Suche
Spenden
Menü
14.-16. April 2015

Das World Uranium Symposium in Québec

Ein Bericht von Günter Wippel (Uranium Network)

Kanada – so groß wie ein halber Kontinent, 10.000 km von Küste zu Küste – ist einerseits einer der großen Uranproduzenten und -exporteure der Welt – andererseits gibt es in einigen Provinzen Moratorien für Uranbergbau: British Columbia an der Pazifikküste hat seit 2008 ein Moratorium für Uranexploration, in Nova Scotia ist der Uranbergbau seit 1982 verboten.

Die Bewohner der Provinz Québec, von den großen Anstürmen der Uranindustrie in der Vergangenheit wenig berührt, sahen sich mit dem plötzlichen Anstieg des Uranpreises 2007-2008 gleich mit mehreren Uran-Explorationsfirmen konfrontiert: In der Region um Sept-Iles (Provinz Québec) – und in den Otish Mountains, mehr als 1.000 km nördlich von Montréal. Die kanadische Tochterfirma der deutschen Uranerzbergbau GmbH hatte 1980 ein uranhöffiges Gebiet ausgemacht.

Die Cree-Indianer, in deren traditionellem Siedlungsgebiet sich die Vorkommen befinden, lehnen den Uranbergbau ab und kündigten ihren Widerstand an. Ärzte in der Region um Sept-Iles wurden ebenfalls aktiv gegen Uranbergbau-Vorhaben und auf der Gaspe-Halbinsel war schon 2011 ein Projekt am Widerstand gescheitert.

Die Regierung der Provinz Québec legte – ihrem Wahlversprechen gemäß – 2012 nicht nur den einzigen verbliebenen Atomreaktor in Québec, Gentilly-2, endgültig still, sondern verhängte auch ein Moratorium für den Uranbergbau; sie verweigerte der Firma Strateco mit dem am weitesten fortgeschrittenen Projekt Matoush die Genehmigung für die Fortsetzung der Explorationsarbeiten. Das Unternehmen widersprach – es wurde ein öffentliches Anhörungsverfahren  eingeleitet, in dem ein dreiköpfiger Experten-Ausschuss nach einem Jahr über die Beibehaltung des Moratoriums berät. Die Entscheidung wird für Mai / Juni 2015 erwartet.
Umweltschutz-Aktive und die kanadische IPPNW / PGS – Physicians for Global Surviva -l hatten schon viel für die Aufklärung unter Ärzten und in der Bevölkerung getan und das Québecer World Uranium Symposium lenkte Mitte April 2015 mit hochkarätigen internationalen Experten aus allen Teilen der Welt noch einmal die Aufmerksamkeit auf das Thema.

Der Tatsache, dass man sich auf indigenem Land befand – Land, das ursprünglich den Huronen gehört hatte – wurde angemessen Rechnung getragen: die Konferenz wurde von Konrad Sioui, dem Chef der Huronen eröffnet: Er sprach vom berühmten „Two-Row-Wampun“, der symbolisiert, dass (weiße) Einwanderer und ursprünglich „indianische“ Bewohner, gleichberechtigt zusammenleben sollten – ohne dass die einen über die anderen herrschen.

Matthew Coon Come, der Häuptling der Cree-Indianer, machte unmissverständlich klar, dass die Cree den Uranbergbau strikt ablehnen, und dass sie alles tun werden, um ihn zu verhindern. Auf ihrem Territorium hatten die Cree bereits ein Moratorium für Uranabbau erteilt. Ob die Québecer Regierung sich darüber hinwegsetzen könnte, bleibt abzuwarten.
Alle indianischen Völker, die in der Provinz Québec vertreten sind, hatten sich dem „Nein“ der Cree zum Uranbergbau angeschlossen, da sie Gefahren auch für die zukünftigen Generationen und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen sehen.

Dr. Helen Caldicott beschrieb in aller Deutlichkeit die Folgen eines Atomwaffenschlages. Dass das Uran aus Kanada keineswegs nur friedlichen Zwecken diente, wurde aus dem Vortrag von Dr. Gordon Edwards, CCNR, klar: In Québec City hatten 1943 die Präsidenten von Großbritannien, USA und Kanada vereinbart, Nuklearforschung mit dem Ziel einer Atomwaffe auf den Weg zu bringen.

