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Pressemitteilung vom 28.09.00

Ärzteorganisation fordert gesetzlich verbrieftes Bleiberecht für traumatisierte Flüchtlinge

29. September: Tag des Flüchtlings

Berlin-  Die Ärztinnen und Ärzte der IPPNW sehen die Situation von Flüchtlingen in Deutschland als besorgniserregend an. Gesellschaftliche Ablehnung, staatliche Entmündigung, mangelhafte Gesundheitsversorgung, sowie Arbeitsverbot und lagerähnliche Unterbringung prägen ihre Situation. Als Ärztinnen und Ärzte in sozialer Verantwortung tragen wir besondere Verantwortung für traumatisierte Flüchtlinge.

Das sind Menschen, die durch das, was sie in ihrer Heimat und auf der Flucht erlebt haben, seelisch krank geworden sind. Das betrifft 20-30 % der Menschen, die bei uns Schutz suchen, die Mehrzahl davon Frauen und Kinder. Ihre seelische Verletzung führt dazu, dass sie im derzeitigen Asylverfahren als erste scheitern. Im verhörähnlichen Erstgespräch können sie nicht über die traumatisierten Erlebnisse sprechen, ihr Asylantrag wird schnell als unbegründet zurückgewiesen. Kommen sie in Behandlung, dauert es lange, bis sie in einer geschützten Umgebung bei guter Sprachmittlung Vertrauen fassen und über ihre Erlebnisse sprechen können.

Die Ergebnisse der therapeutischen Gespräche werden im Asylverfahren als nachgeschoben und unglaubwürdig abgelehnt. Zweimonatige Duldungen, die ständige Drohung der Ausweisung und verhörähnliche Anhörungen oder polizeiärztliche Überprüfungen fachärztlicher Gutachten führen zu neuem Trauma und machen alle Behandlungsversuche zunichte. Immer wieder kommt es in Abschiebehaft oder im Flughafenverfahren zu Verzweiflungstaten. Eine Behandlung der Traumatisierung ist medizinisch möglich, sie ist aber an bestimmte Bedingungen gebunden. Dazu gehört ein sicherer Aufenthaltsstatus und die Möglichkeit, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Flüchtlinge suchen bei uns Schutz, den ihnen unser Grundgesetz verspricht. Wir haben uns an die Genfer Flüchtlingskonvention gebunden, Menschenrechte, Humanität und die Würde des Menschen sind Werte, auf denen unsere Gesellschaft fußt. Diese Werte sind in den Mittelpunkt staatlicher Politik zu stellen. Wir fordern daher ein gesetzlich verbrieftes Bleiberecht für traumatisierte Flüchtlinge und ein Asylverfahren, das den Bedürfnissen traumatisierter Menschen Rechnung trägt.

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Ansprechpartnerinnen

Anne JuremaAnne Jurema
Referentin "Soziale Verantwortung"
Tel. 030/698074 - 17
Email: jurema[at]ippnw.de

Laura WunderLaura Wunder
Referentin für Klimagerechtigkeit und Global Health
Tel. 030 / 698074 - 19
Email: wunder[at]ippnw.de

Kayra Hohmann AkbulakKayra Hohmann Akbulak
Projektmitarbeiterin für den Bereich Soziale Verantwortung
Tel. 030 / 698074 - 0
E-Mail: hohmann[at]ippnw.de

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