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Risikofaktor Eiszeit?

Bau eines sog. atomaren „Endlagers“ in Finnland

13.05.2019 Während in Deutschland die Bestimmung eines Standorts für ein „Endlager“ für den hochradioaktiven Müll noch lange Zeit dauern wird, ist in Finnland ein solches Atommülllager in Bau. Auf der Halbinsel Olkiluoto im Südwesten Finnlands sollen 6.500 Tonnen Atommüll in gut 400 Metern unter der Erde in Kupferbehältern deponiert werden. Seit 2004 wird an dem Endlager gearbeitet, im November 2015 erhielt die Betreiberfirma Posiva die Genehmigung und ab den 2020er Jahren soll mit der Einlagerung hochradioaktiver Abfälle begonnen werden. Hinsichtlich der Sicherheit des Atommülllagers gibt es allerdings noch viele Fragezeichen.

Auf Olkiluoto sind zwei Siedewasserreaktoren in Betrieb. Ein weiteres Atomkraftwerk vom Typ „Europäischer Druckwasserreaktor (EPR“) ist seit 2005 in Bau. Der EPR soll 2020 seinen kommerziellen Betrieb aufnehmen. Außerdem befindet sich auf der Halbinsel bereits ein Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfälle. Am gleichen Standort errichtet die Firma Posiva OY das weltweit erste Endlager „Onkalo“ für hochradioaktive Abfälle.

 

Bau-Schema des in Bau befindlichen atomaren Endlagers , Grafik: Posiva [Public domain]:

 

Onkalo ist ein unterirdisches Tunnelsystem, ein Labyrinth mit 137 Wegen, Gesamtlänge 60 Kilometer. Es ist vorgesehen, mehrere hundert Löcher in den Fels zu bohren. Die verbrauchten Brennstäbe sollen in einen Kanister aus Gusseisen mit Kugelgraphit gesteckt werden – ein wasserbeständiges Material, das hohem Druck standhalten kann. Dieser Kanister soll wiederum von einem versiegelten, fünf Zentimeter dicken und somit besonders korrosionsbeständigen Kupfermantel umgeben werden. Diese Behälter sollen in die Tunnellöcher geschoben werden. Anschließend sollen die Kammern mit Betonit verschlossen werden. Betonit ist eine Vulkanasche, die u.a. in der Bautechnik als Dichtungsmittel verwendet wird und beim Kontakt mit Wasser aufquillt.

Strittig ist, ob das Endlager eine Eiszeit überstehen würde, mit der in mehreren zehntausend Jahren zu rechnen ist. Nach Darstellung des Betreibers Posiva ist das Lager so konzipiert, dass es die nächsten 100.000 Jahre überdauern und sogar Eiszeiten überstehen kann. Allerdings muss die Sicherheit des Atommülls für bis zu einer Million Jahre sichergestellt werden.

Man habe die seismischen Risiken des Areals untersucht wie auch die möglichen Folgen einer zukünftigen Eiszeit, in der eine Eisschicht von zwei Kilometer Dicke ganz Finnland bedecken könnte. Den Untersuchungen zufolge werde die Vergletscherung nicht bis zur Tiefe von Onkalo durchdringen. Der Standort Olkiluoto sei ideal, weil sich dort eine Gesteinsplatte befinde, die bei seismischen Bewegungen nicht breche. Der Granitstein habe in einem Zeitraum von zwei Milliarden Jahren nur sehr wenige Veränderungen gezeigt.

Matti Sarnisto, der ehemalige Direktor des finnischen Instituts für Geologie sah das kritischer. Er hatte mehrere Male betont, dass unvorhersehbar sei, was während oder nach der nächsten Eiszeit passieren werde. Er wies darauf hin, dass der Boden einen beachtlichen Druck ausüben werde auf das Gestein und die Lagerstätte dadurch beschädigt werden könnte. Zudem hatten einige Experten der Strahlenschutzbehörde und des Königlichen Schwedischen Technologienstituts Zweifel an der Abdichtung der Müllbehälter formuliert. Die Forscher konnten zeigen, dass die Kanister bereits nach 1.000 statt erst nach 100.000 Jahren Korrosionszeichen zeigten. (Peter Szakálos, Seshadri Seetharaman. "Technical Note 2012:17: Corrosion of copper canister")

Weitere Informationen:

 

 

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