Berlin- In der Diskussion um kernbrennstoffhaltige Kügelchen in der Umgebung der Hanauer Atomanlagen wird die Bevölkerung durch den zuständigen Minister getäuscht: Nach einem streng vertraulichen Vermerk der Hanauer Staatsanwaltschaft wurden in Bodenproben nicht nur Kügelchen sondern auch angereichertes Uran gefunden. Dies wird zwar von Minister Dietzel inzwischen bestätigt.
Er führt aber die Bevölkerung in die Irre, indem er in seiner Mitteilung vom 16.5.02 hinzufügt, der wichtigste Satz des vertraulichen Vermerks der Staatsanwaltschaft sei, dass keine erhöhte Direktstrahlung (äußere Strahleneinwirkung) bestünde. Dabei war von einer erhöhten Direktstrahlung ausdrücklich nie die Rede. Im Gegenteil - es wurde von allen beteiligten Wissenschaftlern stets betont, dass die Gesundheitsgefahr nicht durch Strahlung von außen sondern allein durch die Aufnahme der Stoffe in den Körper durch Einatmen oder Verschlucken besteht.
In einem Gutachten im Auftrag von IPPNW wurde auch bei einer Messreihe im Zusammenhang mit den Kügelchenfunden in Geesthacht angereichertes Uran gefunden, und zwar in 15 von 16 Bodenproben. In Geesthacht wie in Hanau besteht somit ein eindeutiger Bezug der Kügelchen zur Atomtechnologie. Aktuelle Analysenergebnisse der Kügelchen der Universität Giessen, die IPPNW vorliegen, zeigen außerdem hohe Konzentrationen der Elemente Bor, Beryllium und Lithium. Diese Elemente sind sichere Indikatoren für einen Zusammenhang mit der Atom-Fusionstechnologie. Angereichertes Uran, Bor, Beryllium und Lithium findet man nicht in herkömmlicher Hochofenschlacke. Die diskutierte Herkunft der Kügelchen aus Hochofenschlacke ist somit auch nicht mehr als ein plumpes Ablenkmanöver.
Berichte des hessischen Umweltministeriums, wonach die in der Umgebung der Geesthachter (GKSS) und Hanauer Atomanlagen nachgewiesenen Kügelchen nicht gesundheitsgefährlich seien, entbehren jeglicher Grundlage. Sie haben nur einen Zweck - die Bevölkerung zu beschwichtigen. Neben intakten gibt es offene und zerbrochene Kügelchen. Die in solchen Bruchstücken freiliegenden Radionuklide sind hochgiftig, sie können auf verschiedensten Wegen in die Nahrungskette oder die Atemluft gelangen. Bevor die Atomaufsicht bestreitet, daß die Kügelchen gefährlich sind, sollte sie erklären, wie Kügelchen und Bruchstücke in die Umwelt gelangt sind. Dabei ist der technische Vorgang ebenso interessant wie das Schweigen der Betreiber und der Atomaufsicht über mehrere Legislaturperioden. Der zuständige Minister in Hessen versucht, die Verantwortung auf die dortige Staatsanwaltschaft zu schieben und die Bevölkerung zu täuschen. Staatsanwaltschaften sind für die Verfolgung strafrechtlich relevanter Vorgänge zuständig (wenn diese nicht verjährt sind). Sie sind nicht für den Bevölkerungsschutz bei nuklearen Kontaminationen verantwortlich.
Die IPPNW fordert die für die Atomaufsicht zuständigen Minister in Hessen und Schleswig-Holstein auf, die Vertuschungsstrategie endlich zu beenden und die Bevölkerung wahrheitsgemäß zu informieren. Herr Minister Möller (Kiel) und Herr Minister Dietzel (Wiesbaden) - klären Sie die Bevölkerung rückhaltlos über die Unfälle in Geesthacht und Hanau auf und treffen Sie die erforderlichen Schutzmaßnahmen! Delegieren Sie Ihre Verantwortung nicht länger an Ihre Würmer!
Dr. med. Helga Dieckmann
(Arbeitskreis Atomenergie)
Tel 04131 61319
Dr. rer. nat. Sebastian Pflugbeil
(Berater für Strahlenschutz)
Tel: 030 4493736
zurück