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Aus dem Atom-Energie-Newsletter November 2020

Atommülllagerung - IPPNW fordert schnellen und vollständigen Atomausstieg

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat Ende September ihren lang ersehnten Bericht veröffentlicht und die gespannte Öffentlichkeit in vielerlei Hinsicht damit überrascht: das frühe Aus für Gorleben bestätigt die Anti-AKW-Bewegung, die bereits seit Jahrzehnten argumentiert, dass der Standort die nötigen geologischen Voraussetzungen nie erfüllt hat.

Gleichzeitig wird durch die Entscheidung, möglichst großflächige Teilgebiete zu benennen, bewusst versucht, eine lokale Betroffenheit zu vermeiden. Mehr als 50% der Bundesrepublik wurden von der BGE als potentielle Lagerungsstätten benannt – selbst Vororte Berlins und anderer Ballungsgebiete wurden noch nicht von der Karte genommen. Potentiell betroffenen Kommunen wird es somit erschwert, zum jetzigen Zeitpunkt mit dem nötigen Elan in die Vorbereitung der nächsten Phase einzusteigen.

 

Diese Phase  der weiteren Eingrenzung der Teilgebiete ist ein Prozess, der mit mehr als 10 Jahren veranschlagt wird; erst im Jahr 2031 soll der Standort für eine dauerhafte Lagerungsstätte für hoch-radioaktiven Atommüll in Deutschland endgültig festgelegt werden.


Aktuell lagert der Atommüll in oberirdischen Zwischenlagern quer durch die Republik. Die IPPNW vertritt, wie die meisten anderen Wissenschaftler*innen, die Position, dass die derzeitige Aufbewahrung hochradioaktiver Materialien in unsicheren oberirdischen Zwischenlagern so schnell wie möglich beendet werden muss, da die gefährlichen Stoffe dort relativ ungeschützt Naturkatastrophen, Terroranschlägen, Sabotage, Hackerangriffen oder menschlichem Versagen ausgesetzt sind.

Eine dauerhafte tiefengeologische Lagerung des Atommülls erscheint nach dem aktuellem Stand der Technik das verantwortbarste Vorgehen. Optionen jenseits der dauerhaften Einlagerung in Deutschland wird es nicht geben. Weder wird es möglich sein, den Atommüll einfach in ein anderes Land zu verfrachten, noch ihn im Meer zu versenken oder im Weltall zu entsorgen. Auch die sogenannte Transmutation, also das ‚Recycling‘ von Atommüll zu Zwecken der Energiegewinnung ist ein immer wieder hervorgeholtes Werbeinstrument der Atomindustrie, welches weltweit immer wieder technisch und wissenschaftlich als unrealistisch verworfen wird.

Wir werden nicht umhinkommen, als Gesellschaft eine Lösung für unseren Atommüll hier in Deutschland finden zu müssen - so bitter das vor allem für uns Atomgegner*innen auch sein mag. Wir und unsere Nachkommen haben diese Altlasten des Atomzeitalters zu tragen.

Die IPPNW hat immer betont, dass es ein absolut zuverlässiges Konzept für den Umgang mit hoch radioaktivem Abfall nicht gibt. Unabhängig vom Standort wird es immer ein Restrisiko bezüglich der Langzeitsicherheit und des Gesundheitsschutzes geben. Daher muss es jetzt in den nächsten zehn Jahren darum gehen, denjenigen Standort in Deutschland zu finden, der aus wissenschaftlicher  und technischer Sicht für die Langzeitsicherheit am vertretbarsten ist. Dabei muss unbedingt verhindert werden, dass sich die Standortentscheidung nach politischen Machtverhältnissen, wirtschaftlichem Kalkül oder dem Prinzip des geringsten Widerstands entscheidet.

An jedem vorgeschlagenen Standort wird es berechtigten Widerstand aus der Bevölkerung geben. Umso wichtiger ist ein transparentes und partizipatives Verfahren der Standortbestimmung, das nachweislich und überzeugend frei von politischen und wirtschaftlichen Interessen ist. Die atompolitische Vergangenheit zeigt: Ohne Transparenz, ohne Augenhöhe und ohne Sicherstellung eines wissenschaftsbasierten Prozesses ist das Verfahren zur Standortbestimmung zum Scheitern verurteilt.

Neben der Suche nach einer möglichst sicheren Lagerungsstätte ist es notwendig, die Atommüllproduktion so schnell wie möglich zu beenden, damit nicht täglich noch mehr hoch radioaktiver Atommüll hinzukommt. Die sechs verbleibenden AKWs in Deutschland müssten frühzeitig geschlossen werden sowie auch die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennstäbeproduktion in Lingen. Beide Standorte sind bislang aus dem Atomausstieg ausgeklammert worden. Das muss ein Ende haben. Daran müsste auch die Bevölkerung an den potentiellen Standorten für die Atommülllagerung ein Interesse haben.


Weitere Informationen:
„Thesen zum Umgang mit dem Atommüll“, IPPNW-Information
Zwischenbericht der BGE mit Karte: www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Stilllegung_Atommuell/IPPNW_-_Thesen_zum_Umgang_mit_dem_Atommuell.pdf

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