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Kinderkrebs um Atomkraftwerke

13.01.2010

Im Dezember 2007 sorgte das Ergebnis einer Studie des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz bundesweit für Schlagzeilen: Je näher ein Kind an einem Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es an Krebs oder Leukämie erkrankt. Die so genannte KiKK-Studie ist die aufwändigste und exakteste Studie, die zum Thema Krebserkrankungen um Atomkraftwerks weltweit durchgeführt wurde. Auf den Weg gebracht wurde sie maßgeblich von Reinhold Thiel, niedergelassener Arzt und Mitglied der IPPNW. 

 

Die KiKK-Studie des Deutschen Kinderkrebsregisters hat bewiesen:

1. Je näher ein Kind an einem Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, an Krebs oder Leukämie zu erkranken.

2. Das erhöhte Erkrankungsrisiko wird auch in einer Entfernung von 50 km noch nachgewiesen.

3. Im Nahbereich bis 5 km verdoppelt sich für Kleinkinder sogar das Leukämierisiko.  

 

IPPNW fordert - mit Erfolg - "Referenz-Embryo"

Die IPPNW fordert, dass Strahlenschutzstandards und Grenzwerte nicht an einem gesunden, jungen Mann (Reference Man), sondern am extrem strahlensensiblen Embryo (Reference Embryo) orientiert werden.

Die IPPNW-Forderung blieb nicht ohne Erfolg:

Im Deutschen Ärzteblatt vom 5. Juni 2009 ( Jg. 106, Heft 23, 5.6.2009, S. 394) räumte der Leiter des Deutschen Kinderkrebsregisters an der Universität Mainz und federführender Autor der KiKK-Studie, Dr. rer. physiol. Peter Kaatsch, ein:

"... Es mag richtig sein, dass Kinder eine andere Strahlensensibilität aufweisen als Erwachsene. Deshalb macht es durchaus Sinn, die vorhandenen anerkannten Berechnungsmodelle zu Dosisabschätzungen zu hinterfragen und möglicherweise durch bessere Modelle zu ersetzen. ..."

Das ist ein sehr weitreichendes Eingeständnis, das zeigt, wie dringend das deutsche Strahlenschutzrecht reformiert werden muss. 

Mittlerweile unterstützen rund 4150 Menschen per Unterschirft die Petition der IPPNW an den Deutschen Bundestag zur Einführung des "Reference Embryo". Sie können dies auch online untzerstützen: 
Link zur Petition auf der Website

 

Atomkraftwerks-Standorte in Deutschland

Die folgende Karte zeigt die 50 km-Umkreise um die deutschen Atomkraftwerke (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken):

 

 

Broschüre

Eine Broschüre von IPPNW-Kinderarzt Dr. Winfrid Eisenberg informiert über die Bedrohung von Kindern durch die Atomenergie. Die leicht verständliche Broschüre mit dem Titel "Atomkraft macht Kinder krank - Fragen und Antworten zum Krebsrisiko rund um Atomanlagen" fasst die wichtigsten Fakten rund um die so genannte KiKK-Studie zusammen. Das im April 2009 veröffentlichte handliche Heft im DIN A 6-Format (32 Seiten) eignet sich bestens zum Auslegen und Weitergeben. Herausgeber sind IPPNW und "ausgestrahlt". Die Broschüre kann im IPPNW-Shop als Druck-Version bestellt werden. Die pdf-Datei können sie gleich jetzt über diesen Link herunterladen.

 

Faltblatt

Einen guten Überblick über die Ergebnisse der Kinderkrebs-Studie finden Sie in der 4-seitigen Informationsschrift IPPNWaktuell "Kinderkrebs um Atomkraftwerke" (pdf-Datei), aktualisiert im Juli 2009.

Nutzen Sie dieses Faltblatt für Ihre Öffentlichkeitsarbeit. Im IPPNW-Shop können Sie das Faltblatt in kleiner oder auch großer Stückzahl bestellen. 

