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Body Count im Menschenrechtsausschuss

IPPNW-Delegation spricht mit Abgeordneten über immense Opferzahl durch den sog. "Krieg gegen den Terror"

IPPNW-Delegation im Gespräch mit Abgeordneten des Menschenrechtsausschusses des Deutschen Bundestages, Foto: IPPNW
17.01.2016

Wenn das Recht auf Leben das wichtigste Menschenrecht ist, stellt der sogenannte "Krieg gegen den Terror" ein massives Menschenrechtsproblem dar und muss daher beendet werden. Das war die Botschaft, die eine Delegation von IPPNW-Ärzten und Dr. Hans-C. Graf von Sponeck, ehemaliger UN-Koordinator für den Irak, am 15. Januar 2016 dem Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages überbrachte. Der Ausschuss hatte zu einem Gespräch über die erschreckende Zahl von weit mehr als 1 Million Todesopfern dieses inzwischen über 14 Jahre andauernden Krieges eingeladen.

Die IPPNW-Studie Body Count - Opferzahlen nach 10 Jahren "Krieg gegen den Terror" - Afghanistan, Pakistan, Irak ist die weltweit erste Metaanalyse, die die wichtigsten diesbezüglichen Erhebungen evaluiert und ihre Ergebnisse zusammenführt. Ihr Koordinator Dr. Jens Wagner überreichte den Abgeordneten aus mehreren Fraktionen (nur die Grünen hatten niemanden entsandt) zahlreiche Druckexemplare der im September 2015 auch auf Deutsch erschienenen internationalen Ausgabe der Studie, die bezüglich des Irak auf wissenschaftlichen Daten beruht und von der deutschen, kanadischen und US-Sektion gemeinsam herausgegeben wurde.

Sie ist auch auf der internationalen Website der IPPNW gepostet und zeigt, dass die "passive Zählmethode" des sog. "Iraq Body Count" (IBC), der bisher die Haupt-Informationsquelle für EntscheidungsträgerInnen und Öffentlichkeit darstellte, nur einen Bruchteil der tatsächlichen Opferzahlen erfasst. Graf von Sponeck, während des Krieges Koordinator des humanitären UN-Programms für den Irak, begleitete die IPPNW-Delegation und berichtete über das Desinteresse der kriegführenden Staaten an der Zahl der Opfer sowie über systematische Desinformation zu Gründen und Folgen des Krieges.

Auf die Forderung der IPPNW-Ärzte nach Beendigung des "War on Terror" und der deutschen Beteiligung daran in Afghanistan und Syrien kam aus den Reihen der Abgeordneten die Frage, was man denn dann gegen den Terror des "Islamischen Staates" tun solle. Christoph Krämer erklärte hierauf: "Da der IS jahrelang aus dem NATO-Land Türkei heraus aufgebaut und bewaffnet wurde und sich heute durch Ölverkäufe finanziert, die in großem Stil über deren Territorium abgewickelt werden, ist es nicht logisch, dies gewähren zu lassen und zugleich syrische Städte zu bombardieren, um ihn zu bekämpfen. Wer Menschen vor dem IS schützen und so ernsthaft Fluchtursachen bekämpfen will, muss gegen die auf NATO-Territorium befindliche Logistik des IS vorgehen. Außerdem muss man endlich darauf verzichten, in Syrien einen Stellvertreterkrieg gegen Russland zu führen. Stattdessen muss der Wien-Prozess fortgeführt und der Dialog mit der syrischen Regierung auch von deutscher Seite wieder aufgenommen werden."

Laut Dr. Helmut Lohrer, International Councillor der deutschen IPPNW-Sektion und Mitglied des Internationalen Vorstands, muss westliche Interessenpolitik in Syrien jetzt in den Hintergrund treten. "250.000 Tote und 12 Millionen Auslands- und Binnen-Flüchtlinge sind eine beispiellose Katastrophe. Die Weiterführung des 'War on Terror' und weitere Bombardierungen vergrößern nur den immensen Schaden. Die humanitäre Situation hat jetzt Vorrang, das Embargo gegen Syrien muss umgehend beendet werden. Deutschland muss hierfür die Initiative ergreifen!"

Weitere Informationen:
www.ippnw.de/frieden/konflikte-kriege/body-count.html
www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/BodyCount_internationale_Auflage_deutsch_2015.pdf

Rückfragen an:
Dr. Helmut Lohrer, International Councillor der Deutschen IPPNW-Sektion
c/o IPPNW-Geschäftsstelle, Körtestr. 10, 10967 Berlin - Tel. 030 / 698074-15
kontakt@ippnw.de

Foto: IPPNW-Delegation im Gespräch mit Abgeordneten des Menschenrechtsausschusses des Deutschen Bundestages, Foto: IPPNW

Ansprechpartner


Dr. Jens-Peter Steffen

Referent für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 -13
Email: steffen[at]ippnw.de

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