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Thesen der deutschen IPPNW-Sektion

Friedensperspektiven für die Ukraine

19.12.2025 Die Friedensnobelpreisorganisation IPPNW begrüßt diplomatische Anstrengungen, um zu einem schnellstmöglichen Frieden in der Ukraine zu kommen. Das Sterben muss endlich beendet werden. Die Zahl der Todesopfer auf beiden Seiten ist immens. Insgesamt wurden laut Angaben des Center for Strategic and International Studies ca. 1,4 Millionen Soldat*innen getötet oder verletzt, allein die Zahl der getöteten russischen Soldat*innen liegt bei 250.000 Toten. Bei den ukrainischen Soldat*innen sollen es bis zu 100.000 Tote sein. Hinzu kommen mehr als 14.000 Tote und 37.500 verletzte zivile Opfer in der Ukraine.

Ein nachhaltiger Frieden kann nicht über die Köpfe der ukrainischen Menschen hinweg verhandelt werden. Gebietsansprüche müssen über internationale Gremien auf diplomatischem Weg geklärt werden. Annexionen durch Krieg oder Vertreibung weisen wir als völkerrechtswidrig zurück. Die Zivilbevölkerung muss einbezogen werden.

Die deutsche IPPNW verurteilt den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine mit hunderttausenden Toten auf allen Seiten und Millionen Vertriebener. Es gibt für uns als Friedensorganisation keine akzeptable Begründung für einen derartigen Angriff. 

Davon unabhängig sehen wir im Sinne der Friedenslogik aber auch die Notwendigkeit, Fehler der westlichen Staaten zu beleuchten. Dazu gehören die NATO-Osterweiterung auf Kosten integrativer und supranationaler Sicherheitssystem wie OSZE oder UN, die mangelnde Durchsetzung des Minsk-II-Abkommens, den Anteil am Scheitern der Verhandlungen in Istanbul im März 2022, aber auch die wesentlich durch die USA vorangetriebene Abkehr aus wichtigen Rüstungskontrollabkommen wie dem Raketenabwehrvertrag (ABM) oder dem Vertrag zum Verbot der Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Europa (INF). 

Wir fordern Bundesregierung und EU auf, in der Ukrainepolitik einen Strategiewechsel zu vollziehen. Ihre politischen Anstrengungen müssen sich auf eine diplomatische Lösung konzentrieren, um das Sterben, die Verletzungen und Zerstörungen auf allen Seiten zu beenden und die Gefahren von Atomkrieg und Klimakatastrophe zu reduzieren. 

Um die für die Ukraine notwendigen Sicherheitsgarantien zu schaffen, bedarf es Institutionen wie den Vereinten Nationen und der OSZE. Die NATO als Militärbündnis halten wir für ungeeignet, hier einen Beitrag zu leisten. 

Aus Sicht unserer Friedensorganisation ist ein wichtiger Punkt der derzeitigen Verhandlungen der Vorschlag zur Verlängerung der START-Verträge zur Reduzierung und Begrenzung strategischer Trägersysteme und nuklearer Sprengköpfe. Der New START-Vertrag läuft im Frühjahr nächsten Jahres aus. 

Militärische Aufrüstung wird sicher nicht der Weg zu einer nachhaltigen Friedenslösung sein. Dialogbereitschaft kann und muss über ideologische Grenzen hinweg von allen Seiten gezeigt werden.

Wir solidarisieren uns mit den mutigen Menschen in Russland, die trotz massiver Repressionen der russischen Regierung Widerstand gegen den Krieg leisten. So hatten sich etwa Anfang März 2022 mehr als 17.000 russische Ärzt*innen und Gesundheitsfachkräfte für ein Ende der Kampfhandlungen ausgesprochen. Seit Kriegsbeginn sitzen mehr als 1.000 Menschen aus politischen Gründen in Haft, weil sie öffentlich gegen den Krieg in der Ukraine protestiert haben. 

Die IPPNW zeichnet sich durch einen zivilgesellschaftlichen Dialog innerhalb unserer medizinischen Berufsgruppen aus. Wir wollen diesen kritischen Dialog mit Kolleginnen und Kollegen aus allen betroffenen Ländern fördern. Gesundheitssysteme müssen dem Frieden dienen. Wir verweigern uns der militärischen Verfügbarkeit unserer Gesundheitssysteme. Wir fordern Menschen aus anderen Berufsfeldern auf, auf ihre berufsspezifische Weise im Sinne eines echten Friedens den kritischen Austausch und Annäherung mit Menschen in Russland zu suchen. Dabei sind das Menschenrecht auf Frieden und das Völkerrecht unsere Leitlinie. 

