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Ärzte-Appell an die Regierenden der DDR und der B

Gemeinsamer Appell der beiden deutschen Sektionen und die Antwort von Erich Honecker (1989)

Dokumente und Erklärungen

Die Ärzte der Sektionen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik der Vereinigung appellieren an den Bundespräsidenten der BRD, Richard von Weizsäcker, den Bundeskanzler der BRD, Helmut Kohl, den Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, und den Vorsitzenden des Ministerrates der DDR, Willi Stoph, gerichtet, sich gegen jegliche Modernisierung von nuklearen Kurzstreckenraketen einzusetzen, die unsere Mitmenschen in beiden deutschen Staaten vernichten würden.

"Sehr geehrte Herren!

Als ärztliche Mitglieder der IPPNW-Sektion der Bundesrepublik Deutschland und der IPPNW-Sektion der Deutschen Demokratischen Republik appellieren wir an Sie, sich gegen jegliche Modernisierung von nuklearen Kurzstreckenraketen einzusetzen, die unsere Mitmenschen in beiden deutschen Staaten vernichten würden.

Wir Ärzte wissen aus unserer Sachkenntnis, dass es nach dem Einsatz von Nuklearwaffen keine wirksame Hilfe gibt.

Der mit dem INF-Vertrag begonnene Prozess der Vernunft sollte unbeirrt bis zur endgültigen Abschaffung aller Atomwaffen fortgesetzt werden.

Der Hippokratische Eid der Ärzte treibt uns, diese Appell an Sie zu richten.

Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung

Prof. Dr. M. Mebel und Prof. Dr. H. Röding für das Präsidium der DDR-Sektion der IPPNW

Prof. Dr. U. Gottstein und E. Müller-Belikoff für den Vorstand der BRD-Sektion der IPPNW "



Antwort von Erich Honecker

In seinem Antwortschreiben an die DDR-Sektion, meinte Erich Honecker, dass die DDR für möglichst baldige Verhandlungen über die Reduzierung und schließlich völlige Beseitigung der taktischen Kernwaffen in Europa eintritt.

"Sehr geehrter Prof. Dr. Mebel!

Sehr geehrter Prof. Dr. Röding!

Ihr Schreiben vom 8. Mai 1989, in dem Sie als Vertreter der nationalen Sektionen der IPPNW der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik gemeinsam getreu des ärztlichen Ethos an die verantwortlichen Politiker der DDR bzw. der BRD appellieren, sich gegen die Modernisierung nuklearer Kurzstrecken-Raketen einzusetzen, habe ich mit Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen.

Wie Sie wissen, tritt die DDR entschieden für die völlige Beseitigung der Atomwaffen vom europäischen Kontinent, ja, von unserem Planeten ein. Um dieses Ziel zu erreichen, darf im begonnenen Abrüstungsprozess, wozu auch weitere Null-Lösungen bei Kernwaffen gehören, keine Pause geben.

Die Regierung der DDR und alle gesellschaftlichen Kräfte unseres Landes wissen sich dabei in völliger Übereinstimmung mit der gesellschaftlichen Öffentlichkeit in Westeuropa und auch der BRD. Wir teilen die Einschätzung der Gefahren, die durch einflussreiche Kräfte der NATO unter dem Vorwand der Modernisierung taktischer Kernwaffen für den Prozess der Abrüstung und Vertrauensbildung, das gemeinsame Streben nach einem friedlichen gemeinsamen europäischen Haus heraufbeschworen werden.

Zu Recht verweisen Sie als Ärzte immer wieder auf die unvorstellbaren Konsequenzen, die der Einsatz nuklearer Kurzstrecken-Raketen oder Gefechtsfeld-Waffen für Leben, Gesundheit und die Existenz der Zivilisation in Europa überhaupt, speziell für beide deutsche Staaten, hätte. Das wurde nicht zuletzt auch in der kürzlich von Ihren Kollegen, den Vertretern der europäischen Sektionen der IPPNW, verabschiedeten Potsdamer Erklärung unterstrichen.

Die DDR tritt dafür ein, dass möglichst bald Verhandlungen ohne hemmende Vorbedingungen und Verknüpfung mit anderen Abrüstungs-Fragen über die Reduzierung und schließlich völlige Beseitigung der taktischen Kernwaffen in Europa in Gang kommen.

Die Erklärung der Außenminister der Staaten des Warschauer Vertrages zu den taktischen Kernwaffen und die weiterführenden Initiativen unseres Bündnisses bieten dafür eine konstruktive Grundlage. Die erkennbare Bewegung der NATO in dieser Frage kann sich bei entsprechendem politischen Willen als weiteres konstruktives Element erweisen.

Ich darf Ihnen versichern, dass die DDR das in ihren Kräften Stehende dazu tun und dabei stets auch das bemerkenswerte Engagement der in der IPPNW vereinten Ärzte und der weltweiten Friedensbewegung berücksichtigen wird.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Berlin, den 3. Juli 1989

E. Honecker

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