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Bericht von der Delegation zum Außenministerium

Eine Delegation – bestehend aus Dr. Qassem Massri, der mit Dr. Hussam Abu Safiya im Jahr 2024 im Rahmen eines humanitären Einsatzes zusammengearbeitet hatte, Katja Müller-Fahlbusch (Amnesty International), Dr. Laura Schlemmer (Medsolidar), Dr. Khaled Hamad (Vorsitzender der palästinensischen Gemeinde Deutschlands und der europäischen Assoziationen zur Verteidigung der palästinensischen Gefangenen) und Dr. Uwe Trieschmann (IPPNW) - wurde am 27. Juli 2026 vom Leiter des Nahostreferats im Außenministerium, Herrn Walendy, empfangen.

Eingangs wurde der Anlass der Delegation bekräftigt:

Gemäß einer Erklärung finden PHRI (Physicians for Human Rights Israel) ist das Leben von Dr. Hussam Abu Safiya in Gefahr. Ein darauf basierender Brief von vier medizinischen Organisationen an Außenminister Wadephul anlässlich seines Israel Besuchs Anfang Juli forderte das Außenministerium auf, sich für Dr. Abu Safiya und die anderen unrechtmäßig inhaftierten palästinensischen Gefangenenaus dem Gesundheitswesen einzusetzen. Dabei wurde auch die vielfältigen Initiativen zur Unterstützung von Dr. Abu Safiya in Deutschland und international hingewiesen.

Herr Walendy bestätigte, dass der Fall durchaus bekannt sei und man die israelischen Gesprächspartner schon mehrfach darauf angesprochen habe. Von israelischer Seite sei aber immer wieder der Vorwurf bekräftigt worden, er sei ein Hamas-Kämpfer, was das Außenministerium nicht überprüfen könne.

Demgegenüber bekräftigte insbesondere Dr. Massri, dass er Dr. Abu Safiya erlebt habe, wie dieser sich 24 Stunden an sieben Tage in der Woche um die Patient*innen gekümmert habe und dass das Foto, welches ihn in einer Hamas-Uniform zeige, nichts beweise, da er in einer Einrichtung des Gesundheitsministeriums Gaza gearbeitet habe und dies zum Dresscode bei offiziellen Veranstaltungen gehöre. Auch seien die angeblichen Waffenlager unter den Krankenhäusern von israelischer Seite nie nachgewiesen worden.

Bei dem kurzen Besuch von Außenminister Wadephul in Israel im Rahmen seiner Reise zum NATO-Gipfel in der Türkei sei es auch darum gegangen, dass die Lage der Menschen in Gaza weiterhin besorgniserregend sei und nicht aus dem Fokus geraten dürfe. Humanitäre Helfer benötigten besseren Zugang und mehr Möglichkeiten, ihr Hilfsmaterial einzuführen, z.B. Motoröl zum Betrieb der Generatoren. Es sei auch deutlich gemacht worden, dass es bei einer weiteren Eskalation der humanitären Lage auch in der europäischen Union zu schwerwiegenden Differenzen kommen würde.

Schwerpunkte der Arbeit des Außenministeriums in den Gesprächen mit Israel seien immer wieder ein Hinwirken auf Verbesserung der humanitären Hilfe für Gaza und bezüglich der Häftlinge insbesondere die Forderung nach einem verbesserten Zugang des internationalen Roten Kreuzes.

Im Rahmen des Gesprächs wurden vielfältige Punkte angesprochen:

– die immer weitere Verschiebung der gelben Grenze in Gaza,
– die verschärften Angriffe der Siedler im Westjordanland,
– die Zerstörung des Gesundheitswesens in Form der Zerstörung der Krankenhäuser und der Tötung von medizinischen Mitarbeitern,
– die Beschlussfassung der Knesseth zur Einführung der Todesstrafe für Palästinenser*innen,
– die Missachtung des Völkerrechts und des humanitären Völkerrechts durch Israel,
– das System der Apartheid in Israel.

Es wurde die Frage aufgeworfen, wo die ‚Rote Linie‘ der Bundesregierung für ihre Unterstützung der Politik Israels sei.

Auf die Vorwürfe der Delegation, dass die deutsche Bundesregierung auch im europäischen Rahmen der Regierung Netanjahu auch immer wieder Rückendeckung gebe, meinte Herr Walendy, dass die aktuelle Bundesregierung von Anfang an die Unterstützung Israels zu einer Ihrer Grundlagen gemacht habe. Wenn man etwas ändern wolle, müsse man sich vor allem an die Parlamentarier*innen wenden.

