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Aus dem IPPNW-Forum 71

Mobil machen gegen Rassismus

Fremdenhass trennt

20.10.2001 Meist trifft es nicht den ausländischen Arzt, sondern die ausländische Arzthelferin. Sie bekommen die Diskriminierungen im Alltag zu spüren. Die 19-jährige türkische Arzthelferin, die in einer großen Gemeinschaftspraxis in Augsburg arbeitet, wurde auf ihrem Heimweg von einem Busfahrer als »Ausländerin« beschimpft. Als sie dem Fahrer sagte, dass alle, die in Deutschland lebten, er und sie, die gleichen Rechte und Pflichten hätten, antwortete er barsch, sie könne ja aussteigen, wenn ihr was nicht passe.

Ihre Kollegin Habibe Vural hat ein Erlebnis in einem Eisenbahnabteil in trauriger Erinnerung: »Ich saß dort mit einigen älteren Leuten, die sich darüber unterhielten, wie schlimm doch diese Ausländer seien. Als ich mich als Ausländerin zu erkennen gegeben habe, musste ich mir sagen lassen, ich solle doch von hier weggehen.« Ganz deutlich hat sie die Fremdenfeindlichkeit auch bei ihrer Wohnungssuche erlebt. Obwohl sie selbst kein Kopftuch trägt, hatte der Vermieter sie und ihren Mann mit der Begründung abgelehnt, sie sähe ja ganz normal aus, aber ihre Mutter würde sicher ein Kopftuch tragen und wenn die mal zu Besuch käme, würde »das Bild der Umgebung beeinträchtigt«.

Die Schwäbische Kassenärztliche Vereinigung hatte sich vorgenommen, gegen diese kleinen Sticheleien und Beleidigungen im Alltag, die Menschen fremder Herkunft verletzen und diskriminieren, etwas zu unternehmen. Mit einem Plakat im Wartezimmer und in Kliniken wollen sie ein Zeichen setzen gegen die Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft. Nach dem Vorbild der Sieben Schwaben aus dem Märchen packen auf dem Plakat sieben Menschen verschiedener Hautfarbe den berühmten Spieß, um gegen den Fremdenhass zu kämpfen. »Wir Ärzte sind dazu da, Leben zu schützen und zu erhalten«, erklärt Dr. med. Andreas Hellmann, der Vorsitzende der Bezirksstelle Schwaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, »dies wiederspricht rechtsradikalem Gedankengut vollkommen und verbietet jede Ausgrenzung.« Mitte Juli haben alle Ärzte der Region das in einer gemeinsamen Aktion von der KVB-Bezirksstelle, dem Bezirksverband Schwaben und dem Kreisverband Augsburg der Bayrischen Landesärztekammer herausgebrachte Sieben-Schwaben-Plakat erhalten.

Auch die Zeitschrift »Ärztliche Praxis« will rechtsradikalen Umtrieben etwas entgegen setzen. Sie hat die Aktion »Ärzte gegen Rechts« initiiert, die unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt steht. In Praxen werden Listen ausgelegt und Unterstützer-Unterschriften für die Aktion »Ärzte gegen Rechts« gesammelt, die auf einer großen Benefiz-Veranstaltung im Herbst ausgehängt und der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden sollen. Stellvertretend für viele appelliert der Bundesärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe: »Wir Ärzte sind schon auf Grund unseres Eides verpflichtet, uns gegen Rechtsextremismus einzusetzen!« Zudem ruft die Zeitschrift zu Spenden auf für die Amadeu Antonio Stiftung. Diese gemeinnützige Stiftung wurde im Dezember 1998 gegründet und fördert Gruppen und Organisationen, die den Opfern rechtsradikaler Gewalt helfen. Der Name geht zurück auf den Angolaner Amadeu Antonio, der 1990 im brandenburgischen Eberswalde von jugendlichen Neonazis zu Tode geprügelt wurde.

Eine weitere Kampagne gegen Fremdenfeindlichkeit von MitarbeiterInnen aus dem Gesundheitswesen ist die Initiative "Der Mensch zuerst - Spitalspersonal gegen Ausländerfeindlichkeit" in Österreich. Sie wurde 1992 in Wien in einer Atmosphäre zunehmender prorassistischer Tendenzen und vor dem Hintergrund der zunehmenden Belastung des Arbeitsklimas durch die AusländerInnenfeindlichkeit an vielen Wiener Spitälern gegründet. Anstoß war das Volksbegehren "Österreich zuerst" der FPÖ, das erstmals eine Gruppe von Menschen gegen eine andere Gruppe von Menschen mobilisierte und rassistische Tendenzen und Stimmungen massiv verschärfte. Mit der politisch gezielten Kampagne »Medizin ist international« traten Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger im Spitalsbereich erstmals offensiv gegen diese Fremdenfeindlichkeit an: Knapp 10.000 Spitalsangehörige unterschrieben gegen das Haidersche Ausländer-Raus-Begehren. Mit eigenen Stickern, Plakaten, Patienteninformationen und Veranstaltungen wurde gegen die Ausländerfeindlichkeit mobilisiert. 1998 wurde schließlich in Wien das "European Health Network Against Racism" ins Leben gerufen, in das neun Länder mit eigenen Komitees einbezogen sind. Ziel des Networks ist die gegenseitige Bereicherung und die Vorbereitung eines gesamteuropäischen Aktionstages "Gesundheit ist international!".

Angelika Wilmen

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