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IPPNW-Pressemitteilung vom 22.07.2019

Global Health Security: Nationale Sicherheit vor Menschenrechten?

Konferenz zur Globalen Gesundheitssicherheit in Berlin

22.07.2019 Auf der internationalen Konferenz zum Thema "Globale Gesundheitssicherheit in Zeiten des Neoliberalismus" von IPPNW, der Deutschen Plattform Gesundheit und der Charité am Wochenende warnten die Veranstalter vor einem angstbasierten Fokus auf den Ausbruch von Infektionskrankheiten wie z.B. Ebola oder Zika. Dieser Ansatz sei nicht repräsentativ für die globale Belastung durch Krankheiten und verhindere in vielen Fällen eine Debatte über soziale, wirtschaftliche und politische Determinanten der Gesundheit. Diese Debatte wurde auf der Konferenz mit ca. 100 internationalen Teilnehmenden aus Medizin, Politik, Wissenschaft und NGOs begonnen.

Die rechtlich bindenden Internationalen Gesundheitsvorschriften seit 2005 (International Health Regulations, IHR) oder die Global Health Security Agenda (GHSA) von 2014 konzentrieren sich auf die Überwachung von Infektionskrankheiten, ihrer Ausbreitung und Eindämmung. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermeidung wirtschaftlicher Konsequenzen durch Restriktionen im globalen Reise- und Warenverkehr, wie auch im aktuellen Fall von Ebola im Kongo seitens der WHO wiederholt betont wird.

Die Organisationen kritisierten, dass das Konzept der ‚Global Health Security‘ zu Bevorzugung wirtschaftlicher vor menschlicher Sicherheit tendiere und zudem Anwendung finde, um eine restriktive Einwanderungspolitik und -praktiken zu rechtfertigen, indem sie die Migration von Menschen als Gesundheitsrisiko darstellen. Anstatt die Kapazitäten lokaler Gesundheitssysteme zu stärken, konzentriert sich die Globale Gesundheitspolitik eher auf den Schutz der nationalen Grenzen im globalen Norden sowie der globalen Wirtschaft vor angeblichen Gesundheitsgefahren durch Länder im globalen Süden.

„Wenn die globalen Ungleichheiten bei Reichtum, Wohlstand und Macht außen vorgelassen werden, führt das jetzige Konzept von globaler Gesundheitssicherheit eher zu einer Verstärkung dieser Ungleichheiten!“, so Simon Rushton, Politikwissenschaftler der Universität Sheffield, Großbritannien.

Die Konferenz wurde auf Facebook gestreamt und kann hier angesehen werden: www.facebook.com/GlobalHealthSummer

Weitere Informationen zu der Konferenz finden Sie unter: www.health-and-globalisation.org/global-health-conference.html

Pressekontakt: Kontakt: Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW, Tel. 030-69 80 74-15, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, Email: wilmen@ippnw.de, www.ippnw.de
Dr. med. Katja Goebbels, goebbels@ippnw.de, 0176-32681914

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