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Das Frauenzentrum Ka-Mer

Beispiel Türkei

Ka-Mer hat zum Ziel, Frauen, die von Gewalt in der Familie betroffen sind, zu unterstützen und gegen Gewalt an Frauen vorzugehen. Weiterhin ist beabsichtigt, in dem Krisen- und Kriegsgebiet «Südosten» durch Öffentlichkeitsarbeit und verschiedene Angebote die Kluft zwischen KurdInnen und TürkInnen zu verringern und friedensfördernd zu wirken. Das multikulturelle Team von Ka-Mer legt Wert auf eine anti-rassistische und anti-sexistische Haltung.

Die Idee für das unabhängige Frauenzentrum entstand aus einer Untersuchung zur Situation der Frauen im Südosten der Türkei, welche die BegründerInnen von Ka-Mer durchgeführt hatten. Dabei hatten sie festgestellt, dass ein Großteil der Frauen von innerfamiliärer Gewalt betroffen ist. Die befragten Frauen gaben an, dass sie eine Anlaufstelle wünschen, die ihnen Hilfe und Informationen gibt.

Die Angebote von Ka-Mer sind kostenlos und richten sich an alle Frauen, egal welchen Alters und unabhängig von ihrem kulturellen, religiösen oder ethnischen Hintergrund. Es gibt eine Beratungsstelle mit folgenden Möglichkeiten:

  • Notruftelefon: Frauen, die von Gewalt in der Familie betroffen sind, können sich persönlich und/oder telefonisch an die Beratungsstelle wenden. Sie erhalten ein Klärungsgespräch, in dem erarbeitet wird, was die Frauen jeweils möchten und welche Möglichkeiten sie haben. Auf Wunsch können sie eine Anwältin in Anspruch nehmen und Gespräche mit einer Psychologin führen. Auch die Begleitung zu Behörden, öffentlichen Ämtern und ÄrztInnen ist möglich.
  • Frauenrechte-Menschenrechte: Zweimal im Jahr können Frauen an einem Frauengruppenprogramm teilnehmen. In angenehmer Atmosphäre erhalten sie Informationen zu verschiedenen Themen, lernen ihre Rechte kennen und können so ihre persönliche und soziale Handlungskompetenz erweitern.
  • Jobbörse: Ka-Mer versucht, Frauen eine Erwerbsarbeit zu verschaffen bzw. Arbeitsplätze aufzubauen.
  • Frauenveranstaltungen: Ka-Mer organisiert Veranstaltungen für Frauen, wie die erste Frauenkonferenz im Dezember 1997, Frauenfeste und Gesprächstage zu frauenspezifischen Themen.
  • Vernetzung: Ka-Mer ist regional, national und international mit verschiedenen Frauengruppen und Menschenrechtsorganisationen vernetzt und setzt sich für Frauen- und Menschenrechte in der Türkei und weltweit ein.


Um Frauen einen Treffpunkt, aber auch Arbeitsplätze zu verschaffen, eröffnete Ka-Mer im August 1998 ein Restaurant. Es werden regionale kurdische Gerichte gekocht und angeboten. Ein Raum ist ausschließlich Frauen vorbehalten, zwei weitere Räume stehen beiden Geschlechtern offen. Es finden Frauengruppen und Veranstaltungen statt, und zur Zeit sind acht Frauen dort beschäftigt.

Im Sommer 1999 feierte Ka-Mer die Eröffnung des eigenen Kindergartens. Viele Frauen hatten immer wieder Schwierigkeiten, an den Angeboten von Ka-Mer teilzunehmen, da sie nicht wussten, wohin mit ihren Kindern. In zwei Gruppen werden nun 20 Kinder im Alter von zweieinhalb bis sechs Jahren betreut. Darunter sind auch fünf Kinder, deren Familien aufgrund des schweren Erdbebens in der Westtürkei wieder in ihre Heimatregion zurück migrierten. Der Kostenbeitrag ist sozial gestaffelt; es gibt auch Freiplätze.

Ka-Mer erhält finanzielle Unterstützung von der Heinrich-Böll-Stiftung, den Boschaften Deutschlands, Kanadas und der Niederlande und von Menschenrechtsorganisationen. Langfristig möchte Ka-Mer sich selbst finanzieren, um unabhängig zu sein. Die Frauen hoffen, dass sie mit dem Restaurant und dem Kindergarten bald genug Einnahmen haben, um die Beratungsstelle finanzieren zu können.


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Ansprechpartner


Dr. Jens-Peter Steffen

Referent für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 -13
Email: steffen@ippnw.de

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