Forderungen 

• Wir fordern ein sofortiges Ende der russischen Angriffe auf die Ukraine und einen Waffenstillstand. In der Folge sollen ebenso von ukrainischer Seite keine Angriffe mehr auf Russland erfolgen.

• Wir fordern die Einhaltung der Menschenrechte in allen beteiligten Ländern und die Rückkehr zum internationalen Recht. 

•  Institutionen gemeinsamer Sicherheit wie die OSZE oder die UN müssen gestärkt und dürfen keinesfalls weiter geschwächt werden.

• Wir fordern die USA und Russland auf, ihren Abrüstungsverpflichtungen nachzukommen. Dazu gehört die Stärkung des Atomwaffensperrvertrages mit der Verpflichtung, Gespräche zur Abrüstung zu führen. Alle Staaten müssen die Voraussetzungen dafür schaffen und dem Atomwaffenverbotsvertrag beitreten. 

• Die Bundesregierung und die EU müssen die Verlängerung der START-Verträge unterstützen und sich für darüber hinausgehende Vereinbarungen zwischen den USA und Russland zur Rüstungskontrolle einsetzen. Der gegenseitige Verzicht auf die Stationierung von Mittelstreckenwaffen könnte ein Ergebnis von weiteren Verhandlungen sein, um die Gefahr einer militärischen Eskalation in Europa zu reduzieren.

• Wir fordern von der Bundesregierung zudem, Kriegsdienstverweigerern und politischen Flüchtlingen aller beteiligten Staaten politisches Asyl zu gewähren und sie nicht abzuschieben.

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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

Hintergrundinformationen

IPPNW-Policy-Paper
Spannungsabbau und Risikoreduktion. Für konventionelle und nukleare Abrüstung.
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Ärzt*innen warnen vor dem Atomkrieg
Papier über die humanitären Folgen eines Atomkrieges sowie eines kon­ventionellen Krieges in der Ukraine. PDF Download | Im Shop bestellen


Erklärungen der IPPNW
Hamburger Erklärung: Im Sturm den Friedenskurs halten (2022) | Download
Resolution: Am IPPNW-Friedenskurs festhalten (2023) | Download

Mittelstreckenraketen
IPPNW-Information zur geplanten Stationierung in Deutschland

"Schmutzige Bombe"

IPPNW-Information zu radiologischen Dispersionwaffen

Hyperschallkriege
Recherche von Ralph Urban zum neuen Wettrüsten mit Hyperschallwaffen (Forum 169/2022)

Risiko eines Atomkriegs aus Versehen
Mehr unter: atomkrieg-aus-versehen.de

Vertragsentwürfe zu Sicherheitsgarantien
Das russische Außenministerium hat am 17. Dezember 2021 Vertragsentwürfe für gegenseitige Sicherheitsgarantien zwischen Russland und der NATO sowie zwischen Russland und den USA vorgelegt. Das Ostinstitut Wismar hat die russischen Vertragsentwürfe in einer inoffiziellen deutschen Übersetzung veröffentlich. Die Antwort der NATO an Russland wurde bisher nicht veröffentlicht.

Mitmachen!

Überblick über bundesweite Veranstaltungen beim Netzwerk Friedenskooperative. 
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Reden von IPPNW-Mitgliedern*:

23.02.2024 Dr. Lars Pohlmeier, Berlin
10.04.2023 Ute Rippel-Lau, Hamburg
10.04.2023 Dr. Inga Blum, Hamburg
10.04.2023 Matthias Jochheim, Frankfurt
09.04.2023 Werner Strahl, Essen
08.04.2023 Ralf Urban, Wedel
08.04.2023 Odette Klepper, Düren
08.04.2023 Siegfried Lauinger, Kiel
08.04.2023 Angelika Claußen, Bielefeld
08.04.2023 Dr. Helmut Lohrer, Freudenstadt
01.10.2022 Ralph Urban, Hamburg
01.10.2022 Christoph Krämer, Berlin
01.10.2022 Matthias Jochheim, Frankfurt
01.10.2022 Dr. Helmut Lohrer, Stuttgart
18.04.2022 Dr. Elisabeth Heyn, Nürnberg
17.04.2022 Ernst-Ludwig Iskenius, Neuruppin
13.03.2022 Dr. Lars Pohlmeier, Berlin | Youtube
13.03.2022 Dr. Inga Blum
13.03.2022 Ralph Urban
04.03.2022 Dr. Sabine Farrouh, Offenbach
27.02.2022 Dr. Lars Pohlmeier, Berlin
26.02.2022 Ute Rippel-Lau, Hamburg

* Die Redebeiträge sind persönliche Texte der Redner*innen und spiegeln nicht unbedingt die Meinung der IPPNW bzw. des Vorstandes der IPPNW wider.

Fotos von der Kundgebung Atomkrieg verhindern in Hamburg

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