Grundsätzlich sehe er keine andere Lösung des Konflikts als in einer Zwei-Staaten-Lösung. Die Grundlagen der Politik des deutschen Außenministeriums gegenüber Israel seien an erster Stelle die Verantwortung Deutschlands in der Folge der Shoa, zweitens die Versöhnung in Form von Austausch mit Israel, drittens die wirtschaftliche Anbindung Israels und die Zusammenarbeit in den Bereichen Künstliche Intelligenz, militärische Innovation und anderen Wirtschaftsbereichen und viertens in einer Wertepartnerschaft.

Von Delegationsteilnehmer*innen wurde angeführt, dass den Palästinensern aber die Zeit davonlaufe: Die sich ständig fortsetzenden Angriffe machten die Realisierung eines palästinensischen Staates immer schwieriger. Das Leben als solches sei für die Palästinenser und insbesondere die Inhaftierten in Gefahr.

Abschließend wurde von Seiten der Delegation noch einmal bekräftigt dass es wichtig sei, dass sich die Bundesregierung im konkreten Fall von Dr. Hussein Abu Safiya einsetze, da sein Leben gefährdet ist. Herr Walendy versicherte, dies aufzunehmen.

Dr. Uwe Trieschmann ist Mitglied des IPPNW-Vorstandes.

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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

Materialien

Flyer "Gaza: Nein zum Angriff auf das humanitäre Völkerrecht!"

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Aktion

Petitionen und Aufrufe, die die IPPNW Deutschland unterstützt

GAZA: Starvation or Gunfire -  This is Not a Humanitarian Response
Aufruf CeasefireNow

Für einen gerechten Frieden in Gaza. Waffenexporte stoppen & Hilfsblockade beenden!
gerechter-frieden.org/petition

UNRWA funding cuts threaten Palestinian lives in Gaza and region, say NGOs
Aufruf auf der Homepage des Norwegian Refugee Councils

Waffenlieferungen an Israel und bewaffnete palästinensische Gruppen stoppen!
Aufruf von humanitären und Menschenrechtsorganisationen
Aufruf (deutsch) auf der Homepage von amnesty international
Aufruf auf Englisch

Petition "Ceasefire Now!"
Für einen sofortigen Waffenstillstand im Gazastreifen und in Israel
Petition auf Change.org unterzeichnen

Health Care and Public Health Professionals’ Call to Immediate Action to Address the Violence in Israel and Gaza and Its Health Consequences
Aufruf von Gesundheitsberufler*innen unterstützen

Friedensappell: Für ein Ende der Gewalt in Israel und Palästina
Petition des Netzwerk Friedenskooperative

Reden & Berichte

Nein zum Angriff auf das humanitäre Völkerrecht
5.06.2025 Rede Franca Brüggen und Angelika Wilmen (PDF)

Für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel
11.01.2025 Rede Dr. Nadia Bieler (PDF)

„Das Unmögliche denken und schaffen“ – Gerechter Frieden Palästina und Israel
16.11.2024 Rede Dr. med. Lars Pohlmeier (PDF)

Terroristische Angriffe lassen sich nicht durch Krieg und Bombenteppiche bekämpfen!
28.10.2023  Rede Dr. Angelika Claußen (PDF)

Vernunft, kluge Diplomatie und Abschied von der Gewalt
12.11.2023 Rede Matthias Jochheim (PDF)

Beide Seiten sehen und zuhören: Mit f&e in Israel und der Westbank
Bericht famulieren & engagieren 2023 (IPPNW-Blog)

There’s no such thing as the voiceless: Bericht aus dem besetzten Westjordanland
Bericht famulieren & engagieren 2023 (IPPNW-Blog)

Statements von Organisationen in Israel/Palästina

Seit Jahren arbeitet die IPPNW im Rahmen der Begegnungsreisen nach Israel/Palästina mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort zusammen. Im Folgenden veröffentlichen wir einige Statements von Organisationen aus Israel und Palästina, mit denen wir im regelmäßigen Austausch stehen.

Inmitten des Schreckens liegt eine Chance für den Frieden
Erklärung des Palestine-Israel Journal
englisch/deutsch

Der Brief, der uns empört
Dutzende israelische Ärzt*innen unterzeichneten einen Brief, der das Militär auffordert, "Hornissennester und die sie schützenden Krankenhäuser" im Gazastreifen zu zerstören. Eine Antwort von Physicians for Human Rights Israel
englisch/deutsch auf der Seite von medico

Palestinian CSO Send a Letter to the UN High Commissioner Calling for Ceasefire, and Stress on the Root Causes
Brief des Palestinian Centre for Human Rights, Al Mezan Center for Human Rights und Al-Haq an den UN-Hochkommissar für Menschenrechte Völker Türk
englisch

Materialien

IPPNW-Information: "Von der Nakba zum ABC der Besatzung" – Israel-Palästina-Reise der IPPNW 2022. PDF

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