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Friedenslogik statt Sicherheitslogik

Am UN-Weltfriedenstag luden Friedensorganisationen zu Vorträgen in die Humboldt-Universität ein

Vortragsveranstaltung „Zivile Konfliktbearbeitung und die Rolle der UN“, Foto: IPPNW
29.09.2017

Zum diesjährigen Weltfriedenstag am 21. September 2017 organisierte ein breites Bündnis an Friedensorganisationen in der Berliner Humboldt-Universität einen Abend mit dem Titel „Zivile Konfliktbearbeitung und die Rolle der UN“. Den Anfang machte die Philosophin und Frauenrechtlerin Helga Hörz , die in ihrem Vortrag über die Rolle der Frauen bei der Friedenssicherung referierte. Hörz, die selbst Mitglied der UN-Kommission zum Status der Frau war und bis zu Beginn der Achtziger an zahlreichen Weltfrauenkongressen teilnahm, sprach über ihre langjährige Erfahrung im Kampf für den Einfluss der Frauen in der Weltpolitik.

Sie selbst war an der Verabschiedung der UN-Konvention „zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau“ beteiligt und publizierte in den darauffolgenden Jahren zahlreiche Texte, darunter die Deklaration „Zur stärken Einbeziehung von Frauen in den Friedenskampf“, die sie in die UN-Verhandlungen einbrachte.

In den darauffolgenden Jahren bis zur Deutschen Wiedervereinigung hatte sie zahlreiche renommierte Ämter inne, wie das der Vizepräsidentin der UN-Kommission „Zum Status der Frau“ und der zweiten UN-Weltfrauenkonferenz. In diese Erfahrungen erlaubte sie dem Publikum persönliche Einblicke und sprach voller Begeisterung von den Fortschritten der letzten Jahre. Dennoch sei die Rolle der Frau bei der Stiftung und Sicherung von Frieden heute bedeutender denn je, so Hörz. Zum Abschluss ihrer Rede erklärte sie: „Wir brauchen eine Ethik der Kooperation, die über die UNO zu entwickeln ist, und dafür werde ich mich immer einsetzen".

Diese Ethik der Kooperation wird auch in der Friedenslogik propagiert. Christiane Lammers von der „Plattform Zivile Konfliktbearbeitung“ schloss an die von Helga Hörz angesprochene Thematik in ihrem Vortrag  über den Unterschied von Friedens- und Sicherheitslogik an und sprach darüber, wie diese zur Förderung des Friedens beitragen könnte. Dabei veranschaulichte sie ihre Erklärung anhand von Schemata, die die beiden Logiken gegenüberstellte.

Kernelemente friedenslogischen Denkens sind demnach, erstens, die Fokussierung auf die Mittel zur Prävention von Gewalt, anstatt auf Verteidigung und Gefahrenabwehr, zweitens, die Einbeziehung der eigenen Verantwortung bei der Konfliktanalyse anstelle der Schuldzuweisung auf andere und äußere Faktoren und drittens, die Bearbeitung des Problems durch Kooperation und Dialog anstatt reinen Selbstschutzes und damit einhegender Androhung und Einsatz von Gewalt.

Zentrale Unterschiede der beiden Logiken finden sich auch bezüglich der Rechtfertigung des eigenen Handelns. Während die Sicherheitslogik die eigenen Interessen über jegliche anderen Normen stellt, finden in der Friedenslogik universal gültige Grundsätze und Werte Anwendung. Der letzte entscheidende Punkt ist der Umgang mit Misserfolgen: eine offene Reflexion des eigenen Handelns und der eigenen Fehler.

Diese Unterschiede arbeitete Christiane Lammers anschaulich heraus und traf dabei auf großen Zuspruch bei den ZUhörern. In der anschließenden Diskussion zwischen Referenten und Publikum, moderiert von Rainer Braun, Ko-Präsident des International Peace Bureau, fand die Veranstaltung zur Feier des Weltfriedenstag einen gebürtigen Abschluss.

Foto: Vortragsveranstaltung „Zivile Konfliktbearbeitung und die Rolle der UN“, Foto: IPPNW

Ansprechpartner


Dr. Jens-Peter Steffen

Referent für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 -13
Email: steffen[at]ippnw.de

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