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IPPNW-Pressemitteilung 26.11.2018

Mediziner als Friedensstifter*innen ausbilden

IPPNW-Expertin im Unterausschuss "Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln"

www.medicalpeacework.org
26.11.2018

Die Bundesregierung soll sich ab Januar nächsten Jahres im Sicherheitsrat  zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation WHO dafür einsetzen,  medizinische Friedensarbeit im Form eines finanziell gut ausgestatteten Programms „Medical Peace Work“ zu implementieren. Das forderte die europäische IPPNW-Präsidentin Dr. Angelika Claußen heute in einer öffentlichen Anhörung des Unterausschusses "Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln". In der medizinischen Friedensarbeit wird der Aufbau grundlegender Gesundheitsversorgung in Kriegs- und Krisengebieten mit der Vermittlung von Methoden der zivilen Konfliktbearbeitung verbunden.

Bereits 1998 begründete die WHO ihr Programm „Health Bridges to Peace“ mit dem Ziel, den Aufbau und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung in und nach kriegerischen Konflikten zur Überwindung der Kriegsfolgen zu nutzen. Zwischen 1985 und 2003 gab es zunächst humanitäre Waffenstillstände, um Impfprogramme und Lieferungen von humanitärer Hilfe durchzuführen. Später folgten mehrere Jahre andauernde Projekte in unterschiedlichen Ländern nach Konflikten (z.B. Angola, Mosambik, Kroatien, Bosnien-Herzegovina, Kaukasus, Sri Lanka, Indonesien).

Europäische Gesundheitsorganisationen – darunter fünf IPPNW-Sektionen, haben vor 15 Jahren das Curriculum „Medical Peace Work“ zur medizinischer Friedensarbeit entwickelt, das sich aus konkreten Erfahrungen medizinischer Friedensarbeit in  den 90 Jahren in den  Balkanländern, in den 2000- Jahren im Irak sowie Kampagnen zur medizinischen Prävention der Anwendung von Kleinwaffengewalt und einem Stopp des Waffenhandels entwickelt hat.

„Eine ausreichende Finanzierung der WHO für medizinische Friedensarbeit ist auch deswegen wichtig, um medizinische Hilfe und die Erfüllung der Grundbedürfnisse der Menschen nicht vorrangig Organisationen zu überlassen, die mit kämpfenden Milizen in Verbindung stehen, z.B. islamistischen Milizien, so wie ich es im Nachkriegsirak 2003 und später selbst erlebt habe. Im Sinne von  Friedenslogik muss hier dringend  eine Kehrtwende in der bisherigen Rüstungsexportpolitik vollzogen werden“, so Dr. Claußen. „Wir brauchen ein Rüstungsexport- Kontrollgesetz!“

Denn Engagement in der Krisenprävention sei kontraproduktiv und unglaubwürdig, solange die Bundesregierung in bekannte Krisengebiete und an autoritäre, gewaltbereite Herrscher, Waffen liefere. So müsse die Politik von Waffenexporten und militärischer Unterstützung an das saudi-arabische Herrscherhaus zum Beispiel grundlegend verändert werden im Sinne einer Logik des Friedens. Ebenso müsse die Nachrüstung von 81 Leopard-Panzern des Typs 2 A 4 in der Türkei durch Rheinmetall unterbunden werden. „Deutsche bzw. europäische und amerikanische Waffensysteme und deren Export in alle 10 Länder der Kriegskoalition unter der Führung Saudi-Arabiens haben die massiven Angriffe auf die Bevölkerung im Jemen-Krieg  erst in dieser Dimension möglich gemacht“, kritisierte die IPPNW-Europapräsidentin im Unterausschuss.

Kontakt: Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW, Tel. 030-69 80 74-15, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, Email: wilmen@ippnw.de, www.ippnw.de

Foto: www.medicalpeacework.org

Ansprechpartner


Dr. Jens-Peter Steffen

Referent für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 -13
Email: steffen[at]ippnw.de

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