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IPPNW-Pressemitteilung vom 13.08.2018

Keine Menschenleben von Schutzsuchenden aufs Spiel setzen

Weitere Sammelabschiebung nach Afghanistan

Protest gegen Abschiebungen nach Afghanistan vor der bayrischen Landesvertretung in Berlin, Foto: IPPNW
13.08.2018

Anlässlich der bevorstehenden Sammelabschiebung nach Afghanistan fordert die ärztliche Friedensorganisation IPPNW Innenminister Horst Seehofer auf, die Abschiebungen in das Kriegsland umgehend zu stoppen. Laut dem neuen Lagebericht des Auswärtigen Amtes ist die Sicherheitslage in Afghanistan nach wie vor »volatil«. Die jüngsten Gefechte der islamistischen Talibankämpfer in der ostafghanischen Stadt Gasni, bei denen mindestens 100 Sicherheitskräfte getötet wurden, zeigen erneut wie unsicher die Lage in dem Land ist.

Die ärztliche Friedensorganisation kritisiert, dass bei der letzten Abschiebung am 3. Juli 2018 psychisch kranke Geflüchtete sowie viele gut in Deutschland integrierte Afghanen abgeschoben wurden. Insbesondere im Bundesland Bayern werde die Personengruppe derjenigen, die in das Kriegsland abgeschoben werden, offenbar stark ausgeweitet – ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Betroffenen und teilweise sogar unter Umgehung des Rechtswegs. So seien bei der letzten Sammelabschiebung ein depressiver Flüchtling abgeschoben worden, den die Polizisten aus der Psychiatrie holten. Ein weiterer abgeschobener Afghane hatte sich am Tag vor der Abschiebung selbst schwere Verletzungen zugefügt. Bundesweit Schlagzeilen machte der abgeschobene Afghane, der sich in Kabul erhängte. Der junge Afghane Nassibullah S. wurde darüber hinaus ohne abgeschlossenes Asylverfahren abgeschoben. Mittlerweile befindet er sich wieder in Deutschland.

„Die schlechte Sicherheitslage und schlechte medizinische Versorgung stellt für die Abgeschobenen eine Gefahr für die Gesundheit und das Leben dar. Insbesondere bei traumatisierten Menschen wird durch die Begegnung mit Krieg und Gewalt ein neues Trauma erzeugt, das zu einer lebensgefährlichen Verstärkung ihres Krankheitsprozesses führen kann. Das Bundesinnenministerium und das BAMF müssen endlich eine Entscheidungspraxis verfolgen, die der Gefahrenlage in Afghanistan gerecht wird, und dürfen nicht länger Menschenleben von Schutzsuchenden aufs Spiel setzen“, erklärt Susanne Grabenhorst, stellvertretende IPPNW-Vorsitzende.

Die IPPNW hat Empfehlungen für heilberuflich Tätige in Abschiebesituationen herausgegeben. Sie können Sie unter hier downloaden.

Am morgigen Dienstag 14.08.2018 findet in München um 20.30 Uhr am Odeonsplatz eine Nachtdemonstration gegen die Abschiebung nach Afghanistan statt.

Kontakt: Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW, Tel. 030-69 80 74-15, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, Email: wilmen@ippnw.de, www.ippnw.de

Foto: Protest gegen Abschiebungen nach Afghanistan vor der bayrischen Landesvertretung in Berlin, Foto: IPPNW

Ansprechpartnerin


Anne Jurema
Referentin für Soziale Verantwortung
Tel. 030/698074 - 17
Email: jurema[at]ippnw.de

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Materialien

IPPNW-Forum 150 "Sicheres Herkunftsland? Abschiebung in Kriegs- und Krisengebiete"  Lesen | Im Shop bestellen

Empfehlungen für heilberuflich Tätige in Abschiebesituationen
Download (PDF)

Lesetipp | Deutsches Ärzteblatt: Asylbewerber: Ein ethisches Dilemma

 

Dokumentation: Best Practice for Young Refugees. Ergebnisse und Beiträge einer internationalen Fachkonferenz   PDF-Download

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