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Rezept gegen den Atomkrebs (1995)

Dokumente und Erklärungen

Im Namen der internationalen IPPNW hielt Xanthe Hall vor den DelegiertInnen der Konferenz zur Verlängerung und Überprüfung des Atomwaffen-Sperrvertrags 1995 eine Ansprache. Die in englischer Sprache gehaltene Rede hinterließ laut Anwesenden einen besonders starken Eindruck.

"Hochverehrte Delegierte, KollegInnen und FreundInnen, wenn die Worte mehr Wert haben sollten, als das Papier auf dem sie geschrieben stehen, dann müssen wir dazu bewegt werden, sie zu befolgen. Wenn ein Arzt ein Rezept ausstellt, dann würde die Patientin mit ihrer Gesundheit spielen, die gegebene Anweisungen nicht zu befolgen. Das Rezept wurde vor 25 Jahren im Artikel VI nieder geschrieben und es zu befolgen ist wahrlich an der Zeit. Am heutigen Tag erneuern wir – die Internationalen Ärztinnen und Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – diese wichtige Warnung an sie, die RepräsentantInnen der Menschheit, in deren Händen unsere Gesundheit und Sicherheit liegt: schaffen sie die Atomwaffen endgültig ab!

Die Krankheit steckt tief im Körper der Welt. Unser Wasser ist verseucht, die Luft ist vergiftet, hunderttaussende starben oder sterben an Krebs als Folge radioaktiver Strahlung. Atomare Tests, die Herstellung von Atomwaffen und Spaltmaterialien sind Mörder, darüber gibt es keinen Zweifel. Wir können und werden uns der Geschichte und der Gegenwart des atomaren Wahnsinns nicht verschließen, die wir als Ärztinnen und Ärzte in unseren Praxen und Krankenhäusern behandeln müssen. Es gibt keine Heilung für den angerichteten Schaden, es kann nur Vorbeugung geben.

Fragen Sie sich selbst: Wer kann den Besitz dieser Waffen, ihren Einsatz oder auch nur den Gedanken daran, sie zu gebrauchen, entschuldigen? Wer kann die Jahrzehnte des Schmerzes und des Leids der Opfer dieser Waffen auch nur erahnen? Wie können wir diese Waffen noch immer in den Arsenalen der Welt lagern und dazu noch planen, sie gegen unschuldige Zivilisten einzusetzen? Sie verstoßen gegen alle die Gesetze der Menschlichkeit und gegen unseren hippokratischen Eid, Leben zu retten.

Die Behandlung dieser Krankheit mag einige Zeit beanspruchen und manchen Beteiligten unangenehm sein – aber wir müssen anfangen. Dafür schreiben wir ein erstes Rezept als Auftrag für unser Überleben. Wir bitten diese Konferenz, einen einzigen aber wichtigen Schritt auf die Abschaffung dieser obszönen und inhumanen Massenvernichtungs-Waffen zuzugehen: Wir bitten Sie, im Abschluss-Bericht die feste Absicht zu verankern, sofort mit Verhandlungen über eine Konvention zur Abschaffung der Atomwaffen zu beginnen. Eine Konvention, die für die phasenweise Abschaffung aller Atomwaffen eines festen Zeitrahmens bedarf und Maßnahmen für die effektive Überprüfung und Umsetzung vorsieht. Nicht "möglichst bald" sondern jetzt. Beginnen Sie mit den Gesprächen 1995 und nehmen Sie sich nicht mehr als fünf Jahre, um die Aufgabe zu vollenden. Führen Sie uns in das neue Jahrtausend mit einer Botschaft der Hoffnung.

Lassen Sie die Welt nicht sterben, nur weil Sie Ihre Medizin nicht nehmen wollten."

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