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Nachruf

Die IPPNW trauert um Hans-Peter Dürr

26.05.2014 "Ein Baum, der fällt, macht mehr Lärm, als ein Wald der wächst. Lass uns deshalb dem wachsenden Wald lauschen."

Diese tibetanische Weisheit wurde von Hans-Peter Dürr oft zitiert. Am 18. Mai 2014 ist er im Kreis seiner Familie aus dem Leben geschieden. Die Deutsche Sektion der IPPNW trauert um ihr Mitglied des wissenschaftlichen Beirates Prof. Dr. Dr. hc. Hans-Peter Dürr. Die IPPNW war geehrt und bereichert durch seine Mitarbeit. Seiner Frau Sue und seiner ganzen Familie gilt unsere tiefe Anteilnahme.

Seit Bestehen der IPPNW war Hans-Peter Dürr ihr freundschaftlich verbunden. Mit großem Interesse begleitete und inspirierte er unsere Arbeit.

Verantwortung übernehmen, mit wissenschaftlichen Argumenten der Aufrüstung entgegentreten und die Gefahren der Nukleartechnik aufzeigen, Wissen dafür einsetzen, zukunftsfähige Lösungen zum Überleben unseres Planeten zu entwickeln, anstatt an der Zerstörung der Welt mitzuarbeiten, dafür wurde Hans-Peter Dürr 1987 mit dem Right Livelihood Award, dem alternativen Friedensnobelpreis, ausgezeichnet und in diesem Anliegen trafen sich Hans-Peter Dürr und die IPPNW.

Als Peter Hauber Hans-Peter Dürr 1985 einlud aus Anlass der Verleihung des Friedensnobelpreises an die IPPNW, den Einführungsvortrag zu einem Benefizkonzert zu halten, bat Dürr das Thema und den Vortragstitel ändern zu dürfen. Er wolle nicht über „die technische Machbarkeit von SDI“ sprechen lies er wissen, ihm liege eine andere Utopie am Herzen: der Frieden. Ist es doch die Machbarkeit des Friedens, von der das Überleben der menschlichen Zivilisation abhänge. Einem friedlichen Miteinander näher zu kommen wurde zur gemeinsamen Aufgabe. Auf unseren Kongressen, die sich einer Kultur des Friedens widmeten, begeisterte Hans-Peter Dürr seine Zuhörer, teilte mit uns seine Vision eines neuen Denkens, ermutigte uns „Frieden ist möglich!“ und lud uns ein, „die Kunst des Friedens“ zu erlernen. Frieden, das bezog für Hans-Peter Dürr selbstverständlich den Frieden mit der Erde ein.

Gemeinsam brachten wir die zivilgesellschaftliche Initiative „Koalition für Leben und Frieden“ auf den Weg und führten einen transatlantischen Dialog, wie eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens auszusehen hätte. In Horst-Eberhard Richter hatte Dürr einen Verbündeten und Vertrauten gefunden. Gemeinsam arbeiten sie in der von Michael Gorbatschow initierten "International Foundation for the Survival and the Devolopment of Humanity" zusammen. Beide waren „Peacemaker“ und hatten immense Bedeutung für die sozialen Bewegungen in unserem Land und darüber hinaus.

Global denken – vernetzt handeln! Nicht nur in unserem Land, weltweit war Hans-Peter Dürrs Vernetzungsdenken und -wirken einzigartig: mit Ost und West, Nord und Süd, mit Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. Diese Vernetzung fand ihren Ausdruck in dem von ihm 1987 gegründeten „Global Challenges Network“. Dürrs Anliegen war dabei die weltweiten Antworten auf die bedrohlichen Herausforderungen der Gegenwart in einem globalen Netzwerk zu verbinden.

Hans-Peter war von großer Freundlichkeit und einer ansteckenden Neugierde. Wurde einem die Ehre zu Teil, ihn in seinem Arbeitszimmer im Max-Planck-Institut für Physik im Föhringer Ring 6 aufsuchen zu dürfen, fand man ihn in einem kleinen schlauchartigen Zimmer umgeben von Tausenden Büchern und Schriften. Freundlich zugewandt teilte er sein neues Denken. Nicht immer war es einfach, seinen Ausführungen zu folgen. Aber kein Gespräch über die globalen Herausforderungen, über das, was ihn gerade beschäftigte und das, was er gerade aus den USA oder Fernost mitgebracht hatte, das nicht die Frage enthielt „Und wie geht es der IPPNW?“ und „Wie geht es Dir?“

Vielen von uns war Hans-Peter Lehrer, Ratgeber, Vorbild und Mitstreiter. Er begeisterte und ermutigte. Er lud ein zu einem neuen Denken und zu einem anderen Leben. Er hat uns immer wieder aufs neue inspiriert. Er war ein wunderbarer Mensch. Hans-Peter Dürr hat bei vielen Mitgliedern der IPPNW tiefe Spuren hinterlassen. Mit seinem Buch „Warum es ums Ganze geht“ bleibt uns ein großartiges Vermächtnis.

Er hat uns gelehrt, wie wir weiter zu arbeiten haben. „Wir dürfen nicht aufgeben und die falschen Weichenstellungen nicht als gegeben und unveränderlich hinnehmen. Alles ist in Bewegung!“ Die Zukunft ist offen, alles ist gestaltbar!

Auf der Website von Global Challenges Network war dieses Zitat zu finden: „Wenn ich sterbe, habe ich kein Bewusstsein mehr, aber das, was ich gedacht habe, ist im Hintergrund aufgehoben. Es hat sich mit dem Weltgeist vermengt, hat das Gesamte als Information beeinflusst und steckt darin“.

Frank Uhe

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