 

Presseinformationen (Auswahl)

26.02.2009
IPPNW fordert echte Fachdiskussion und eine sachgerechte Aufklärung der Bevölkerung

17.02.2009
IPPNW: "Die alten Zöpfe der Strahlenschutzverordnung abschneiden"
Zum Fachgespräch der Strahlenschutzkommission am 26.02.2009

03.12.2008
1000 UnterzeichnerInnen fordern Umweltminister auf, Risikovorsorge zu betreiben

07.11.2008
Sachgerechte Information der betroffenen Menschen wird weiter verzögert

20.10.2008
IPPNW fordert Richtigstellung vom Deutschen Kinderkrebsregister

10.10.2008
Auch Bundesamt für Strahlenschutz weist SSK-Aussage zurück
IPPNW zweifelt an Seriosität der Strahlenschutzkommission

09.10.2008
Strahlenschutzkommission relativiert Studienergebnisse wider besseres Wissen

08.10.2008
Zur Stellungnahme der Strahlenschutzkommission
Kernkraftwerke verursachen Krebs

13.12.2007
Strahlenschutz-Grenzwerte stehen auf dem Prüfstand

09.12.2007
In AKW-Umgebung 60% erhöhte Krebsrate
Studie des Mainzer Kinderkrebs-Registers
 

09.12.2007
Strahlenschutz-Grenzwerte müssen überprüft werden!

 

Auch US-Studie ermittelte ein erhöhtes Leukämierisiko

Wenige Monate vor der Veröffentlichung der KiKK-Studie publizierten die Mediziner der Universität South Carolina Prof. Baker und Hoel in den USA eine große Metaanalyse. Baker und Hoel weisen mit ihrer Studie ein erhöhtes Leukämierisiko in der Nähe von Atomkraftwerken nach.

IPPNW-Presseinformation zur Baker-Studie

Zum Beitrag "Children And Young People Show Elevated Leukaemia Rates Near Nuclear Facilities"

 

Kein Zweifel

Die KiKK-Studie wurde in den Medien kontrovers diskutiert. Zur Verwirrung trug ausgerechnet auch die Leiterin der Studie, Prof. Maria Blettner, bei, ganz offensichtlich, um der Atomindustrie nicht zu Schaden. Doch auch Frau Blettner vom Deutschen Kinderkrebsregister (DKKR) kann das zentrale Ergebnis ihrer eigenen Studie nicht leugnen. In einer Pressemitteilung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) vom 19.12.2007 heißt es wörtlich:

"BfS und DKKR betonen die hohe Qualität der durchgeführten Studie. "Die Studie zeigt, dass das Risiko für Kinder unter 5 Jahren, an Leukämie zu erkranken, zunimmt, je näher ihr Wohnort an einem Kernkraftwerk liegt", erklärt die Leiterin der Studie, Prof. Maria Blettner. Die Studie stellt somit einen wesentlichen Baustein bei der Beantwortung der seit etwa 30 Jahren diskutierten Frage nach gesundheitlichen Effekten in der Umgebung von Reaktoren dar, da hier ein neuer, epidemiologisch anspruchsvollerer Ansatz als bisher angewandt wurde."

Entgegen teilweise anderslautender Aussagen stand bei der KiKK-Studie explizit der Zusammenhang zwischen der Radioaktivität aus Kernkraftwerken und den Krebserkrankungen auf dem Prüfstand. Das geht unmissverständlich aus einer Publikation des Mainzer Kinderkrebsregisters aus dem Jahr 2006 hervor. Darin heißt es zur Methodik der Studie, dass der individuelle Abstand des Wohnhauses der an Krebs erkrankten Kinder als Ersatzgröße ("Surrogat") für die individuelle Strahlenexposition herangezogen wird (S. 25):

"Die Analyse beruht auf einem Surrogat der individuellen Expositionsschätzung. Mit Hilfe eines Abstandsgesetzes kann mit der Surrogatgröße eine approximative Dosis-Wirkungsbeziehung geschätzt werden."

Das heißt nichts anderes als dass die KiKK-Studie einen wissenschaftlich sehr harten Beleg dafür lieferte, dass die radioaktiven Emissionen aus Atomkraftwerken die Ursache für die erhöhten Krebsraten sind.    

