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Das Zentrum für gewaltfreie Aktion

Ein Beispiel aus Sarajevo

Das «Zentrum für gewaltfreie Aktion» (CNA) in Sarajevo entstand 1997 als Projekt der Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e.V. KURVE Wustrow. Im November 1997 ging der Serbe Nenad Vukosavljevic, nachdem er in Nordrhein-Westfalen einen mehrmonatigen Kurs für TrainerInnen in ziviler Konfliktbearbeitung absolviert hatte, nach Sarajevo, um dort in diesem Bereich zu arbeiten. Ziele des Projekts:

  • Durchführung von Trainings in gewaltfreier Konflikttransformation,
  • Vernetzung und Stärkung der lokalen Organisationen, die in der Friedens- und Menschenrechtsarbeit auf dem Balkan tätig sind,
  • Multiplikation der eigenen Kenntnisse auf dem Gebiet der Gewaltfreiheit.

Das Zentrum hat mittlerweile fünf MitarbeiterInnen. Alle haben sie Trainingserfahrung in gewaltfreier Konfliktbearbeitung; alle sind durch Kriegserfahrung im eigenen Land geprägt. Finanziert wird das Projekt überwiegend durch Stiftungen (oder Organisationen wie IPPNW), private Spenden und zunehmend durch die Einnahmen aus den durchgeführten Trainings. Im August dieses Jahres soll die Arbeit und das Büro an ein Team übergeben werden, das ausschließlich aus lokalen Personen besteht, während sich die «internationale Einmischung» zurückzieht.

Die Trainings
Die Trainings bilden den Schwerpunkt der Arbeit von CNA. Mittlerweile haben sich zwei verschiedene Grundtypen von Trainings herausgebildet: Basistrainings für Menschen, die noch keine bzw. wenig Trainingserfahrung besitzen, und Aufbautrainings, deren TeilnehmerInnen schon an CNA- oder anderen Trainings teilgenommen haben. Zielgruppe sind Personen, die als LehrerInnen und/oder in der Menschenrechts- und Friedensarbeit tätig sind und die dazugewonnenen Erfahrungen und Fähigkeiten in ihrer eigenen Arbeit anwenden können.
Die TeilnehmerInnenzahl besteht aus zehn bis zwanzig Personen. Angestrebt wird ein multiethnischer bzw. multireligiöser TeilnehmerInnenkreis, damit das konfliktträchtige Thema «Nationalität» (und die damit oft automatisch in Verbindung gebrachte Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion) in Ex-Jugoslawien nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch erfahren werden kann.

Die Trainings behandeln einen unterschiedlich stark gefächerten Themenkreis um das Kernthema «Umgang mit Konflikten» . Dazu gehören etwa Themen wie: Vorurteile, Eigenverantwortung, Autorität, Nationalität, Geschlechterrollen. Diese werden mit unterschiedlichen Methoden vermittelt. Oft werden dabei auch Mittel eingesetzt, die die spontane Reaktion der Personen herausfordern, um ihnen auch das eigene Konfliktpotential vor Augen zu führen. Dazu findet Statuentheater, direkte Gegenüberstellung von kontroversen Positionen, Brainstorming, Rollenspiele u.v.m. statt - Methoden, die in Ex-Jugoslawien größtenteils unbekannt sind. Außerdem sind viele der Themen in der Gesellschaft tabuisiert, und so kommt es bisweilen vor, dass ein Albaner das erste Mal seit Jahren mit einem Serben spricht, oder dass jemand zum ersten Mal versucht, seinen Begriff von «Nationalität» oder «Geschlechterrollen» zu definieren.

