Gesundheit braucht gesellschaftliche und politische Verantwortung

Die größten Herausforderungen für die Gesundheit im 21. Jahrhundert sind globaler Natur – zu ihnen gehören die Klimakrise, die Migrations- und Fluchtbewegungen, und die dramatische Zunahme sozialer Ungleichheit. Dem können wir nur begegnen, indem wir einerseits die gesundheitliche Versorgung aller Menschen auf der Welt sicherstellen und gleichzeitig die sozialen und ökologischen Bedingungen für ein gesundes Leben schaffen.

Als Ärztinnen und Ärzte in sozialer Verantwortung setzen wir uns für ein Gesundheitssystem ein, dass für die Menschen gestaltet und an ihren Bedürfnissen ausgerichtet ist. Dies steht entgegen des Trends, eines Gesundheitssystems, das sich an Profit orientiert und soziale Ungleichheit und Leid reproduziert. Um das zu erreichen unterstützen wir Kämpfe für ein solidarisches Gesundheitswesen und engagieren uns besonders für eine angemessene medizinische Versorgung geflüchteter Menschen hier in Deutschland. Wir beteiligen uns an Kampagnen gegen Abschiebungen und für einen global gerechten Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten

Medizinischer Fortschritt und Gesundheitsversorgung haben nur einen kleinen Anteil an der Gesundheit der Menschheit. Sie wird auch durch soziale und politische Teilhabe, Frieden und Stabilität sowie eine saubere Umwelt und ein gesundes Klima bestimmt. Daher engagieren wir uns für eine menschenrechtsbasierte Asyl- und Migrationspolitik, eine gerechtere globale Gesundheitspolitik und für Abrüstung und klären über die Bedeutung der Klimakrise für die Gesundheit auf. 

In unseren Bildungsangeboten stellen wir die Zusammenhänge von sozialen Determinanten für die Gesundheit in den Mittelpunkt. Wir versuchen die Intersektionalität von Diskriminierungen und Privilegierungen in den Blick zu nehmen, die sich entlang von Zuschreibungen wie Geschlecht, Hautfarbe, Klasse, Status, sexueller Orientierung und geographischer Verortung  ausprägen. 

Im Bewusstsein der Mittäterschaft von großen Teilen der deutschen Ärzteschaft im Nationalsozialismus setzen wir uns selbstkritisch mit der Vergangenheit und Gegenwart der Medizin und Psychologie auseinander. Mit Blick auf die essentielle Verbindung von Medizin und Gewissen greifen wir ethische Probleme der heutigen Medizin auf und stellen immer wieder die Frage nach der Verantwortung ärztlichen und psychotherapeutischen Handelns.

Flucht & Asyl

Migrant*innen ohne Papiere und geflüchtete Menschen wird auf vielfältige Weise ihr Recht auf Gesundheit in Deutschland verwehrt. Mangelhafter Zugang zur Gesundheitsversorgung, Isolierung in Massenunterkünften, institutioneller Rassismus und Sorge vor drohender Abschiebung sind nur einige Aspekte, die Gesundheit Hunderttausender Menschen in Deutschland schädigen.

Als IPPNW setzen wir uns daher ein für eine menschenrechtsbasierte Migrations- und Asylpolitik und für eine Gesundheitsversorgung für alle unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Dafür beteiligen wir uns an Kampagnen, Aktionen und sind in Bündnissen aktiv. Im Rahmen eines Menschenrechtstribunals haben wir das Ausmaß der systematischen Verletzungen des Rechts auf Gesundheit von Migrant*innen und Geflüchteten aufzeigen können.

Zentrales Augenmerk gilt dem Thema Abschiebungen und den Bedürfnissen besonders schutzbedürftiger Personengruppen, wie kranken und traumatisierten Menschen, Kindern und unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten sowie schwangeren Frauen. Wir klären über die gesundheitlichen Folgen von Abschiebungen auf und leisten Orientierungshilfe für heilberuflich Tätige in Abschiebesituationen. Auf der politischen Ebene setzen wir uns u.a. dafür ein, reaktive Traumafolgeschäden als Abschiebehinderniss gesetzlich zu verankern sowie Abschiebungen in Kriegs- und Krisengebiete zu verbieten. 

Als Friedensorganisation machen auf den Zusammenhang von militarisierter Außen- und Sicherheitspolitik, Klimakrise und Flucht aufmerksam.

Global Health

Lebenserwartung, Krankheitslast und Zugang zur Gesundheitsversorgung sind global extrem ungleich verteilt. Oft haben krankmachende Lebens- und Arbeitsbedingungen im Globalen Süden direkt etwas mit Wohlstand der Menschen im Globalen Norden zu tun. Die Coronavirus-Pandemie hat die kolonialen Muster im Zugang zu Impfstoffen und Medizinprodukten weltweit und die Macht der Pharmakonzerne drastisch vor Augen geführt.

Unser Schwerpunkt im Bereich Globale Gesundheit liegt in der Bildungs- und Vernetzungsarbeit. Dafür veranstalten wir seit 2011 jedes Jahr eine Global Health Summer School und Konferenz, die sich aus friedens- und konflikttheoretischer sowie postkolonialer Perspektive kritisch mit zentralen Themen der Globalen Gesundheit auseinandersetzt: der Klimakrise; Flucht und Trauma; der Versicherheitlichung von Gesundheit sowie der Ökonomisierung der Medizin. Das Austauschprogramm “famulieren und engagieren” ermöglicht es Medizinstudierenden, eigene Einblicke in fremde Gesundheitssysteme und den Zugang zu Gesundheit weltweit kritisch zu reflektieren.

Im Rahmen von Kampagnen und Bündnissen, insbesondere mit der Deutschen Plattform für Globale Gesundheit setzen wir uns auch auf politischer Ebene für die Dekolonisierung und Demokratisierung der globalen Gesundheitspolitik und das Menschenrecht auf Gesundheit ein.

Medizin und Gewissen

Als Ärztinnen und Ärzte in sozialer Verantwortung setzen wir uns für ein Gesundheitssystem ein, dass für die Menschen gestaltet und an ihren Bedürfnissen ausgerichtet ist. Dies steht entgegen des Trends, eines Gesundheitssystems, das sich an Profit orientiert und soziale Ungleichheit und Leid reproduziert.

Im Bewusstsein der Mittäterschaft von großen Teilen der deutschen Ärzteschaft im Nationalsozialismus setzen wir uns selbstkritisch mit Vergangenheit und Gegenwart der Medizin und Psychologie auseinander.  Mit Blick auf die essentielle Verbindung von Medizin und Gewissen greifen wir ethische Probleme der heutigen Medizin auf und stellen immer wieder die Frage nach der Verantwortung ärztlichen und psychotherapeutischen Handelns. Dazu gehört auch unser Engagement gegen Rassismus und Sexismus in der Gesundheitsversorgung und Medizin.

Seit 1996 veranstaltet die IPPNW dazu die Kongressreihe "Medizin und Gewissen". Viele Studierendengruppen der IPPNW beschäftigen sich kritisch mit der Ökonomisierung von Gesundheit und sind in Netzwerken für eine solidarische Gesundheitsversorgung aktiv.

Ansprechpartnerin

Materialien

Foto:© Mónica Parra, Fotomovimiento

IPPNW-Forum 144 "Flüchtlinge, Globalisierung und Gesundheit"
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