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Interview mit Niels Henrik Hooge (NOAH, dänische Sektion von Friends of the Earth)

Don't Nuke Greenland!

Über den aktuellen geopolitischen Druck sowie die Rolle der Uranvorkommen und anderer Bodenschätze

Niels Henrik Hooge arbeitet bei NOAH, der dänischen Sektion von Friends of the Earth und steht in enger Verbindung mit der grönländischen „No to Uranium Association” in Nuuk, URANI? NAAMIK. Patrick Schukalla, IPPNW-Fachreferent für Atomausstieg, Energiewende und Klimapolitik, hat mit dem Experten und Campaigner über Grönland unter dem aktuellen geopolitischen Druck sowie die Rolle der Uranvorkommen und anderer Bodenschätze und die damit verbundenen Gefahren gesprochen.

Berlin/Kopenhagen, Februar 2026

Obwohl Grönland derzeit in aller Munde ist, erfährt man nur wenig über die Insel selbst, ihre Bewohner*innen oder die arktische Ökologie. Stattdessen liegt der Fokus auf den geopolitischen Bestrebungen anderer, sowohl imaginären als auch realen. Ihr setzt Euch seit langem gegen Bergbau und Bergbaupläne in Grönland ein und habt in diesem Bereich bedeutende politische Erfolge erzielt. Könnt Ihr uns etwas darüber erzählen?

Ich denke, was einem als Beobachter am meisten auffällt, sind die vielen Paradoxien und Herausforderungen, die man in Grönland vorfindet. Das Land ist die größte Insel der Welt, von der mehr als achtzig Prozent mit Eis bedeckt sind. Die Bevölkerung beträgt jedoch weniger als sechzigtausend Einwohner*innen. Aufgrund des Klimas und der Geografie gibt es keine Eisenbahnlinien oder Straßen, die die bewohnten Gebiete verbinden. Passagiere und Güter werden auf dem See- oder Luftweg transportiert. Darüber hinaus gibt es eine sehr interessante Kultur, die in der Tradition der Inuit verwurzelt ist, aber leider dem Rest der Welt weitgehend unbekannt bleibt. Dänemark, das jahrhundertelang die vollständige Kontrolle über Grönland hatte, hat keine Versuche unternommen, die Kultur der Inuit in das Königreich zu integrieren. Eine weitere bemerkenswerte Tatsache ist, dass es kein Privateigentum an Land gibt und dieses weder gekauft noch verkauft werden kann. Man kann Gebäude besitzen, aber nicht den Boden. Das Paradoxe an dieser Situation ist, dass einige der größten und gierigsten Industriellen der Welt nun versuchen, Eigentum zu kontrollieren, das bisher in kollektivem Besitz war. Dies ist wirklich ein Zusammenprall gegensätzlicher Kulturen.

Das letzte Mal sprachen wir 2021, vor dem COP26-Klimagipfel in Glasgow. Damals ging es um drohenden Uranbergbau und die falschen Behauptungen der Industrie und einiger Regierungen unter dem Slogan „Nuclear for Climate“. Die IPPNW setzt sich für eine Welt ohne nukleare Bedrohungen ein. Dazu gehört auch die Forderung nach einem Ende des Uranabbaus. Welche Rolle spielt Uran in Grönland und in Euren aktuellen Kampagnen?

Seit 2021, als die Partei Inuit Ataqigiit an die Macht kam, gibt es ein Verbot für den Uranabbau. Inuit Ataqatigiit ist hauptsächlich eine ökologische Partei und ich denke, man könnte sie in gewisser Weise mit den deutschen Grünen vergleichen, da sie ebenfalls eine Mainstream-Partei ist. Bis 2013 hatte das Verbot ein Vierteljahrhundert lang bestanden, wurde jedoch auf Antrag des australischen Bergbauunternehmens Energy Transition Minerals (ETM, früher bekannt als Greenland Minerals Ltd., GML) aufgehoben, das damit drohte, ein großes Uran- und Seltenerdmetall-Abbauprojekt in Kvanefjeld aufzugeben, wenn ETM die Uranlagerstätte nicht ausbeuten könnte. Unter der Eigentümerschaft von GML stand das umstrittene Projekt seit mehr als einem Jahrzehnt im Fokus der Öffentlichkeit, und das Bergbauprojekt und der Uranabbau im Allgemeinen waren seit 2013 ein wichtiger Faktor bei der Bildung von mindestens fünf Regierungskoalitionen. Als das Uranabbauverbot aufgehoben wurde, begannen grönländische und dänische NGOs, darunter NOAH, zusammenzuarbeiten, um es wieder einzuführen. Besonders hervorheben möchte ich unsere Zusammenarbeit mit URANI? NAAMIK, dem grönländischen Anti-Uran-Netzwerk, das eine entscheidende Rolle bei der Mobilisierung der Öffentlichkeit gegen den Uranabbau gespielt hat. Obwohl diese Art des Bergbaus nun verboten ist, kann die Anti-Uran-Kampagne nicht vollständig eingestellt werden. Bergbauunternehmen lobbyieren bei der Trump-Regierung und ihren Partnern in der Privatwirtschaft, um einzugreifen, und Veränderungen in der politischen Gemeinschaft Grönlands könnten den Status des Uranabbaus grundlegend beeinflussen.

