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Wiener Erklärung (1992)

Dokumente und Erklärungen

Das europäsiche IPPNW-Symposium (EURESY) wird in Wien, Österreich im Oktober 1992 abgehalten. Zum ersten Mal nehmen ÄrztInnen aus Kroatien und Serbien an einem IPPNW-Treffen teil. Anlässlich des Krieges in Kroatien und Bosnien-Herzegowina fordert den europäischen Sektionen der IPPNW die sofortige Einstellung des Krieges in Bosnien und Herzegowina und Kroatien, die Beendigung aller Gewalt und den Beginn schneller Maßnahmen, um die Verbreitung des Krieges in andere Regionen zu verhindern.

Eine IPPNW-Friedens-Initiative

ERKENNEND, dass der Krieg in Kroatien und Bosnien-Herzegowina zum Verlust von Hunderttausenden von Menschenleben, zu verkrüppelnden Verwundungen und zu Krankheiten von ungezählten Tausenden von Menschen geführt hat, sowie zur Vertreibung von Millionen aus ihren Häusern, die jetzt als Flüchtlinge ohne medizinische Versorgung und ohne das Nötigste zum Überleben existieren müssen,

BEOBACHTEND das große ausmaß der ökologischen Zerstörungen sowie von Städten, Dörfern, Kirchen und Krankenhäusern, historischen Denkmälern und wichtigen Kulturschätzen, als auch von Wäldern und Tieren, jeden Aspekt der Umwelt ruinierend, was doch das stolze Erbe der noch ungeborenen Generationen sein sollte,

REGISTRIEREND die Verletzungen fundamentaler internationaler Konventionen für die Wahrung der Menschenrechte, einschließlich der Genfer Konventionen für humanitäre Hilfe während eines bewaffneten Konfliktes,

BEWUSST, dass die medizinischen Dienste und auch die Ärzte nicht in der Lage waren, in gebotener traditioneller Neutralität für alle Opfer zu sorgen, unbeeinflusst durch alle Unterschiede, nur die medizinischen Gesichtspunkte gelten zu lassen,

UNGEDULDIG wegen der unzureichenden und langsamen Reaktion der Weltgemeinschaft angesichts der ungeheuerlichen Leiden und Zerstörungen,

HABEN WIR IN VOLLER ÜBEREINSTIMMUNG DIE FOLGENDEN DRINGENDEN SCHRITTE BESCHLOSSEN:

1. Die sofortige Einstellung des Krieges in Bosnien und Herzegowina und Kroatien, die Beendigung aller Gewalt und den Beginn schneller Maßnahmen, um die Verbreitung des Krieges in andere Regionen zu verhindern.
2. Eine Verstärkung und Erweiterung des Dialogs unter Ärzten und Gesundheitspersonal, um das Vertrauen unter den Menschen und den Respekt vor den Menschenrechten, besonders in den Kriegszonen, zu fördern.
3. Eine sofortige Wiederherstellung aller nötigen medizinischen Grundeinrichtungen, um eine effektive Gesundheitsversorgung in allen Regionen, mit Vorrang für die Kriegsopfer, durchführen zu können.
4. Die IPPNW besteht auf dem Recht aller vertriebenen Menschen und Flüchtlinge, zu ihren Heimen zurückzukehren, um ihre physische und psychische Gesundheit sicherzustellen. Wir drängen darauf, dass Bedingungen bestehen, die ein Leben in Frieden ermöglichen.
5. Die IPPNW-Sektionen in der Region werden unverzüglich repräsentative Komitees aufbauen, um die Einhaltung der Prinzipien der medizinischen Neutralität und der Achtung der Menschenrechte von Kranken, Verletzen und betroffenen Kriegsopfer, sowie aller Zivilisten der Region zu beobachten.
6. Die IPPNW wird den Aufbau eines Europäischen Komitees von Ärzten anregen, das Vertreter aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Jugoslawien einschließt, um die Einhaltung der gültigen Prinzipien der medizinischen Ethik zu sichern.
7. Die IPPNW wird Mittel zur Verfügung stellen, um die Aufmerksamkeit der Welt auf den Gesundheitsbedarf dieser Region zu lenken sowie auf die Verletzungen der Genfer Konventionen von 1949 und der Zusatzprotokolle von 1977, und um die ärztliche Beteiligung bei der Schaffung von Frieden zu fördern.

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