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Für eine Medizin in sozialer Verantwortung

Als Ärztinnen und Ärzte erkennen wir unsere Mitverantwortung für ein soziales, gerechtes und umweltbewusstes Zusammenleben der Menschen und Völker an. Wir setzen uns selbstkritisch mit der Vergangenheit und der Gegenwart der Medizin auseinander, wenden uns gegen den Missbrauch von gentechnischer Diagnostik und Transplantationsmedizin. Und wir setzen uns für eine angemessene medizinische Versorgung von Menschen ohne Papiere ein.


 

Unsere Schwerpunkte:


Menschen ohne Papiere:

Wir fordern ein System anonymer Behandlungsangebote für Flüchtlinge ohne legalen Aufenthaltsstatus, damit wenigstens die medizinische Grundversorgung für diese Personengruppe gesichert ist. 
- Kranke ohne Papiere brauchen Behandlung, ohne Angst vor Abschiebung.
- Kinder ohne Papiere brauchen Schulunterricht.
- Menschen ohne Papiere brauchen Hoffnung, Sicherheit, Integration.

Traumatisierung
Ziel ist es, psychisch reaktive Traumafolgen als Abschiebehindernis gesetzlich zu verankern. Dem dient auch unser Bemühen um frühzeitige Feststellung traumatisieren-der Erlebnisse und Verifizierung von Traumafolgen bei Flüchtlingen im Rahmen des Asylverfah-rens. In Fortbildungen und Arbeitskreisen versuchen wir, ÄrztInnen in Praxis, Klinik und Ge-sundheitsamt, RichterInnen und MitarbeiterInnen in Behörden für trauma- und kulturspezifische Krankheitsbilder zu sensibilisieren, die auf eine Traumatisierung hinweisen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Lebensbedingungen im Exil so gestaltet werden, dass überhaupt eine sinnvolle Behandlung zum Erfolg führen kann, d.h. Abschaffung der Zwangsunterbringung im Lager, Aufhebung der Residenzpflicht, etc.

Abschiebung
Zwangsweise Abschiebungen von traumatisierten, kranken und in Behandlung stehenden Flüchtlingen/ Asylbewerbern beinhalten die Gefahr erheblicher, evtl. irreparabler Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Selbst- und Fremdgefährdung und müssen verhindert werden. Abschiebehilfe durch Ärzte in Form von Flugbegleitung, zwangsweiser Verabreichung von Psychopharmaka oder Ausstellung einer Reisefähigkeitsbescheinigung unter Missachtung fachärztlich festgestellter Abschiebehindernisse sind mit den in der ärztlichen Berufsordnung verankerten ethischen Grundsätzen nicht vereinbar. Dies gilt es bekannt zu machen und bei Verstoß Konsequenzen einzufordern.

Asylrecht
Die Asylpolitik muss sich an unserem Grundgesetz und den Standards der internationalen Flüchtlings- und Menschenrechtskonventionen orientieren. Dazu gehören die Anerkennung von Folter als Asylgrund sowie die Abschaffung des Flughafenverfahrens und die grundlegende Reformierung der Abschiebehaft. Wir wenden uns gegen eine inakzeptable Altersdiagnostik bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

Menschenrechte
Mitarbeit am zivilgesellschaftlichen Parallelbericht zum Staatenbericht, die Einhaltung der WSK-Rechte und der Antifolterkonvention in Deutschland betreffend. Darüber hinaus bemühen wir uns verschiedene Ausschüsse und Gremien des Bundestages für die Umsetzung der Empfehlungen des UN-Antifolterausschusses zu gewinnen.


Gesundheit für alle
Die IPPNW hat 2012 das Thema „Gesundheit für alle“ in ihre Agenda aufgenommen. Unter „Gesundheit für alle“ verstehen wir in Anlehnung an die Erklärung von Alma Ata der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 1978, „dass Gesundheit, die der Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen ist, ein grundlegendes Menschenrecht darstellt und dass das Erreichen eines möglichst guten Gesundheitszustands ein äußerst wichtiges weltweites soziales Ziel ist, dessen Verwirklichung Anstrengungen nicht nur der Gesundheitspolitik, sondern auch vieler anderer sozialer und ökonomischer Bereiche erfordert“. Für die IPPNW ist Gesundheit nicht nur ein Grundrecht aller Menschen, sondern auch eine wichtige Determinante für Stabilität und Frieden in einer Gesellschaft.

Medizin und Gewissen
Auch in Deutschland leiden Menschen Not. Menschen in der Illegalität, Menschen in Heimen, chronisch kranke Menschen. Wir möchten sozial verantwortlich handeln. Die neuen Technologien in der Medizin und die Umgestaltung des Gesundheitswesens stellen uns vor neue Fragen, die wir auf unseren Kongressen »Medizin und Gewissen« sowie in Fachtagungen mit Ärzten, Pflegenden, Hebammen und der interessierten Öffentlichkeit diskutieren möchten.


E-Card stoppen
Die IPPNW lehnt die sogenannte elektronische »Gesundheitskarte« ab. Es wird fälschlicherweise versprochen, dass die eGK das Gesundheitswesen billiger und besser machen soll. Angeblich sollen das Selbstbestimmungsrecht der Patienten und die Behandlungsmöglichkeiten für uns als Ärzte verbessert werden. Doch das Arzt Patienten-Verhältnis kann durch die Speicherung sensibler Patientendaten in zentralen Servern schwer beschädigt oder sogar zerstört werden. Die Bevölkerung kann mit Hilfe des elektronischen Rezeptes in Risikoklassen eingeteilt werden, die den Patienten, ihren Kindern und Kindeskindern lebenslang anhaften werden. Der Zugriff auf Daten für unbefugte Dritte und der Datenmissbrauch sind vorprogrammiert. Einen diesen rechtfertigenden medizinischen Nutzen gibt es nicht. Die Kosten dieser milliardenschweren Entwicklung in Richtung einer Überwachungsgesellschaft sollen auf Patienten und Ärzte abgewälzt werden.


Pharmakampagne
Die weltgrößten Pharmaunternehmen beeinflussen die globalen Handelsregeln und Regulierungen weitgehend. Ihre Profite gehören zu den höchsten aller Branchen, und mit ihrem Reichtum wirken sie direkt auf die Hebel politischer Macht. Ihre Rolle bei der Gestaltung internationaler Patentregeln in direkter Zusammenarbeit mit der US-Regierung und der Europäischen Kommission ist gut dokumentiert. Die Pharmaindustrie gibt viel Geld aus, um diese Profite zu sichern. Sie hat die größte Lobby in Washington - und wohl auch in der Bundesrepublik - und finanziert in erheblichem Maße politische Kampagnen. Dies hat zur Folge, dass Handelsinteressen Vorrang haben gegenüber gesundheitlichen Erfordernissen und dem Recht auf Leben. Wegen der vielfältigen Verflechtungen der Pharmaindustrie wird es nur mit Hilfe der Zivilgesellschaft und durch Sensibilisierung und Druck einer breiten Öffentlichkeit gelingen, die Situation zu ändern. Dies bedarf eines langen Atems und Ärztinnen und Ärzten kommt dabei eine wichtige Rolle zu.

Ansprechpartnerin

Anne Jurema
IPPNW-Arbeitskreis "Flucht und Asyl
Tel. 030 / 698074 - 17
Email: jurema[at]ippnw.de

Materialien

Foto:© Mónica Parra, Fotomovimiento

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