10.2022 Christoph Krämer, Berlin
01.10.2022 Matthias Jochheim, Frankfurt
01.10.2022 Dr. Helmut Lohrer, Stuttgart
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17.04.2022 Ernst-Ludwig Iskenius, Neuruppin
13.03.2022 Dr. Lars Pohlmeier, Berlin | Youtube
13.03.2022 Dr. Inga Blum
13.03.2022 Ralph Urban
04.03.2022 Dr. Sabine Farrouh, Offenbach
27.02.2022 Dr. Lars Pohlmeier, Berlin
26.02.2022 Ute Rippel-Lau, Hamburg

* Die Redebeiträge sind persönliche Texte der Redner*innen und spiegeln nicht unbedingt die Meinung der IPPNW bzw. des Vorstandes der IPPNW wider.

Fotos von der Kundgebung Atomkrieg verhindern in Hamburg

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