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IPPNW-Forum 140/2015

Medizinische Friedensarbeit via Internet

Medical Peace Work

19.02.2015 Das Projekt "Medical Peace Work" startet in die dritte Runde. Die sieben Internetkurse für medizinische Friedensarbeit sind ein kostenloses Qualifizierungsangebot für Ärztinnen und Ärzte, MitarbeiterInnen im  Gesundheitswesen und Medizinstudierende und seit 2011 online. Die Kurse, bestehend aus E-book, E-case und dazugehörigen Testfragen vermitteln Wissen über die Rolle von GesundheitsarbeiterInnen in Friedensarbeit. Sie decken nicht nur klassische IPPNW-Themen ab wie Abrüstungsarbeit und (Atom-) Kriegsverhütung, sondern auch Menschenrechte, strukturelle Gewalt, friedensfördernde Arbeit während und nach Kriegssituationen, sowie Gewaltvorbeugung auf zwischenmenschlichem und persönlichem Niveau.

Die TeilnehmerInnen sollen in die Lage versetzt werden, gewaltvorbeugend zu handeln und in ihrem Berufsumfeld, ob im Inland oder Ausland, friedensfördernd zu wirken. Die Kurse werden in der dritten Phase von zehn Partnern aus Norwegen, Deutschland, Italien, Österreich und Großbritannien weiterentwickelt und erhalten eine finanzielle Förderung durch das EU-Programm Erasmus+. In den nächsten zwei Jahren sollen die Kurse weiter in der institutionellen und nicht-institutionellen Bildung verankert werden. Dafür werden die Online-Kurse aktualisiert und neue pädagogische Ansätze gewählt, um die Zahl der UserInnen zu erhöhen, die die Online-Kurse absolvieren.

Im Dezember 2014 fand ein Kick-Off-Treffen im Missionsärztlichen Institut in Würzburg statt, wo das sogenannte Case-basierte Lernen Thema eines Workshopes war. Beim Case-basierten Lernen müssen die TeilnehmerInnen ein Thema oder eine Frage analysieren, geeignete Informationsquellen finden und nutzen, und schließlich Lösungen vergleichen, auswählen und umsetzen. Der Stoff wird von den Lernenden in strukturierten Case-Studien präsentiert.

IPPNW Deutschland steuert zwei Case-Studien bei zu den Themen "Humanitäre Folgen von Atomwaffen" und "Ungesunde Arbeitsbedingungen - Der Falll der Rohrzuckerarbeiter in Nicaragua". Im letzteren Fallbeispiel geht es beispielsweise um Todesfälle durch chronische Nierenerkrankungen. So sind im Jahr 2005 in Nicaragua jeden Monat vier bis sechs Menschen an dieser Erkrankung gestorben. Chronisches Nierenleiden wird hervorgerufen durch Arbeit bei heißen Temperaturen und Flüssigkeitsmangel. Sie betrifft vorrangig junge Männer unter 30 Jahren. In Regionen wie Chinandega in Nicaragua ist die Erkrankung aufgrund von unzureichenden Möglichkeiten zur Dialyse und Nierentransplantation häufig ein Todesurteil. Die Studierenden sollen bei diesem Fallbeispiel lernen, wie soziale Determinanten und strukturelle Gewalt die Gesundheit beeinflussen. Neben den zwölf narrativen Case-Studien sollen in einer zweiten Runde sechs Audio-Videos erstellt werden, die die Case-Studien in Ton und Bild illustrieren. Diese Audio-Videos werden in einem neuen Internetkurs eingearbeitet.

Auf Kongressen und Konferenzen soll das Projekt "Medical Peace Work" weiter bekannt gemacht werden - auch in Deutschland. So ist "Medical Peace Work" zum Beispiel auch in diesem Jahr ein fester Bestandteil der Global Health Summerschool, die vom 13. bis 19. September 2015 in Berlin stattfindet. Weitere geplante Veranstaltungen sind ein Medical-Peace Work-Workshop "Krieg, Gewalt und Gesundheit" in Bergen, Norwegen sowie eine Konferenz "Gesundheit durch Frieden" vom 13. bis 14. November 2015 in London, Großbritannien.

Für den Herbst 2016 schließlich ist der fünfte IPPNW-Kongress "Medizin und Gewissen" in Nürnberg oder Erlangen vorgesehen, in der das Thema "Medical Peace Work" einen Themenstrang bilden soll. In diesem Rahmen wird der zweite Preis für medizinische Friedensarbeit verliehen. Er ging 2011 an die mutige Gerichtsmedizinerin, Hochschullehrerin und Präsidentin der Menschenrechtsstiftung Türkei Prof. Dr. Sebnem Korur Financi für ihre Arbeit gegen Folter und Menschenrechtsverletzungen.

Angelika Wilmen

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Ansprechpartner


Dr. Jens-Peter Steffen

Referent für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 -13
Email: steffen[at]ippnw.de

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