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Röntgenstörstrahlung

Pilotstudie zur Vererbung von Strahlenschäden

Foto: Atommülllager Gorleben, By Siegfried Wessler (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
08.01.2019

Eine Pilotstudie der Berliner Universitätsklinik Charité belegt eine mögliche Vererbbarkeit klinisch relevanter Mutationen infolge von ionisierender Strahlung. Hintergrund ist die einst hohe „Röntgenstörstrahlung“ alter Radaranlagen bei der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee der DDR. Bei „Radarsoldaten“ der Bundesmarine, die vor Jahrzehnten beispielsweise mit dem Radargerät SGR-103 zu tun hatten, lag die Strahlenbelastung während der Dienstzeit bei bis zu 400 mSv/h. Die Kinder und Enkel früherer Radarsoldaten zeigen teilweise gesundheitliche Schäden.

Angestoßen von ehemaligen Radarsoldaten untersuchten Wissenschaftler*innen der Charité um den Bioinformatiker Manuel Holtgrewe mit modernsten Methoden DNA-Proben ehemaliger Radarsoldaten, deren Ehefrauen sowie von deren Kindern. Insgesamt ging es um DNA-Proben von 28 Eltern und 26 Kindern, von denen 19 klinisch auffällig waren. Verglichen wurden diese Proben mit zwei Kontrollkohorten.

Es zeigte sich eine auffällig hohe Rate an multisite de novo Mutationen (MSDN-Mutationen). Hierbei handelt es sich um ausagekräftige Marker für durchgemachte Stahlenexpositionen. Die Rate an MSDN-Mutationen war bei den Kindern der Radarsoldaten deutlich höher als bei Kontrollkindern.

Von Interesse waren ferner TDN-Mutationen, einer Subklasse der MSDNs, bei denen genau zwei „Fehler“ (Einzelbasensubstitutionen) direkt benachbart liegen. Bei den untersuchten Kindern von Radarsoldaten lag die TDN-Rate um eine Größenordnung über dem erwarteten Normalwert.

Nach Auffassung von Holtgrewe und des beteiligten Humangenetikers Karl Sperling ist die biologische Plausibilität sehr hoch, dass ein Zusammenhang zwischen der väterlichen Strahlenexposition und den nachgewiesenen genetischen Veränderungen ihrer Nachkommen besteht.

Das sieht man inzwischen offenbar auch bei der Bundeswehr so: Sie finanziert nun eine größere Studie, in der weitere Familien von Soldaten, die in der kritischen Zeit vor 1985 an den Radargeräten beschäftigt waren, untersucht werden sollen.

 

Quellen:

Foto: Foto: Atommülllager Gorleben, By Siegfried Wessler (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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