Mariette Liefferink beschrieb mit einer Vielzahl von Fakten und Daten die Folgen von Uran- und Goldbergbau in Südafrika: Danach war klar, dass die Folgen katastrophal sind und das Land noch lange Zeit plagen werden: Kontamination ganzer Wassereinzugsgebiete, Menschen, die auf den Abraumhalden des Bergbaus wohnen, Vieh, das aus kontaminierten Becken trinkt …
Detaillierter wurden die gesundheitlichen Folgen von Uranbergbau u.a. von Dr. Vakil aus Kanada beleuchtet. Sie trug die Ergebnisse einer zusammenfassenden Studie über alle bekannten Gesundheitsstudien vor. Ian Fairlie, einst Berater der britischen Regierung in Atomfragen, ergänzte und sprach u.a. über die deutsche Kinderkrebsstudie (KiKK).

Prof. Doug Brugge, Boston Medical School, berichtete über die Auswirkunges des Uranbergbaus im Südwesten der USA auf die Dien (Navajo) Indianer. Die Folgen von Radon-Gas auf die Gesundheit wurden ebenfalls thematisiert.

Das Institut Nationale de Sante Publique der Provinz Québec hatte bereits 2014 eine Studie veröffentlicht, in der es aufgrund der vielen Unsicherheiten bei den gesundheitlichen Auswirkungen von Uranbergbau eine ablehnende Stellungnahme zur Uranförderung einnimmt.

Eine Repräsentantin aus der Mongolei berichtete von Uranbergbau-Plänen in ihrer Heimat – und davon, wie Gegner dieser Pläne zu leiden hatte: Ausreiseverbot, Einfrieren von Konten. Die kanadische Regierung hatte das ihre dazu getan, und Gästen aus Tansania das Visum verweigert.

In 30 Workshops waren von den gesundheitlichen Folgen und Gefahren von Uranbergbau über die sozialen Auswirkungen derartiger Bergbau-Projekte, die militärische Verwendung von Uran in Atomwaffen und die Folgen bis hin zu der Katastrophe von Fukushima und zu der ungelösten Endlagerproblematik, fast alle Aspekte der nuklearen Brennstoffkette von Fachleuten beleuchtet worden. Auch der von der Atomindustrie gerne ventilierte Mythos, dass Atomkraft die Rettung vor der Klima-Katastrophe sei, wurde widerlegt.

Am dritten Tag stand das Thema „Menschenrechte und die Rechte Indigener Völker versus nukleare Brennstoffkette“ im Mittelpunkt: Betroffene und Aktive aus Grönland, Australien, der Mongolei, aus Kamerun und Japan berichteten, im zweiten Teil kamen die Indigenen Kanadas zu Wort: aus Québec, Ontario und Saskatchewan.

In einer erstaunlichen scharfen Analyse legte Kirsten Scansen, eine Cree aus Saskatchewan, dar, wie die Uranfirmen sich in die Provinz „eingekauft“ hatten, jede Opposition der indianischen Völker – in deren Gebiet der Uranbergbau stattfindet - de facto mundtot gemacht und ihrer Rechte beraubt hatten.
Loraine Rekmans, eine Anishinabe-Indianerin aus Serpent River, sprach in einer zunächst sehr persönlichen Rede von ihren bitteren Erfahrungen mit dem Uranbergbau in Elliott Lake; u.a. waren 25 Seen in ihrer Region „ausgelöscht“ worden, sie sind heute – nicht abgedichtete – Lager für radioaktiven Abraum aus dem Uranbergbau der 50er und 60er Jahre. Der Serpent River ist auf viele Kilometer radioaktiv kontaminiert – und Sanierungsmaßnahmen lassen auf sich warten.

Die Konferenz schloss mit einer Deklaration, in die Empfehlungen aus den 30 Workshops eingearbeitet waren: Die detaillierte Abschluß-Deklaration wurde von den Teilnehmern ohne weitere Diskussion angenommen. Die Ablehnung des Uranbergbaus wurde bekräftigt, und dies nicht nur der Regierung der Provinz Québec deutlich signalisiert.

Günter Wippel (Uranium Network)
 

zurück

Ansprechpartner

Patrick Schukalla
Patrick Schukalla
Referent Atomausstieg, Energiewende und Klima
Email: schukalla[at]ippnw.de

Materialen

IPPNW-Thema "Zivil-militärische Verknüpfungen: Atomausstieg und Abrüstung gehören zusammen"
IPPNW-Thema: „Zivil-militärische Verknüpfungen: Atomausstieg und Abrüstung gehören zusammen“, September 2025
auf ISSUU lesen  |  im Shop bestellen


30 Jahre Leben mit Tschernobyl
5 Jahre Leben mit Fukushima

pdf-Datei  |  im Shop bestellen
Englisch | Französisch

Gefahren ionisierender Strahlung
Ergebnisse des Ulmer Expertentreffens
Englisch | Japanisch | Russisch | Spanisch

Navigation