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Todesursache Flucht

10.12.2018 Im Vorfeld des internationalen Tages der Menschenrechte haben Aktivist*innen von borderline-europe, IPPNW, Gangway e.V., Seebrücke Berlin, Corasol und die Herausgeber*innen des Buches „Todesursache Flucht“ gestern in Berlin der Toten des Grenzregimes gedacht und ein politisches Zeichen gegen die menschenverachtende Grenzpolitik der Europäischen Union gesetzt. Rund 150 Menschen waren dem Aufruf der Organisationen gefolgt und hatten sich auf dem Berliner Hermannplatz versammelt.

Gemeinsam verlasen die Teilnehmer*innen die Namen und Todesumstände von 77 der insgesamt 1.045 Menschen, die 2018 im Zuge ihrer Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind. Die Informationen entstammen der „Liste der zu Tode gekommenen Geflüchteten“, in der die Amsterdamer Nichtregierungsorganisation UNITED for Intercultural Action seit 1993 die belegten Todesfälle dokumentiert. Bis dato umfasst sie mehr als 35.000 Menschen – die Dunkelziffer fällt Schätzungen zufolge dreimal höher aus.

Zum 10. Dezember 2018 haben die Journalistinnen Kristina Milz und Anja Tuckermann die Zusammenstellung unter dem Titel „Todesursache: Flucht. Eine unvollständige Liste“ in Buchform herausgegeben und dafür Namen und einzelne Schicksale nachrecherchiert. „Menschen, die einen Platz zum Leben gebraucht hätten, wird so zumindest ein Platz der Trauer gegeben“, sagte Bernd Mesovic von Pro Asyl zum Auftakt der Aktion. „Ohne das Recht auf Leben sind alle Menschenrechte bedeutungslos.“

Die Bücher wurden während der Veranstaltung, die Teil einer bundesweiten Kampagne ist, kostenlos an Interessierte verteilt. Die auf Postkarten notierten Namen wurden im Anschluss an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verschickt. „Damit diese ihn zumindest ein bisschen schlechter schlafen lassen“, so Marlene Ertlmaier von borderline europe.

Gerahmt wurde die Lesung von einer Inszenierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte als Intensivpatientin auf dem Krankenbett, neben dem schon ein Sarg bereitet war. Die Idee: die andauernde tödliche Verletzung der Menschenrechte in Europa aufzeigen – und verdeutlichen, dass jetzt gehandelt werden muss, um sie zu retten.

Die im Rahmen der Veranstaltung gesammelten Spenden werden der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch zugute kommen.

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Ansprechpartnerin


Anne Jurema
Referentin für Soziale Verantwortung
Tel. 030/698074 - 17
Email: jurema[at]ippnw.de

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