Wie die abschließende Evaluation der Trainings zeigt, werden die meisten Arbeitsmethoden und Themen als bereichernd und die eigene Persönlichkeit hinterfragend, aber auch stärkend wahrgenommen. Ein Großteil der TeilnehmerInnen äußert den Wunsch, sich in dieser Art von Arbeit fortzubilden bzw. die gewonnenen Erfahrungen/ Kenntnisse in der eigenen Arbeit einzusetzen. Dies weist gleichzeitig auf eine der wesentlichen Grenzen der Arbeit von CNA hin: Die gewonnenen Fähigkeiten sind schwer messbar. Das gilt vor allem für ihre Anwendung in «nichtgeschützten Bereichen», beginnend beim eigenen Alltag mit den täglichen zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Dem versucht CNA mit Einbindung der TeilnehmerInnen in die eigene oder ähnliche Arbeit (bereits zwei der fünf MitarbeiterInnen stammen aus CNA-Trainings), Einladungen zur Teilnahme an Aufbautrainings und Besuche der Arbeitsplätze der TeilnehmerInnen entgegenzutreten. Auch wird in der projektabschließenden Evaluation im August ein Fragebogen an ehemalige TeilnehmerInnen verschickt werden, mit dem die Auswirkungen von CNA-Trainings auf die private und berufliche Aktivität der Menschen ausgewertet werden sollen.

Ein weiteres Problem, mit dem das Projekt oft zu kämpfen hat, sind die schwierigen Bedingungen in den Kriegs- und Nachkriegsgesellschaften Ex-Jugoslawiens. Von der Mittelbeschaffung über die TeilnehmerInnenrekrutierung bis zur Wahl eines geeigneten Veranstaltungsortes - alles unterliegt den oft nicht berechenbaren Entwicklungen im Krisengebiet. Dies hat, besonders während des Kosovo-Krieges, schon häufiger zu Absagen von Trainings und anderen Treffen geführt. Zum Glück konnten die letzten Trainings stattfinden, denn das Interesse an der Arbeit von CNA steigt ständig.


Franziska Voges, Projektkoordinatorin für CNA


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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

Materialien

IPPNW-Thema „Gegen die Militarisierung der EU – Europa als Friedensprojekt gestalten“
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IPPNW-Forum 143/Sept 2015
"Die Waffen nieder! Zivilie Konfliktbearbeitung"
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IPPNW-Studie: Peace through Health

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Das Zentrum für gewaltfreie Aktion

Ein Beispiel aus Sarajevo

Das «Zentrum für gewaltfreie Aktion» (CNA) in Sarajevo entstand 1997 als Projekt der Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e.V. KURVE Wustrow. Im November 1997 ging der Serbe Nenad Vukosavljevic, nachdem er in Nordrhein-Westfalen einen mehrmonatigen Kurs für TrainerInnen in ziviler Konfliktbearbeitung absolviert hatte, nach Sarajevo, um dort in diesem Bereich zu arbeiten. Ziele des Projekts:

  • Durchführung von Trainings in gewaltfreier Konflikttransformation,
  • Vernetzung und Stärkung der lokalen Organisationen, die in der Friedens- und Menschenrechtsarbeit auf dem Balkan tätig sind,
  • Multiplikation der eigenen Kenntnisse auf dem Gebiet der Gewaltfreiheit.

Das Zentrum hat mittlerweile fünf MitarbeiterInnen. Alle haben sie Trainingserfahrung in gewaltfreier Konfliktbearbeitung; alle sind durch Kriegserfahrung im eigenen Land geprägt. Finanziert wird das Projekt überwiegend durch Stiftungen (oder Organisationen wie IPPNW), private Spenden und zunehmend durch die Einnahmen aus den durchgeführten Trainings. Im August dieses Jahres soll die Arbeit und das Büro an ein Team übergeben werden, das ausschließlich aus lokalen Personen besteht, während sich die «internationale Einmischung» zurückzieht.

