IPPNW.DE
Seite drucken
Aus dem Atom-Energie-Newsletter Juli 2020

Finnland hält Atomkraft jetzt für Klimaschutz

Nachdem die Finnen ihr Atommüll-Problem mit einem „sicheren“ Endlager für gelöst halten, steigt die Zustimmung zur Kernenergie. Sogar manche Grünen sehen in der Atomkraft einen unvermeidbaren Baustein im „Kampf gegen die Klimakrise“.

Das Problem der Atommüll-Entsorgung hält man in Finnland mit dem geplanten Endlager am Atomkraftwerksstandort Olkiluoto inzwischen mehrheitlich für gelöst: 6.500 Tonnen Atommüll können dann rund 400 Meter unter der Erde im Granitgestein deponiert werden.

2016 begannen die ersten Bohrungen, in fünf Jahren sollen Container mit den ersten eingelagerten Brandstäben in dicken Stahl- und Kupferschichten verpackt ihre ewige Ruhe finden. Der Felsuntergrund sei weit mehr als 100 Millionen Jahren stabil, sagen Experten, da werde sich auch in naher Zukunft nichts bewegen. Die Diskussion um Atommüll hält Finnland damit für beendet.

Mit diesem ersten Atommüll-Endlager und dem Bau des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) in Olkiluoto möchte Finnland als erstes Land bis 2035 klimaneutral werden, so die Ankündigung der finnischen Regierung. Für das Ziel der Klimaneutralität brauche man die Atomenergie, denn Industrie und die langen Winter fressen viel Strom. Man wolle nicht abhängig von Energieimporten sein.

Viele in der Fridays-for-Future-Bewegung und viele Grünen-Politiker in Finnland befürworten diesen Weg, manche bezeichnen die Atomkraft als „grüne Energie“. Bei der Energiegewinnung aus Erneuerbaren Energien sehen viele Politiker keine Technologie in Sicht, die das Problem der Energiespeicherung lösen könnte. Die meisten Finn*innen seien mit der radioaktiven Form der Stromgewinnung einverstanden, 70 Prozent der finnischen Bevölkerung sind laut Umfragen für die Nutzung der Kernenergie.

Doch wer einmal über den Tellerrand der Atomkraft schaut, muss nicht nur die damit verbundenen Sicherheitsrisiken sehen, sondern auch eine Technik, die nur mit Hilfe von Subventionen bzw. langfristigen Stromlieferverträgen zu guten Konditionen für die Betreiber rentabel ist.

Henrik Paulitz

zurück

Sitemap Überblick