Der Strahlenschutz-Experte Dr. Sebastian Pflugbeil hat als Mitglied des vom BfS berufenen externen Expertengremiums die KiKK-Studie jahrelang wissenschaftlich begleitetet. Er weist darauf hin, dass in einer zusätzlich durchgeführten Fall-Kontrollstudie geprüft wurde, ob sich das Hauptergebnis der Studie, eine signifikante Abstandsabhängigkeit der Risikos, auch durch andere mögliche Einflussfaktoren ("Confounder") erklären lässt. Pflugbeil macht deutlich, dass allein die Radioaktität als Ursache für die Krebserkrankungen in Frage kommt:

"Einen solchen Confounder hat man nicht gefunden. Die Forscher des Mainzer Kinderkrebsregisters stellten fest, dass lediglich der Abstand zu den Atomkraftwerken signifikante Ergebnisse lieferte. Wenn man davon ausgeht, dass die radioaktive Belastung ebenso mit der Entfernung abnimmt wie das beobachtete Risiko, liegt der Schluss nahe, dass die Ursache der erhöhten Krebsraten in den radioaktiven Emissionen aus den Atomkraftwerken zu suchen ist."

 

Die KiKK-Studie im Original

Nachfolgend finden Sie die Studie "Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie)" im Original:

Zusammenfassung der KiKK-Studie (0,5 MB)

KiKK-Studie (vollständig, 7,4 MB)

 

Die Stellungnahme der Expertengruppe 

Die im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) erstellte Kinderkrebs-Studie (KiKK-Studie) wurde von einem externen Expertengremium begleitet. Die Experten bescheinigen der Studie, dass sie dem Stand der epidemiologischen Wissenschaft entspricht. Die Studie sei "weltweit die methodisch aufwendigste und umfassendste Untersuchung" zum Thema Kinderkrebs um Atomkraftwerke. 
Lesen Sie die Stellungnahme des Expertengremiums zum Abschlußbericht der KiKK-Studie vom 10.12.2007.

 

Weitere Dokumente 

commonFiles/pdfs/Atomenergie/Dosisargument.pdf

Redebeitrag von Dr. Winfried Eisenberg auf einer Podiumsdiskussion zur KIKK-Studie am 29. Oktober 2009

Stellungnahme von Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake zum Dosisargument

Die Forderungen von IPPNW-Arzt Reinhold Thiel 

Kinderkrebs um Atomkraftwerke - Überblick über internationale Studien (Reinhold Thiel)

Stellungnahme von Reinhold Thiel zum SSK-Fachgespräch zur KiKK-Studie am 26. Februar 2009 

 

Die Vorgeschichte

Ohne den IPPNW-Arzt Reinhold Thiel und den Wissenschaftler Dr. Alfred Körblein wüsste die deutsche Öffentlichkeit nicht, dass bei Kindern das Risiko, an Krebs oder Leukämie zu erkranken, zunimmt, je näher sie an einem der deutschen Atomreaktoren wohnen. Denn das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz, das Bundesamt für Strahlenschutz, die Strahlenschutzkommission des Bundes (SSK) und die Bundesregierung - sie alle wollten jahrzehntelang von erhöhten Krebserkrankungen neben Atomkraftwerken nichts wissen, obwohl Ärztinnen und Ärzte vor Ort genau dies immer wieder festgestellt hatten. Intensive Vorarbeiten von Körblein und Thiel führten schließlich dazu, dass die KiKK-Studie in Auftrag gegeben wurde. 
Zur Vorgeschichte der KiKK-Studie.

In ihrem Jahresbericht 2001 stellt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Vorgeschichte aus seiner Sicht dar. Lesen Sie den Beitrag "Häufigkeit kindlicher Krebserkrankungen in der Umgebung von Atomkraftwerken in Bayern" aus dem Jahresbericht der Bundesbehörde.

 

Weiterführende Websites

Alfred Körblein 

Gesellschaft für Strahlenschutz

Otto Hug Strahleninstitut

Ulmer Ärzteinitiative - Eine Regionalgruppe der IPPNW 

 

 

 

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Broschüre "Atomkraftwerke machen Kinder krank"


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Anzeige in der SZ zum Tschernobyl-Tag 2009


Hier können Sie die IPPNW-Anzeige, erschienen in der Süddeutschen Zeitung vom 25./26.4.2009 downloaden.