Da Grönland aufgrund des erneuten Interesses von Trump nun im Rampenlicht steht, gibt es viele Spekulationen über die Bodenschätze des Landes und seine potenzielle Rolle. Siehst du hier einen Zusammenhang, und wenn ja, welchen?

Es ist allgemein bekannt, dass Grönland über riesige mineralische Rohstoffvorkommen sowie Öl- und Gasreserven verfügt. Grönland ist reich an kritischen Mineralien, nicht zuletzt an Seltenen Erden. Das Land verfügt schätzungsweise über fast vierzig Millionen Tonnen Seltener Erdenoxide, während die Gesamtreserven der übrigen Welt bei hundertzwanzig Millionen Tonnen liegen. Nichts hindert jedoch internationale Bergbauunternehmen, darunter auch amerikanische Firmen, daran, in die Rohstoffgewinnung zu investieren. Der Grund dafür, dass dies bisher kaum geschehen ist, liegt in der schlechten Wirtschaftlichkeit fast aller Projekte. Aufgrund des rauen Klimas und der mangelnden Infrastruktur ist der Bergbau weitaus schwieriger und teurer als fast überall sonst auf der Welt. Dies gilt auch für die Öl- und Gasförderung. Als die grönländische Regierung im Jahr 2021 die Öl- und Gasförderung verbot, stieß sie damit auf offene Türen, denn es gab kaum noch aktive Lizenzen. Daher herrscht in Grönland und Dänemark Einigkeit darüber, dass Trumps Versuch, Grönland zu annektieren, Teil eines Prestigeprojekts ist, dessen einziges Ziel darin besteht, das Territorium der USA zu erweitern. Das Argument des Zugangs zu kritischen Mineralien ist nur ein Vorwand, um dieses Bestreben in einer wirtschaftlich sinnvollen Form zu erklären. In Wirklichkeit hat es sehr wenig mit wirtschaftlicher Rationalität zu tun.

Wenn die europäischen Regierungen nun versuchen, die USA zufrieden zu stellen, ohne dass Grönland annektiert wird, befürchtet ihr dann, dass die Vorschriften gelockert werden und der Schutz der arktischen Umwelt beeinträchtigt wird?

Ja, leider ist dies ein echtes Risiko und könnte einen Unterbietungswettlauf auslösen. Einerseits impliziert die Arktis-Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategie der EU, dass Öl, Kohle und Gas in arktischen Gebieten nicht mehr gefördert werden sollten. Andererseits hat die EU im Rahmen des Europäischen Gesetzes über kritische Rohstoffe eine Politik verabschiedet, die Bergbauprojekte beschleunigt, selbst wenn sie nicht von der lokalen Bevölkerung unterstützt werden und Anzeichen für fehlerhafte Genehmigungen oder unzureichende Umweltverträglichkeitsprüfungen aufweisen. In Grönland hat die EU bereits zwei strategische Rohstoffprojekte identifiziert: das Graphitprojekt von GreenRoc Strategic Materials im Süden Grönlands und das Molybdänprojekt von Greenland Resources im Osten Grönlands. Letzteres wird als Beispiel für ein Projekt genannt, das direkte Startunterstützung von der EU-Kommission erhalten könnte.

Was sind Eure nächsten Schritte, und was wünscht ihr Euch von Partnern und Mitstreiterinnen in anderen europäischen Ländern und darüber hinaus?

Derzeit führen URANI? NAAMIK und NOAH eine Kampagne durch, um Bergbauunternehmen, die dazu beigetragen haben, dass die Trump-Regierung versucht, Grönland zu annektieren, zu überprüfen und gegebenenfalls aus Sicherheitsgründen zu verbieten. Darüber hinaus gibt es mittlerweile eine Mehrheit in der grönländischen Bevölkerung, die sich für einen Wiedereintritt in die EU [Grönland war eine Zeit lang Teil der Europäischen Gemeinschaft, Vorläuferin der EU] als Mitgliedstaat ausspricht, und es wäre natürlich sinnvoll, wenn die EU-Institutionen und die europäischen Nichtregierungsorganisationen beginnen würden, sich auf diese Eventualität vorzubereiten. Nach Ansicht von NOAH würde dies ein Konzept für eine europäische Arktispolitik bedeuten, das ein Angebot zur Unterstützung der grönländischen Regierung beim Schutz und Erhalt der natürlichen Ressourcen Grönlands beinhaltet. Dies könnte zu einem Leuchtturmprojekt für Grönland, das Königreich Dänemark und die EU werden und den Umweltschutz auf die globale Agenda setzen. Wenn der Abbau von Bodenschätzen ganz oder teilweise abgeschafft wird, sollten die Grönländer natürlich finanziell entschädigt werden. Das Europäische Parlament hat in der Vergangenheit die Idee eines arktischen Naturschutzgebiets unterstützt, das sich am Antarktisvertrag orientiert. Die Idee wird von 141 Umweltorganisationen unterstützt, darunter einige der größten in Europa und weltweit.

Niels Henrik HoogeNiels Henrik Hooge arbeitet bei NOAH, der dänischen Sektion von Friends of the Earth und steht in enger Verbindung mit der grönländischen „No to Uranium Association” in Nuuk, URANI? NAAMIK.

 

 

Gesprächsführung und Übersetzung: Patrick Schukalla

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Ansprechpartner

Patrick Schukalla
Patrick Schukalla
Referent Atomausstieg, Energiewende und Klima
Email: schukalla[at]ippnw.de

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