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Erfolge der IPPNW

Die IPPNW und der Atomteststopp

Eines der Hauptziele der IPPNW-Aktivitäten, international wie in Deutschland, war die Durchsetzung eines Atomwaffentest-Stopps, zunächst durch ein Atomtest-Moratorium. Die IPPNW-Analyse ergab, dass der atomare Rüstungswettlauf nicht zum Stillstand gebracht werden könne, bevor die Tests nicht eingestellt waren.

Gorbatschovs Moratorium

Der erste Schritt war als Zeichen des guten Willens die Forderung nach einem einseitigen Moratorium durch eine der beiden Supermächte, das von der anderen Seite erwidert werden sollte. Die sowjetischen KollegInnen halfen, nach anfänglicher Opposition, der IPPNW im Westen, Schlüssel-Figuren der sowjetischen Gesellschaft und Regierung zu erreichen. Am 29. Juli 1985 zeigte sich Gorbatschov einverstanden mit einem sechsmonatigen Test-Moratorium. Einige Monate später, als die Verleihung des Friedens-Nobelpreises angekündigt wurde, bat die IPPNW um Gesprächs-Ttermine bei dem US-Präsidenten Reagan und Generalsekretär Gorbatschov. Innerhalb von 24 Stunden antwortete Gorbatschov mit einer verbindlichen Zusage. Bei diesem Treffen befürworteten Bernard Lown und Evgenij Chazov eine Ausweitung des sowjetischen Moratoriums. Es währte schließlich achtzehn Monate und war ein weitsichtiger und historischer Akt.

Im Januar 1987 wurde in Deutschland eine IPPNW-Protestbrief-Aktion gegen Atomwaffentests und für ihren sofortigen Stopp gestartet. Über 3.000 ÄrztInnen beteiligten sich spontan an der Aktion. Sie wurde regelmäßig bei jedem Atomwaffentest wiederholt.

Ceasefire-Kampagne

Die IPPNW startete bei ihrem 8. Weltkongress 1988 in Montreal eine neue weltweite Kampagne unter dem Motto "Ceasefire" (Feuerpause). Das Ziel war, alle IPPNW-Sektionen zu mobilisieren, um gegen jede einzelne nukleare Explosion zu protestieren.

Bürgerkongress in Alma Ata

In Mai 1990 organisierte die internationale IPPNW, zusammen mit der kasachischen Basis-Bewegung "Nevada-Semipalatinsk", einen internationalen Kongress für einen Atomteststopp in Alma-Ata (später Almaty)/UdSSR. Die Bewegung hatte zeitweise über zwei Millionen Mitglieder. Sie erreichte, dass die Sowjetunion nicht mehr in Semipalatinsk/Kasachstan atomar testet.

Auswirkungen der Tests

In Washington veröffentlichte die internationale IPPNW im November 1991 mit der Studie Radioaktive Verseuchung von Himmel und Erde die Ergebnisse der IPPNW-Kommission über die gesundheitlichen Folgen der ober- und unter-irdischen Atomtests. Das Resultat der einjährigen Forschungsarbeit von ÄrztInnen und PhysikerInnen ist erschütternd: Bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden die oberirdischen Atomwaffentests ca. 430.000 tödliche Krebs-Erkrankungen verursacht haben. Die Ergebnisse der Studie führen zu weltweiten Protesten gegen Atomtests.

Das 2. Moratorium

1991 erklärte Gorbatschov zum zweiten Mal ein Atomtest-Moratorium. Die IPPNW-Sektion in den USA, Physicians for Social Responsibility (PSR), war erneut zur Stelle und setzte PolitikerInnen unter Druck für ein US-Moratorium. Die Entscheidung im US-Kongress 1992 für ein Moratorium und die Aufnahme von Verhandlungen über einen umfassenden Teststopp-Vertrag wurde maßgeblich von PSR herbeigeführt. 1993 kämpfte PSR erneut mit Erfolg für die Verlängerung des Moratoriums.

