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Presseerklärung der IPPPNW Regionalgruppe Aachen

Bezirksregierung Köln verweigert Schutz der Kinder durch Jodtabletten

04.09.2017 Jodtabletten werden endlich an alle Empfangsberechtigten, vom Baby bis zur 45 jährigen Person, verteilt. Die Stadt und Städteregion sowie die beteiligten Kommunen haben in einer großen Anstrengung diese logistische Herausforderung zum Schutz der Bürger vor Schilddrüsenkrebs bei einem Atomunfall in Tihange oder Doel gemeistert.

Wir Aachener Ärztinnen und Ärzte der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung) begrüßen ausdrücklich diese Maßnahme und empfehlen allen Empfangsberechtigten eindringlich das Angebot wahrzunehmen, werden mit der Maßnahme doch 50% der potentiellen Krebse nach einem Atomunfall verhindert.

Besonders wichtig ist aber, dass diese Tabletten dort sind, wo die Menschen sich befinden. Die Einnahme 2 bis 6 Stunden vor dem Kontakt mit einer radioaktiven Wolke ist entscheidend für den Erfolg dieser Schutzmaßnahme. Kinder halten sich viele Stunden des Tages in Kitas oder Schulen auf. Sind dort Jodtabletten vorhanden? Nein! „Jodtabletten haben an Schulen nichts zu suchen“ wird am 22. März 2017 die Bezirksregierung Köln in den Aachener Zeitungen zitiert.

Schulleitungen und Eltern, die sich in privatem Engagement einsetzen, Jodtabletten an Schulen sicher zu lagern, werden in einem Schreiben der Bezirksregierung Köln am 8. Mai 2017 zurückgepfiffen: „Der Schulausschuss hält darüber hinaus Lehrkräfte als pädagogisches Personal für nicht geeignet, im Katastrophenfall Kaliumjodtabletten an Schülerinnen und Schüler zu verabreichen und eine sachgerechte Lagerung und Bevorratung zu gewährleisten." Damit verhindert die Bezirksregierung Köln unter Regierungspräsidentin Walsken den einzig möglichen Schutz der Kinder vor Schilddrüsenkrebs! Wenn die Kinder erst unter der radioaktiven Wolke nach Hause gehen, ist es für eine sichere Wirksamkeit zu spät.

In der Empfehlung der Strahlenschutzkommission, SSK, vom Februar 2015 heißt es: „Für den Fall einer Empfehlung der zuständigen Behörde zur Einnahme der Iodtabletten wäre es daher zum bestmöglichen Schutz der besonders gefährdeten Kinder und Jugendlichen notwendig, die Ausgabe der Tabletten an die betreuten Minderjährigen durch Lehrer oder anderes Betreuungspersonal zu ermöglichen“. Im Folgenden mahnt die SSK, dass sich die zuständigen Behörden dringend einigen müssen, alle organisatorischen, juristischen und administrativen Hindernisse auszuräumen, damit unsere Kinder sicher geschützt werden können.

Außerdem sind „bei Unfällen und sonstigen Notfällen Lehrkräfte verpflichtet, Erste-Hilfe zu leisten. Nach den Umständen des Einzelfalles richtet sich, welche Art Erster-Hilfe geleistet werden muss." (Schulministerium NRW, Schulgesundheitsrecht-Handreichung-Medikamentengabe durch Lehrerinnen und Lehrer; Stand 01.07.2016) Was ist ein Atomunfall anderes als ein akuter Notfall?

Anfragen der IPPNW an die Bezirksregierung Köln zum Umsetzen dieser Empfehlungen werden nicht beantwortet, an Ministerpräsidentin Kraft und Ministerin Silvia Löhrmann im Februar 2017 ebenfalls nicht. Ein eklatantes Behördenversagen auf Landesebene!

Wir fordern sowohl die Bezirksregierung als auch die neue Landesregierung auf, die Lagerung von Jodtabletten in Kindergärten und Schulen voranzutreiben, sowie im Bedarfsfall eine zeitgerechte Verteilung zu ermöglichen.

Verantwortlich für die Regionalgruppe Aachen: Dr. Wilfried Duisberg, Dr. Odette Klepper, Dr. Martin Momburg

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