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Aus dem Atom-Energie Newsletter Juli 2020

Kühltürme des AKW Philippsburg gesprengt

Am Morgen des 14. Mai wurde der Atomausstieg sichtbar: In Sekundenschnelle fielen die beiden je 152 Meter hohen und 32.500 Tonnen schweren Kühltürme des Atomkraftwerks Philippsburg nach einer Sprengung in sich zusammen. Block 1 des Atomkraftwerks war 2011 kurz nach Fukushima abgeschaltet worden und wird seit 2017 zurückgebaut. Ende 2019 folgte auch Block 2. Dort, wo die Kühltürme standen, soll nun ein Gleichstrom-Umspannwerk (Konverter) gebaut werden, um Süddeutschland mit Strom zu versorgen.

Der Abbruch der Kühltürme soll dazu beitragen, eine der großen Stromtrassen zwischen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zu realisieren. Denn von der TransnetBW GmbH, einer 100-prozentigen Tochter des EnBW-Konzerns, soll auf einer Teilfläche des Kraftwerksgeländes ein Gleichstrom-Umspannwerk (auch Konverter genannt) errichtet werden. Um Platz für den Konverter zu schaffen, mussten die Kühltürme abgebrochen werden.

Dieser Konverter soll den südlichen Endpunkt der geplanten Gleichstromverbindung „Ultranet“ zwischen dem Standort Osterath in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bilden. Ultranet wird von den Netzbetreibern Amprion und TransnetBW als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) geplant. Die 340 Kilometer lange Leitung soll rund 2 Gigawatt (2.000 Megawatt) elektrische Leistung übertragen können, der Leistung von zwei großen konventionellen Kraftwerken entsprechend.

In der Öffentlichkeit wird das Bauvorhaben als Projekt der Energiewende gepriesen, man wolle damit in erster Linie Windstrom aus Norddeutschland nach Süddeutschland transportieren. Außerdem könne Solarstrom nach Norden transportiert werden. Es soll eine weitere HGÜ-Leitung von Osterath nach Emden gebaut werden.

Kritiker vermuten, dass in die Stromleitung vorwiegend Strom aus Kohlekraftwerken eingespeist werden soll und fordern deshalb, für die Station einen Standort in der Nähe des Rheinischen Braunkohlereviers zu wählen. Der Netzbetreiber Amprion schreibt entsprechend auf seiner Website, mit der Ultranet könne u.a. „konventionell erzeugter Strom von Westen nach Süden“ transportiert werden.

Die Stromtrasse könnte sogar in erster Linie dem Transport von konventionellem Strom dienen, nicht nur aus dem Rheinland, sondern auch von Kraftwerken aus Nordwestdeutschland sowie aus Belgien, den Niederlanden.

Der Wirtschaftswissenschaftler Lorenz Jarass weist darauf hin, dass seltene Windenergiespitzen keinen Stromnetzausbau erfordern. Im Gegenteil mache „der geplante Stromnetzausbau (…) den für die erforderliche Reserveleistung dringend benötigten Bau und Betrieb von Gaskraftwerken in Süddeutschland endgültig unrentabel“.

 

Henrik Paulitz

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