Die französischen Tests

Im Sommer 1995 kündigt der französische Präsident Jacques Chirac trotz des Moratoriums eine Reihe von Atomtests auf der südpazifischen Insel Moruroa an. Dr. Till Bastian ruft daraufhin für die deutsche IPPNW zum Boykott französischer Produkte in der Fernsehrunde "Talk im Turm" auf, um gegen die Atomtest-Reihe zu protestieren. Mehr als 22.000 Boykott-Erklärungen werden dem Außen-Ministerium in Paris überreicht. Die weltweiten Proteste sowohl von BürgerInnen als auch Regierungen setzten Frankreich unter enormen Druck. Das Land brach Anfang 1996 die Reihe ab und erklärte ein Atomtest-Moratorium.

Der Atomteststopp-Vertrag (CTBT)

Eine internationale IPPNW-Delegation mit deutscher Beteiligung sprach im Februar 1996 mit 15 Regierungs-Delegierten über den Fortgang der Atomteststopp-Verhandlungen in der Genfer Abrüstungs-Konferenz. Es war schon vorauszusehen, dass einige Schwierigkeiten einem rechtzeitigen Abschluss im Wege stehen würden. Zu dem Zeitpunkt waren viele Punkte noch umstritten. China klagte ein, nur 43 Atomtests durchgeführt zu haben, wogegen die USA über 1.000 mal getestet hatten, und blieb das einzige Land, das sich dem Test-Moratorium nicht anschloss. Die Australier schlugen vor, dass der Vertrag alle Atom-Explosionen verbieten solle. Zuerst stritten die Atomwaffen-Mächte darüber, wie man eine Atom-Explosion definiert und dann erklärten die westlichen Atom-Mächte, dass alles über "Null" (Zero Yield) zu verbieten war. Aber was heißt "Null"? Die sogenannten subkritischen Atomtests wären damit nicht verboten. Auch Atom-Experimente im Labor und Computer-Simulationen waren zugelassen. Aus diesem Grund argumentierte die IPPNW für ein in der Präambel des Vertrags festgeschriebenes prinzipielles Verbot aller Experimente für die Verbesserung, Modernisierung oder Entwicklung von Atomwaffen. Dies wurde nicht erreicht.

Obwohl Indien das erste Land war, das einen Atomteststopp-Vertrag überhaupt forderte, war es ironischerweise Indien, das den Vertrag in der Abrüstungs-Konferenz zum Scheitern brachte. Da es eines Konsenses bedarf, um ein Abkommen in Genf abzuschließen, bedeutete das Veto von Indien, dass der Vertrag in New York bei der UN-Vollversammlung als Resolution verabschiedet werden musste.

Die Meinungen in der Friedens-Bewegung über den Vertrag gehen auseinander. Manche feierten seinen Abschluss, weil er den großen Atom-Explosionen nach 2.046 Atomtests, die Gesundheit und Umwelt so viel Schaden brachten, ein Ende setzte. Andere wiederum kritisierten den Vertrag, weil er nicht alle Atomtests verbietet und damit die Weiter-Entwicklung von Atomwaffen erlaubt. Dennoch arbeitet die IPPNW, besonders in den USA, für ein Inkrafttreten des Vertrages durch eine Ratifizierung aller Länder mit Atom-Technologie. Gleichzeitig kritisiert die IPPNW insbesondere das US-"Stockpile Stewardship"-Programm, das durch groß angelegte Experimente und Simulationen die über Jahrzehnte gesammelten Daten aus den Atomtests verwendet, um Atomwaffen in Bereitschaft zu halten und sogar neue zu entwickeln.

Die asiatischen Tests

1998 brach das Feuer wieder aus: Indien führte eine Reihe von Atomtests durch, Pakistan folgte mit eigenen. Die deutsche IPPNW lud Ärzte aus Indien und Pakistan nach Deutschland ein und hielt eine Pressekonferenz in Bonn ab.

Die IPPNW-Atomtest-Kampagne ist nicht vorbei, im Gegenteil. Hier erhalten Sie mehr Informationen.

Quellen

Lown, Bernard: "Die Geschichte der "Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW) – Wichtige Stationen und Perspektiven" in Ruprecht, Thomas M. "Äskulap oder Mars? Ärzte gegen den Krieg", Donat Verlag, Bremen 1991.

Hall, Xanthe: "Unter der kritischen Schwelle. Die Atomteststopp-Verhandlungen in Genf", in IPPNW-Forum, Heft 38, März 1996

Physicians for Social Responsibility: "A History of Accomplishments", Mai 2000

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