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Berliner Erklärung (1992)

Dokumente und Erklärungen

10 Jahre IPPNW in Deutschland wird mit dem großen Kongress "Abschalten! Abrüsten!" in Berlin gefeiert. Es wird eine Berliner Erklärung verabschiedet, die u.a. eine Erweiterung des Verteidigungs-Auftrags der Bundeswehr ablehnt und die Expansions-Politik der Industrieländer kritisiert. Die IPPNW warnt vor katastrophalen Formen der Natur-Zerstörung und Flüchtlings-Ströme.

"Gesundheit und Leben der Menschen sind heute durch politische, militärische und ökologische Gefahren mehr bedroht als je zuvor.

Nur ein Bruchteil der vorhandenen Atomwaffen wird verschrottet. Zehntausende bleiben und entgleiten in der zerfallenen Sowjetunion verlässlicher Kontrolle. Verdeckter Handel mit atomarer Technologie und waffenfähigem Nuklearmaterial läßt die Zahl der Atommächte, darunter politisch höchst unstabile Länder, bedrohlich anwachsen.

Wir Ärztinnen und Ärzte fordern eine UNO-Resolution zur schrittweisen Vernichtung aller Atomwaffen. Denn nur mit einem so radikalen Konzept ist eine verlässliche Verhinderung nuklearer Kriege auf Dauer verwirklichbar.

Wir Ärztinnen und Ärzte fordern des weiteren die Ächtung und Vernichtung sämtlicher sonstiger Massenvernichtungs-Waffen und eine energische Unterbindung des inflationären Waffenhandels, der, wie kürzlich den Golfkrieg, unweigerlich immer neue verheerende Kriege herauf beschwört.

Wir Ärztinnen und Ärzte bestehen ferner ohne Wenn und Aber auf einem Ausstieg aus der Kernenergie. Tschernobyl, zahlreiche Beinahekatastrophen, die sichtbar werdenden gesundheitlichen Schäden durch Niedrigstrahlung und die völlig ungelösten Entsorgungsprobleme erzwingen diesen Verzicht. In diesem Zusammenhang fordern wir Ärztinnen und Ärzte unverzüglich internationale Abkommen, die alle technologischen Programme und Strategien an die Bedingung absolut gesicherter sozialer und ökologischer Verträglichkeit binden. Wir deutschen Ärztinnen und Ärzte der IPPNW verlangen von unserer Bundesregierung eine eindeutige Absage an alle Pläne, die Einsatz-Möglichkeiten der Bundeswehr über den bisherigen verfassungsmäßig festgelegten Verteidigungs-Auftrag zu erweitern. Nicht auf die erweiterte Militarisierung, sondern auf die konsequente Abrüstung muss der Beitrag des vereinigten Deutschlands zur internationalen Friedenspolitik ausgerichtet sein.

Zugleich protestieren wir entschieden gegen Anzeichen zunehmender Unterdrückung der Meinungsfreiheit in der Bundeswehr. Wir fordern die Rücknahme der diskriminierenden Urteile gegen die in der Friedens-Bewegung aktiven Soldaten des "Darmstädter Signals".

Zu Lasten der armen Völker, zu Lasten der nachfolgenden Generationen und allen künftigen Lebens überhaupt betreiben die führenden Industrieländer noch immer eine sozial und ökologisch rücksichtslose egoistische Macht- und Expansions-Politik. Die anschwellenden Flüchtlings-Ströme und die katastrophalen Formen der Naturzerstörung veranlassen uns Ärztinnen und Ärzte zu dem Alarmruf, unverzüglich diese Unverantwortlichkeit zu stoppen. Nur als eine zu solidarischen Teilen und zu gemeinsamem Schutz der Lebensbedingungen breite Weltgemeinschaft kann die Menschheit ihr Fortbestehen sichern."

Vorstand der IPPNW, Berlin, den 1. März 1992

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