Die Trainings
Die Trainings bilden den Schwerpunkt der Arbeit von CNA. Mittlerweile haben sich zwei verschiedene Grundtypen von Trainings herausgebildet: Basistrainings für Menschen, die noch keine bzw. wenig Trainingserfahrung besitzen, und Aufbautrainings, deren TeilnehmerInnen schon an CNA- oder anderen Trainings teilgenommen haben. Zielgruppe sind Personen, die als LehrerInnen und/oder in der Menschenrechts- und Friedensarbeit tätig sind und die dazugewonnenen Erfahrungen und Fähigkeiten in ihrer eigenen Arbeit anwenden können.
Die TeilnehmerInnenzahl besteht aus zehn bis zwanzig Personen. Angestrebt wird ein multiethnischer bzw. multireligiöser TeilnehmerInnenkreis, damit das konfliktträchtige Thema «Nationalität» (und die damit oft automatisch in Verbindung gebrachte Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion) in Ex-Jugoslawien nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch erfahren werden kann.

Die Trainings behandeln einen unterschiedlich stark gefächerten Themenkreis um das Kernthema «Umgang mit Konflikten» . Dazu gehören etwa Themen wie: Vorurteile, Eigenverantwortung, Autorität, Nationalität, Geschlechterrollen. Diese werden mit unterschiedlichen Methoden vermittelt. Oft werden dabei auch Mittel eingesetzt, die die spontane Reaktion der Personen herausfordern, um ihnen auch das eigene Konfliktpotential vor Augen zu führen. Dazu findet Statuentheater, direkte Gegenüberstellung von kontroversen Positionen, Brainstorming, Rollenspiele u.v.m. statt - Methoden, die in Ex-Jugoslawien größtenteils unbekannt sind. Außerdem sind viele der Themen in der Gesellschaft tabuisiert, und so kommt es bisweilen vor, dass ein Albaner das erste Mal seit Jahren mit einem Serben spricht, oder dass jemand zum ersten Mal versucht, seinen Begriff von «Nationalität» oder «Geschlechterrollen» zu definieren.

Wie die abschließende Evaluation der Trainings zeigt, werden die meisten Arbeitsmethoden und Themen als bereichernd und die eigene Persönlichkeit hinterfragend, aber auch stärkend wahrgenommen. Ein Großteil der TeilnehmerInnen äußert den Wunsch, sich in dieser Art von Arbeit fortzubilden bzw. die gewonnenen Erfahrungen/ Kenntnisse in der eigenen Arbeit einzusetzen. Dies weist gleichzeitig auf eine der wesentlichen Grenzen der Arbeit von CNA hin: Die gewonnenen Fähigkeiten sind schwer messbar. Das gilt vor allem für ihre Anwendung in «nichtgeschützten Bereichen», beginnend beim eigenen Alltag mit den täglichen zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Dem versucht CNA mit Einbindung der TeilnehmerInnen in die eigene oder ähnliche Arbeit (bereits zwei der fünf MitarbeiterInnen stammen aus CNA-Trainings), Einladungen zur Teilnahme an Aufbautrainings und Besuche der Arbeitsplätze der TeilnehmerInnen entgegenzutreten. Auch wird in der projektabschließenden Evaluation im August ein Fragebogen an ehemalige TeilnehmerInnen verschickt werden, mit dem die Auswirkungen von CNA-Trainings auf die private und berufliche Aktivität der Menschen ausgewertet werden sollen.

Ein weiteres Problem, mit dem das Projekt oft zu kämpfen hat, sind die schwierigen Bedingungen in den Kriegs- und Nachkriegsgesellschaften Ex-Jugoslawiens. Von der Mittelbeschaffung über die TeilnehmerInnenrekrutierung bis zur Wahl eines geeigneten Veranstaltungsortes - alles unterliegt den oft nicht berechenbaren Entwicklungen im Krisengebiet. Dies hat, besonders während des Kosovo-Krieges, schon häufiger zu Absagen von Trainings und anderen Treffen geführt. Zum Glück konnten die letzten Trainings stattfinden, denn das Interesse an der Arbeit von CNA steigt ständig.


Franziska Voges, Projektkoordinatorin für CNA


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