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Abgeschoben - und dann?

Kurdische Familie nach der Abschiebung

Vier Familien berichteten Iskenius und seiner Kollegin von ihren Erfahrungen bei der Rückehr. Dabei stellte sich heraus, dass die Remigration ein sehr komplizierter und psychisch sehr belastender Prozess ist, der häufig als deutlich belastender empfunden wird als die Flucht ins Exilland. Das Herkunftsland erscheint fremd und verändert, und viele spüren soziale Entwurzelung.

Doch die Probleme beginnen bereits vorher. Iskenius: «Für alle war die unvorhergesehene Abschiebung ein Schock. Auf der Rückreise bestanden massive Ängste vor möglicher Polizeirepression, die Erinnerungen an bereits erlebte Gewalt auslösten. Diese belastete Atmosphäre wirkt sich auch auf die Kinder aus.¼ Nach der Rückkehr beginnt ein sozialer Existenzkampf. Wer von Verwandten im Ausland finanzielle Zuwendungen erhält oder mit eigenen Ersparnissen die erste Zeit überbrücken kann, hat Glück. Doch häufig sind die Menschen bei ihrer Rückkehr verarmt und fallen der verbliebenen Verwandschaft zur Last. Soziale Bindungen wurden durch die Flucht zerstört, und fehlendes Einkommen und Abhängigkeit produziert Scham, innere Wut und Demütigung. Hinzu kommt, dass Menschen ohne eigenes Einkommen von der gesundheitlichen Versorgung und dem Schulbesuch ausgeschlossen sind. «Es gibt keine staatlichen, religiösen oder humanitären Strukturen, die die Rückkehr der Menschen erleichtern», so Iskenius. Das einzige existierende soziale Netz ist die eigene Großfamilie. Wo die familialen Strukturen durch Krieg und Verfolgung zerstört sind, ist auch das materielle Überleben nicht mehr gesichert.

Als Folge leidet ein überproportional großer Anteil der Menschen an den psychischen Belastungen und erkrankt. Ältere Kinder kämpfen zusätzlich mit Anpassungschwierigkeiten, die sich vor allem auf ihre schulischen Leistungen niederschlagen. Für Iskenius ist nach dieser Reise klar, dass sich der Umgang mit kurdischen Flüchtlingen ändern muss: «Die Abschiebung in die Türkei ist inhuman und verletzt die ohnehin angeschlagenen Seelen dieser Menschen.»

Oktober 1999

Der ausführliche Reisebericht kann in der Geschäftsstelle angefordert werden.

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