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Am 6. und 7. Juni 2015 in Berlin

Best Practice for Young Refugees

Internationale Fachkonferenz zur Einschätzung des Alters, Entwicklungsstandes und Hilfebedarfs von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Die Deutsche Sektion der IPPNW, die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKJ) und die Kliniken der Kinder- und Jugendmedizin, Charité Universitätsmedizin Berlin laden ein zu einer internationalen Fachkonferenz zur Einschätzung des Alters, Entwicklungsstandes und Hilfebedarfs von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen am 6. und 7. Juni 2015 in Berlin.

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind gezwungen, ohne ihre Eltern nach Europa zu flüchten. Nach Deutschland kamen 2013 über 5.500 dieser unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. UN-Kinderrechtskonvention und nationales Recht verpflichten die Verantwortlichen zu einem besonderen Schutz von Minderjährigen. Diese Kinder und Jugendlichen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturkreisen brauchen Beratungs- und Hilfsangebote, die ihnen die Integration in dem neuen Lebensraum erleichtern.


Artikel 24 der UN-Kinderrechtskonvention, die für alle Menschen unter 18 Jahren in Deutschland uneingeschränkt gültig ist, gewährleistet deren Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit. Darüber hinaus liegt ihr gesundheitliches Wohlergehen auch im Interesse des Einwanderungslandes.
Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin hat 2013 Empfehlungen zu medizinischen Maßnahmen bei immigrierenden Kindern und Jugendlichen veröffentlicht, die in der Praxis bislang noch nicht überall beachtet werden. Hier liegt die Chance, durch eine frühzeitige umfassende Untersuchung medizinische und psychosoziale Probleme zu erkennen und zu behandeln.
Können junge Flüchtlinge ihr Alter nicht durch entsprechende Dokumente nachweisen, muss das zuständige Jugendamt eine Altersschätzung vornehmen. Erklärt das Jugendamt den Flüchtling für volljährig und ist dieser damit nicht einverstanden, wird nach gegenwärtiger Rechtsprechung eine ärztliche Untersuchung angefordert.


Die Methoden der medizinischen Altersdiagnostik sind umstritten. Aus der biologischen Reife, wie der Skelettreife, kann nur begrenzt und unsicher auf das tatsächliche Lebensalter geschlossen werden. Die Anwendung ionisierender Strahlen (Röntgenuntersuchung) ist rechtlich und ethisch fragwürdig. Ethische Bedenken werden auch gegenüber der körperlichen Untersuchung zur Feststellung des Pubertätsstadiums geäußert. Beispiele aus Schweden und Großbritannien zeigen uns, dass eine andere Praxis möglich ist – eine ganzheitliche Altersdiagnostik ohne Röntgen. Bei der Entwicklung von Standards sind europaweite Erfahrungen und Positionen zu berücksichtigen.
Die Zeit ist reif, eine dem gesundheitlichen Wohlergehen der Jugendlichen verpflichtende Vorsorge in die Praxis umzusetzen. Die Konferenz ist dazu ein wichtiger Schritt.

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Ansprechpartnerin


Anne Jurema
Referentin für Soziale Verantwortung
Tel. 030/698074 - 17
Email: jurema[at]ippnw.de

Global Health Summer

Materialien

IPPNW-Forum 156 "Humanität und Menschenrechte statt Ausgrenzung und Abschottung"  Lesen | Im Shop bestellen

Empfehlungen für heilberuflich Tätige in Abschiebesituationen
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Lesetipp | Deutsches Ärzteblatt: Asylbewerber: Ein ethisches Dilemma

 

Dokumentation: Best Practice for Young Refugees. Ergebnisse und Beiträge einer internationalen Fachkonferenz   PDF-Download

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