21.10.2008 Menschenrechtsverletzungen, Folter und Gewalt sind in der Türkei an der Tagesordnung, dafür gibt es deutliche Hinweise. Wir Westeuropäer benutzen dies gerne als ein Argument gegen den angestrebten EU-Beitritt und feiern 60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Aber wie ist es bei uns um die Menschenrechte bestellt?
60 Jahre nach der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte nimmt der Kampf gegen den internationalen Terrorismus besonders in Europa und den USA einen breiten Raum ein. Abschottungspolitik und Fremdenfeindlichkeit sind zentrale Bestandteile unseres vermeintlich demokratisch-zivilisierten Zusammenlebens geworden. Bis spätestens Abu Graib und Guantanamo unser Vertrauen erschütterten, dass bei uns alles in Ordnung wäre.
In der Asylpolitik, aber zunehmend auch in anderen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens, erfahren wir, dass die universelle Gültigkeit der Menscherechte aufgeweicht wird. Sicherheitsbelange und Ordnungsrecht stehen zunehmend höher im Kurs als das individuelle Schicksal von Menschen. Ärztinnen und Ärzte auch hier in Deutschland geraten in Konflikt zwischen Recht, Politik und Ethik.
Wir haben Professor Veli Lök aus Izmir nach Berlin eingeladen, weil wir von ihm und seinen KollegInnen von der türkischen Menschenrechtsstiftung in den letzten 10 Jahren viel gelernt haben. Über Folter, Gewalt und Trauma, über den Nachweis von Folter und die Voraussetzungen für eine Traumabehandlung. Aber vor allem haben wir durch die Arbeit der türkischen Menschenrechtsstiftung viel über den Mut und die Hartnäckigkeit von Ärzten und Anwälten lernen können, die sich gegen Folter und Gewalt engagieren. Menschen, die ihren ärztlich-juristischen Sachverstand und ihren Berufsethos gegen die Forderungen von Staat und Polizei in die Waagschale werfen.
Zu unserer Tagung haben wir eine Reihe von hochkarätigen ExpertInnen eingeladen, mit denen wir über die angesprochenen Fragen diskutieren und gemeinsam überlegen wollen, wie wir politisch und gesellschaftlich Einfluss nehmen, wie wir Kraft und Standhaftigkeit finden und Kolleginnen und Kollegen für die Menschenrechte sensibilisieren können.
Über Ihr Kommen würden wir uns freuen.
Dr. Gisela Penteker
für den Arbeitskreis Flüchtlinge / Asyl
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